Kirchentag: Petra Bosse-Huber zur Diskussion um Sühneopfertheologie

Vizepräses: „Das Kreuz Jesu war und ist anstößig und ärgerlich“

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Pressemitteilung Nr. 59/2011

In der Diskussion um die christliche Sühneopfertheologie hat die Vizepräses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Petra Bosse-Huber, zum respektvollen Umgang der widerstreitenden Gruppen miteinander aufgerufen. „Respekt gilt aber auch dem biblischen Zeugnis“, sagte die Theologin in einem Impulsreferat beim 33. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dresden heute Nachmittag (vgl. Sperrfrist!): „Dabei gilt gerade nach evangelischem Verständnis: Die biblischen Zeugnisse dürfen und müssen ebenso wie die theologischen Erkenntnisse der Bekenntnisschriften in jeder Zeit neu diskutiert werden.“ Zugleich warnte die rheinische Vizepräses in der Auseinandersetzung um das Sühnopfer aber davor, „eine Deutung oder eine theologische Tradition als gänzlich überholt abzutun, wie es in der Diskussion manchmal gefordert wird.“

Alleine in der Heiligen Schrift selbst werden fünf verschiedene Sichtweisen und Deutungen des Kreuzestodes Jesu wiedergegeben, beschrieb Petra Bosse-Huber bei ihrem Referat in der „Halle der Theologie“. Das Spektrum reiche von Jesu Tod als Sühnopfer oder als Werk der Versöhnung bis hin zur Stellvertretung Jesu, der das Los auf sich nimmt, das eigentlich der Preis für die Sündhaftigkeit und Gottvergessenheit der Menschen ist.

Gott braucht kein Opfer, um sich mit uns zu versöhnen

„Das Kreuz Jesu war für seine Zeitgenossen anstößig und ärgerlich, für seine Freundinnen und Freunde wie für seine Feinde. Dasselbe gilt heute noch: Das Kreuz und alles, was damit zusammen hängt, ist anstößig und ärgerlich, für Christinnen und Christen genauso wie für Nicht-Christen. Denn das Kreuz ist ein Mahnmal für eine Welt, die in Sünde verstrickt und gefangen ist. Wenn wir uns dem Kreuz Jesu aussetzen, werden wir mit der Macht der Sünde konfrontiert in Gestalt von Tod und Gewalt, von Schmerz und Ungerechtigkeit. Genau da begegnen wir Gott, den das Leid der Opfer und die Gewalt der Täter nicht kalt lassen, sondern der Leid und Gewalt auf sich nimmt, erträgt und in der Auferstehung verwandelt“, unterstrich Vizepräses Bosse-Huber.

Für ihren eigenen Glauben gelte: „Ich verstehe die Rede vom Kreuz und vom Opfertod Jesu so, dass Gott in Jesus Christus das Kreuz auf sich nimmt. Gott braucht kein Opfer, um sich mit uns zu versöhnen. Das wird auch in vielen biblischen Stellen deutlich, die von der Versöhnung berichten. Im Tod Jesu am Kreuz erbringt Gott symbolisch das letztgültige Opfer. Damit macht er deutlich, dass er unseres Opfers nicht bedarf. Kein blutiges Selbstopfer kann Christinnen und Christen näher zu Gott bringen oder ins Himmelreich. Keine Selbstverstümmelung, kein schwerer Verzicht muss Gott gnädig stimmen – und könnte es auch nicht.“ An diesem Punkt treffen sich nach Einschätzung Bosse-Hubers „Versöhnung und Rechtfertigungslehre sozusagen ,unter dem Kreuz’: Gott schenkt denen Versöhnung, die sie selbst nicht bewirken können. Er nimmt die an, die sich selbst für unannehmbar halten. Er macht die Sünder gerecht. Gott tut dies aus Liebe, aus freien Stücken, ohne Preisschild. Warum? Weil Gott will, dass Menschen mit ihm in Beziehung leben. Gottes Ziel für seine Menschen ist ein wahrhaft lebenswertes Leben – Liebe, Frieden, Gerechtigkeit, Vergebung, Neubeginn.“

 

 

 

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Mittwoch, 1. Juni 2011. Die letzte Aktualierung erfolgte am Freitag, 3. Juni 2011. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

Dresden / EKiR-Pressestelle / 01.06.2011