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Pfarrer i.R. Heiner Süselbeck. Promovierte soeben über den Briefwechsel zwischen den Professoren Hermann Schlingensiepen und Helmut Gollwitzer: Heiner Süselbeck.

Briefwechsel von Hermann Schlingensiepen und Helmut Gollwitzer

Promotion statt Ruhestand

Er wollte lesen, wandern und mehr Zeit für die Familie haben. Das sagte Heiner Süselbeck bei seiner Verabschiedung in den Ruhestand im Dezember 2009. Doch die Neugier trieb den pensionierten Landespfarrer um. In diesem Frühjahr hat er promoviert.

Sein Thema: Der Briefwechsel zwischen Hermann Schlingensiepen und Helmut Gollwitzer. Beide waren evangelische Theologen, beide waren Professoren, beide haben den Nationalsozialismus und die frühe BRD erlebt. Beide setzten sich intensiv und schonungslos mit den Themen ihrer Gegenwart auseinander.

„Das hat mich gefesselt, dass sie alle Themen behandelten, die mich seit meiner Jugend bewegt haben: den Nationalsozialismus, die Auschwitzfrage, die Wiederbewaffnung der BRD, die atomare Bewaffnung, die Stellung der Kirche zu Israel, den Sozialismus...“, erzählt Heiner Süselbeck.

„Dieser Briefwechsel war so faszinierend, dass ich dachte, das muss unter die Leute, was die beiden da diskutiert haben.“ So entstand Heiner Süselbecks Idee zur Promotion, die in diesem Jahr unter dem Titel „Niemanden verloren geben - Themen des Briefwechsels zwischen Helmut Gollwitzer und Hermann Schlingensiepen 1951-1979“ im Münsteraner LIT-Verlag erscheint.

Gestritten wie die Kesselflicker

Doch es waren nicht nur die Inhalte, die den heute 68-Jährigen umtrieben. Es war vor allem auch die Qualität der Auseinandersetzung dieser beiden Theologen, die durchaus unterschiedliche Ansichten hatten, aber immer an ihrer gemeinsamen Kirchlichkeit festhielten. „Die beiden haben sich sozusagen geschlagen wie die Kesselflicker, aber sie haben sich nicht losgelassen“, beschreibt Süselbeck den Diskurs.

Wie sehr ihn das bewegt, ist seiner Stimme anzuhören. „Dies ist eines der Anliegen meiner Arbeit: In der Kirche zusammen zu stehen, bedeutet, zu akzeptieren, dass wir eine Gemeinschaft der Verschiedenen sind, aber Kirche lebt davon, dass wir streiten können!“

"Nicht genug protestiert"

Einig waren sich Schlingensiepen und Gollwitzer jedoch in der Frage der Auschwitz-Prozesse. „Sie sagten, die NS-Täter sind zu verurteilen, aber wir dürfen nicht mit Fingern auf sie zeigen, sondern wir selber sind mitschuldig am Nationalsozialismus. Wir haben nicht genug protestiert.“ Gemeinsam dachten sie zunächst sogar daran, sich an der Seite von NS-Tätern in „Solidaritätshaft“ nehmen zu lassen.

Soweit ist es nicht gekommen. Doch durch den Briefwechsel mit NS-Kriegsverbechern wurde für Schlingensiepen die Seelsorge an Verurteilten zur besonderen Aufgabe. Dabei gebe es „erschütternde“ Dokumente, berichtet Süselbeck im Hinblick auf die Uneinsichtigkeit der Verurteilten.

Einzelne Themen verdienen weitere Vertiefung

Trotz fertiger Dissertation ist der Austausch der beiden Theologen für Süselbeck noch nicht ausreichend behandelt. Dafür haben Schlingensiepen und Gollwitzer Probleme von zu großer Tragweite zu ausgiebig besprochen: „Ich hoffe sehr, dass meine Arbeit für andere einen Anstoß gibt, bei dem ein oder anderen Thema noch weiter in die Tiefe zu gehen.“

Heiner Süselbeck war Gemeindepfarrer im Saarland und am Niederrhein. Von 1990 bis 1996 arbeitete er als Auslandspfarrer auf der spanischen Insel Mallorca, wo heute auch ein Sohn mit Familie lebt. Von 2002 bis Ende 2009 war Süselbeck Rektor des Pastoralkollegs der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR). Heute lebt er in Aachen und auf Mallorca.

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Montag, 2. Juni 2014. Die letzte Aktualierung erfolgte am Mittwoch, 4. Juni 2014. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / Alexandra Stoffel, Foto privat / 04.06.2014



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