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Wolfgang Kraus Professor Wolfgang Kraus

Symposium

„… mein Blut für euch“ – die Bedeutung des Todes Jesu

Lebenshingabe, Opfer, Stellvertretung – was bedeutet der Kreuzestod Jesu? Dieser kontrovers diskutierten Frage gehen Religionswissenschaftler, Theologinnen und Theologen vom 15. bis 17. Oktober auf dem Saarbrücker Campus auf den Grund.

Vertreter verschiedener theologischer Disziplinen geben Einblick in ihre Erkenntnisse aus religionsgeschichtlicher, exegetischer, systematisch- und praktisch-theologischer Sicht und stellen sich der Diskussion. Die Saarbrücker Professoren für Evangelische Theologie Wolfgang Kraus, Michael Hüttenhoff und Karlo Meyer veranstalten das Symposium, das unter anderem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Evangelischen Kirche im Rheinland gefördert wird.

International führende Wissenschaftler in Saarbrücken

Warum und wozu musste Jesus sterben? Seit zwei Jahrtausenden zählt dies zu den Grundfragen des christlichen Glaubens. „Mit der Tagung wollen wir einen Beitrag leisten, Jesu Tod für die heutige Zeit verständlich auszulegen und außerdem auszuloten, wie wir dies in Predigt und Unterricht vermitteln können“, erklärt Wolfgang Kraus, Professor für Evangelische Theologie an der Universität des Saarlandes. Er hat die Tagung initiiert.

International führende Vertreter theologischer Disziplinen kommen zu Wort. „Sie haben den jeweiligen Stand der Forschung aufgrund eigener Studien mitbestimmt“, sagt Professor Kraus. Darunter sind unter anderem die Bibelwissenschaftler Christian Eberhart (Houston), Jan Willem van Henten (Amsterdam) und Jörg Frey (Zürich), der polnisch-österreichische Theologe Józef Niewiadomski (Innsbruck) und der Religionspädagoge Michael Fricke (Regensburg).

„Jesus ist nach dem Neuen Testament ´für uns` gestorben. Die Frage, die sich stellt, ist, was ´für uns` dabei bedeutet: Uns zu Gute? Zu unserem Vorteil? An unserer Stelle?“, erläutert Kraus. Traditionell habe die Theologie dies im Sinne von „an unserer Stelle“ verstanden: „zur Strafe für unsere Sünden“, so die mittelalterliche Satisfaktionstheorie des Anselm von Canterbury. Gott Vater, durch die Sünden der Menschen in seiner Heiligkeit verletzt, werde durch den Tod Jesu versöhnt. In der Versöhnungslehre werde Gott zum Objekt des Versöhnungshandelns, Jesus als Opfer gegenüber Gott, der den Menschen daraufhin verzeihe.

Unterschiedliches Opfer-Verständnis

Die Reformation griff diese Deutung teils auf, teils veränderte sie sie. „Schon bei Kant, aber besonders seit dem 19. Jahrhundert wird diese Sicht in Frage gestellt. Im 20. Jahrhundert rückte die Opferdiskussion in den Mittelpunkt und ein neues Verständnis von Opfer, Stellvertretung, Lebenshingabe wurde herausgearbeitet“, sagt der Evangelische Theologe. Ob die Kreuzigung Jesu als Sühneopfer zu verstehen ist, das Voraussetzung der Vergebung der Sünden ist, ist heute umstritten. Die rheinische Kirche hat dazu 2010 und 2011 zwei Arbeitshilfen unter den Titeln „Aus Leidenschaft für uns“ und „Kreuzestheologie von der Schrift her befragen“ herausgegeben

„Die Bibel spricht in Bildern, in Metaphern. Diese gilt es auszulegen“, erklärt Wolfgang Kraus. So unterscheide sich zum Beispiel das Opfer-Verständnis aus griechisch-römischer Sicht fundamental von dem des Altem Testaments und des Judentums. „Während nach griechisch-römischem Verständnis die Götter durch ein Opfer freundlich gestimmt werden sollen – der Mensch hat gesündigt, das Opfer soll die Götter versöhnen –, ist aus Sicht des Alten Testaments und des Judentums Gott vielmehr der Stifter eines Rituals an dessen Ende Sündenvergebung steht. Er ist das Subjekt, nicht das Objekt des Opfers“, sagt Kraus.

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ekir.de / rtm / Foto: Jörg Pütz/Saar-Uni / 09.10.2015



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