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Besuch im Paulusheim für Flüchtlinge, v.l.: der Landtagsabgeordnete Bernhard von Grünberg, FSJ'lerin Vera Blume, Präses Manfred Rekowski und der Bonner Sozialausschuss-Vorsitzende Peter Kox. Besuch im Paulusheim für Flüchtlinge, v.l.: der Landtagsabgeordnete Bernhard von Grünberg, FSJ'lerin Vera Blume, Präses Manfred Rekowski und der Bonner Sozialausschuss-Vorsitzende Peter Kox.

Besuch in Bonner Flüchtlingsheim

Mehr syrische Flüchtlinge aufnehmen

„Angesichts der Not der Menschen und unserer Wirtschaftskraft ist die Zahl der syrischen Flüchtlinge, die in Deutschland aufgenommen werden sollen, viel zu gering. Deswegen bitten wir die Innenministerkonferenz darum, hier für Bewegung zu sorgen.“

Mit dieser Forderung wendet sich Präses Manfred Rekowski an die Politik. Denn: „Das Eintreten für Flüchtlinge gehört zur Identität der Kirche.“ In Bonn besucht der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland das Paulusheim. In der ehemaligen Seniorenresidenz werden seit April Flüchtlinge aus vielen Ländern untergebracht. „Im Moment sind es rund 130 Menschen“, sagt die Bonner Sozialdezernentin Angelika Maria Wahrheit, die den Präses bei seinem Besuch begleitet und das Konzept des Hauses vorstellt.

„Die Menschen kommen aus Aserbeidschan, Armenien, Albanien, der Russischen Föderation und eben auch aus Syrien.“ Das Paulusheim ist aus ihrer Sicht ein Glücksfall, weil es viel Platz bietet. Das entspannt die Menschen. In der Regel leben zwei Bewohner in den je 24 Quadratmeter großen Zimmern. Damit haben sie deutlich mehr Platz als in anderen Unterkünften.

Große Unterstützung durch die Kirchen

Zudem seien das Haus und dessen Bewohnerinnen und Bewohner in der Nachbarschaft im Stadtteil Endenich gut angenommen. „Es gibt viele Sachspenden und viele ehrenamtliche Helfer“, so die Sozialdezernentin, die insbesondere die Kirchen lobt, konkret sowohl die katholische Pfarrgemeinde St. Maria Magdalena als auch die evangelische Trinitatiskirchengemeinde. „Die Unterstützung durch die Kirchen hier ist groß. Sie ist es überall, wo wir uns in der Stadt um Flüchtlinge kümmern müssen.“

Das, sagt die Sozialdezernentin, sei ein nicht zu unterschätzender Faktor zur Akzeptanz von Flüchtlingen. Und so trifft die kleine Besuchergruppe, zu der auch der Bonner SPD-Landtagsabgeordnete Bernhard von Grünberg und der Vorsitzende des Bonner Sozialausschusses Peter Kox gehören, dann am Ende des Rundgangs auch auf Vera Blume. Die junge Frau macht bei der Trinitatiskirchengemeinde ein Freiwilliges Soziales Jahr und koordiniert das ehrenamtliche Engagement.

Thema der Innenministerkonferenz

Dass Manfred Rekowski am Mittwoch ausgerechnet ein Flüchtlingsheim in Bonn besucht und sich dort auch von einer syrischen Familie von Flucht und der Situation heute erzählen lässt, ist kein Zufall: Seit Mittwochnachmittag tagt in der Bundesstadt die Innenministerkonferenz der Länder – und dort geht es auch um die Aufnahme weiterer Flüchtlinge aus Syrien.

Neun Millionen Syrerinnen und Syrer befinden sich zurzeit auf der Flucht. Das sind rund 40 Prozent der Bevölkerung. Mehr als drei Millionen Syrer haben das Land seit Beginn des Bürgerkriegs verlassen und befinden sich jetzt zumeist in den Nachbarstaaten Libanon, Jordanien, Türkei und Irak. Doch diese Länder können die hohe Zahl an Flüchtlingen kaum noch verkraften.

Höheres Kontingent

Mit Blick auf syrische Flüchtlinge bereitet dem Präses auch die Frage nach dem Familiennachzug Sorge. Eine Sorge, die Landtagsabgeordneter von Grünberg, der auch stellvertretender Vorsitzender der Uno-Flüchtlingshilfe ist, teilt: „Bundesweit gibt es bereits 80.000 Anträge auf Familiennachzug, aber nur ein Kontingent von 5.000 Plätzen."

Alleine in NRW lägen demnach 31.000 Anträge auf Familienzusammenführung vor, von denen bisher nur 1.500 geprüft wurden. Deswegen müsse es ein höheres Kontingent geben. Zudem müssten bürokratische Hindernisse beim Zuzug der Flüchtlinge abgebaut werden, um ihnen deutlich schneller als bisher helfen zu können.

Flucht und Fluchtursachen bleiben auf der Tagesordnung

Präses Manfred Rekowski jedenfalls hofft für die syrischen Flüchtlinge auf weiterführende Beschlüsse der Innenministerkonferenz, die noch bis Freitag in Bonn tagt. Zum Schluss seines Besuches in Endenich macht er aber auch deutlich, dass es ihm und der Kirche um die Lage aller Flüchtlinge geht: „Wir werden in konstruktiver Penetranz dafür sorgen, dass das Thema Flüchtlinge und Fluchtursachen auf der Tagesordnung bleibt.“

Die rheinische Kirche ist auch insofern mit gutem Beispiel vorangegangen: Bereits im Januar hatte die Landessynode 500.000 Euro für die Flüchtlingsarbeit zur Verfügung gestellt.

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ekir.de / Jens Peter Iven, Foto: Martin Magunia / 12.06.2014



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