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Foto: Meike Böschemeyer Lars Charbonnier (links) und Peter Burkowski referierten beim Tag rheinischer Pfarrerinnen und Pfarrer.

Tag rheinischer Pfarrerinnen und Pfarrer

Ein Modell für die Zukunft entwickeln

Wie kann Führung in der Kirche aussehen? Wie entwickelt sich die Kirche? Welche gesellschaftlichen Trends sind wichtig? „Leiten und (sich) leiten lassen. Verantwortung und Chancen im Pfarrberuf“ lautete das Thema des Tages rheinischer Pfarrerinnen und Pfarrer.

Peter Burkowski und Lars Charbonnier von der Führungsakademie für Kirche und Diakonie führten die rund 160 Teilnehmenden am Freitag im Gustav-Stresemann-Institut in Bonn-Bad Godesberg in das Thema ein. „Die Kirche ist Gabe bevor sie Aufgabe wird“, betonte Burkowski. Aber sie sei eben auch zugleich Aufgabe des menschlichen Handelns, das Gott und seinen Weisungen folge.

Das Ende linearer Wachstumsstrategien

Seit etwa 20 Jahren beschäftigten Themen wie Steuerung, Regelung und Leitung die Kirchen, so Burkowski. Kirche sei immer auch Organisation. Dabei hätten sich in den vergangenen zweihundert Jahren verschiedene Paradigmenwechsel vollzogen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstanden protestantische Personalgemeinden mit freier Pfarrwahl.

Zum Ende des Jahrhunderts dominierten Gemeinden mit einem „Pfarrzwang“, der jeden erfassen sollte. In den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts haben die Kirchen angefangen, die Gesellschaft nachzubauen und zusätzliche Angebote entwickelt.

Mit den 90er Jahren begann danach das Netzwerkmodell in den Kirchen an Bedeutung. Nach Darstellung von Burkowski hat sich damals das Ende der Ergänzungsstrategie „das Alte bewahren und neue Wege gehen“ abgezeichnet. „Es geht nicht mehr“, analysierte der ehemalige Superintendent des Kirchenkreises Recklinghausen und jetzige Leiter der Führungsakademie. Lineare Wachstumsstrategien mit aufwärts strebenden Linien seien an ihr Ende gekommen.

Das kybernetische Dreieck aus Auftrag, Situation und Ressourcen erläuterte Lars Charbonnier. Kybernetik ist die Wissenschaft von der Steuerung von Maschinen, Organismen und auch von sozialen Organisationen. Nach Ansicht des Referenten muss der grundlegende Gesellschaftswandel in den Blick genommen werden. Es gehe nicht nur um „was müssen wir tun“, sondern auch um „was müssen wir sehen“. Daher sei es auch schwierig mit Begriffen zu arbeiten wie „wachsen gegen den Trend“.

Mut neue Wege zu gehen und zu experimentieren

Zu den Rahmenbedingungen gehört, dass Deutschland älter wird, trotz Zuwanderung hier weniger Menschen leben werden und viele auch ärmer werden. Da sei es für keine Organisation möglich, gegen den Trend zu wachsen, so der studierte Theologe und Soziologe. Weniger werden sei da keine Auswirkung guter oder schlechter Gemeindearbeit. Leitungsarbeit heiße dann aber ein Modell für die Zukunft zu entwickeln. Als weitere Trends neben dem demografischen Wandel nannte Charbonnier die Pluralisierung und Individualisierung sowie die beschleunigte Vermehrung des Wissens.

In den vier Arbeitsgruppen des Pfarrertages ging es unter anderem um aktuelle Entwicklungen in der Gesellschaft und praktische Erfahrungen der Teilnehmenden. Leiten kam als Herausforderung einer Geistlichen Leitung in der komplexen Kirche zur Sprache, als Aufgabe in außerkirchlichen Arbeitsfeldern wie Schulen, Bundeswehr und Krankenhäusern, in der Gemeinschaft der ordinierten Theologen und als Zielvorgabe für Gemeindepfarrer.

Eine Pfarrerin betonte: „Ich möchte nicht nur Führungskraft und Managerin sein“. Seelsorge und menschliche Begleitung dürften nicht an Bedeutung verlieren. Andere fragten in den Arbeitsgruppen nach dem Verhältnis von Leitung des Pfarrers und der Leitung durch das Presbyterium. „Führung mit Zielen“ und „eine Kirche, die Vertrauen schafft“ waren weitere Stichworte.

Manfred Rekowski, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, räumte zum Abschluss des Tages ein, dass zentrale Regelungen nach Art der DIN-Ordnungen den unterschiedlichen Situationen oft kaum oder nur unzureichend gerecht würden. Darauf müsse das Leitungshandeln der Landeskirche reagieren. Er plädierte für Deregulierung und verwies auf die Diskussion um Gemeindeformen. Man brauche den Mut neue Wege zu gehen und zu experimentieren. Da niemand Patentrezepte habe, müsse die Kirche das aushalten. Es sei zudem ein guter Beitrag zum Reformationsjubiläum 2017.

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ekir.de /rtm / Foto: Meike Böschemeyer / 14.09.2015



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