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Entwurf eines Talars für Theologinnen: Realisiert wurde er nicht. Entwurf eines Talars für Theologinnen: Realisiert wurde er nicht.

Tag der Archive

Unrealisierte Entwürfe, lange verweigerter Talar

Um die Hüfte ist das schwarze Kleid kess tailliert. Die Schultern sind breit und hoch. Die dufte Modezeichnung gilt jedoch nicht einem Abendkleid. Vielmehr ist sie ein Entwurf für einen Talar für Frauen aus den 50er Jahren. Kirchengeschichte zum Staunen.

Gleichberechtigung der Frauen im Pfarramt unter dem Aspekt der Amtstracht ist das Thema der Präsentation des Archivs der Evangelischen Kirche im Rheinland am Tag der Archive am 8. März in Düsseldorf. Die Abbildung vom weiblichen Talarentwurf ist eines der Stücke, die Besucherinnen und Besucher zu sehen bekommen. Eine zweite Zeichnung dokumentiert einen Alternativentwurf: aufregende Armkrempel, hübsches Hütchen.

„Mir erscheint die Schaffung einer besonderen Amtstracht unnötig“, schreibt im Jahr 1947 der damalige rheinische Präses Heinrich Held. Schließlich sei der Talar ein „Amtskleid, das die individuelle Gestalt seines Trägers verhüllt, sinngemäß also auch die Gestalt der Vikarin“, vermerkt der Kirchenchef weiter. Außerdem regt er an, vor der Entscheidung zu klären, wie die anderen Landeskirchen in der „Tracht“-Frage entschieden haben, heißt es sinngemäß in dem Schriftstück, das ebenfalls in der kleinen Präsentation gezeigt wird.

Amt "eigener Art"

Um es abzukürzen: Diese beiden Entwürfe wurden nie Realität, und: Theologen und Theologinnen tragen heute den gleichen Talar. Doch der Weg bis dahin war steinig und lang. Rekonstruiert hat ihn die Theologin Dr. Dagmar Herbrecht in einem Beitrag für die Monatshefte für Evangelische Kirchengeschichte des Rheinlands, darauf stützt sich die Historikerin und Archivarin Ruth Rockel, die die Präsentation zusammengestellt hat.

Zusammengefasst: Frauen im Pfarramt – das galt einst allenfalls als Amt „sui generis“, als Amt eigener Art. Und eben nicht als vollwertiges Pfarramt. Der Titel war anders – gesprochen wurde nicht von Pfarrerinnen, sondern nur von Vikarinnen. Sie wurden nicht ordiniert, sondern nur eingesegnet. Es galt eine Zölibatsklausel: Wer heiratete, schied aus. Das sog. Vikarinnengesetz, das erstmals 1927 erlassen wurde, sah das so vor. Eben auch dies: „Eine Amtstracht als solche gab es eigentlich nicht“, erinnert Ruth Rockel. Zu tragen war ein geschlossenes schwarzes Kleid.

Öffnungen, Rückentwicklungen, Diskussionen

In der Zeit des Zweiten Weltkriegs gab es Öffnungen – aus der Not heraus. Und danach folgten Rollbacks ebenso wie neue Diskussionen. 1952: Zu tragen ist ein Talar mit weißem Kragen statt Beffchen. 1963 folgt die Amtsbezeichnung Pastorin und die heute merkwürdig anmutende Auflage, Theologinnen nur in Kirchengemeinden mit mindestens drei Bezirken zuzulassen. „Um niemandem den Dienst einer Frau aufzuzwingen.“ Kirchengeschichte zum Schütteln. Die offizielle Einführung der gleichen Amtstracht für Pfarrer und Pfarrerinnen fällt in das Jahr 1987.

Der 7. Tag der Archive hat „Frauen, Männer, Macht“ zum Thema. In Düsseldorf findet er im Weiterbildungszentrum am Hauptbahnhof statt. 24 Archive beteiligen sich, zeigen jeweils ihre Schätze. Schon jetzt präsentieren sie auf Plakaten ihre Bestände unter dem Aspekt des Verhältnisses von Frauen und Männern. Am Tag selber werden vier kirchliche Archive erneut einen Stand teilen. Das Archiv der rheinischen Kirche schließt sich mit dem Archiv der Fliedner-Kulturstiftung sowie zwei katholischen Archiven zusammen.

Samstag, 8. März, 10 bis 17 Uhr, Weiterbildungszentrum, Bertha-von-Suttner-Platz 1, Düsseldorf. Anschließend werden die Tafeln in einer Vitrine im Foyer des Landeskirchenamts präsentiert.

Dr. Dagmar Herbrecht: Der „weibliche Talar“ – Stationen auf dem langen Weg vom „Amt eigener Art“ zur vollen Gleichberechtigung von Frauen und Männern im pfarramtlichen Dienst. In: Monatshefte für Evangelische Kirchengeschichte des Rheinlandes, Düsseldorf, Kirche in der Zeit, Band 55, 2006, S. 159-178 

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Donnerstag, 6. März 2014. Die letzte Aktualierung erfolgte am Montag, 10. März 2014. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / neu, Abbildungen Archiv der EKiR / 06.03.2014



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