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Die Schülerinnen und Schüler haben einen eigenen Zugang zu den biblischen Geschichten gefunden. Ihr Alltag hat dabei eine entscheidende Rolle gespielt. Die Schülerinnen und Schüler haben einen eigenen Zugang zu den biblischen Geschichten gefunden. Ihr Alltag hat dabei eine entscheidende Rolle gespielt

Theaterprojekt

Alltagsnah und ein bisschen schräg

Was meint der Vers „Hinabgestiegen in das Reich des Todes“ aus dem apostolischen Glaubensbekenntnis heute?  Dieser und anderen Fragen sowie weiteren Geschichten aus der Bibel nähert sich das Theaterprojekt des Düsseldorfer Theodor-Fliedner-Gymnasiums unter dem Motto „Einfach lebendig: Die Geschichten der Bibel neu erzählt“.

Am Montagabend fand die Premiere in der Aula des Fliedner-Gymnasiums statt. Auch beim Kirchentag in Berlin werden die Schülerinnen und Schüler ihre Szenen, die seit September 2016 ausgearbeitet haben, präsentieren.

 „Wir hatten keinen Leitfaden, sondern grundsätzlich komplette Freiheit bei der Umsetzung und Gestaltung“, sagt Anna Goga (16), die in einer der sechs Szenen den Teufel darstellt. „Viele Kinder und Jugendliche stehen der Kirche vielleicht nicht mehr so nahe wie früher. Wir möchten mit unserer Umsetzung das Ganze in die heutige Zeit transportieren.“

Das Publikum hat Raum für eigene Interpretationen

Als Teufel macht Anna drei „Kandidaten“ klar, dass nicht jeder für die Hölle qualifiziert ist, der Himmel aber gleichwohl keine Alternative darstellt. Die drei Anwärter in dieser Szene sollen den in der Wüste fastenden Jesus in Versuchung bringen, um zu beweisen, dass es ihnen mit der Hölle ernst ist. „Dass der Zuschauer Raum für eigene Interpretationen hat, ist von uns so gewollt“, erklärt Anna Goga.

Die Sprache, die die rund 40 Schülerinnen und Schüler bei der Darstellung der biblischen Geschichten benutzen, ist bewusst modern. Sätze des Teufels wie „Ich bin ja kein Unmensch“ oder „Ich bin fair“ spielen mit der Stigmatisierung der Figuren.

Die „Höllen-Anwärter“ entlarven den fastenden Jesus, der in seinem Gewand eine Flasche mit Alkohol mit sich trägt. Gestellte Beweisfotos, die im Online-Dienst „Instagram“ hochgeladen werden, sollen den Teufel davon überzeugen, den Kandidaten den Zugang zur Hölle zu erlauben.

„Schräg darf es sein, aber die Ideen mussten auch in eine Logik gebracht werden“, erklärt Dr. Hans-Peter Schulz, Lehrer am Theodor-Fliedner-Gymnasium und Leiter des Theaterprojekts, das von der Landeskirche und von Kirchenkreis Düsseldorf-Mettmann gefördert wird.

Der eigene Alltag spielt eine entscheidende Rolle

Madlen Pieles, die Orchesterleiterin der Schule, hat das Projekt musikalisch begleitet und ergänzt: „Die Schülerinnen und Schüler haben den eigenen Zugang zu den biblischen Stellen gesucht und gefunden. Der eigene Alltag hat dabei eine entscheidende Rolle gespielt.“

Das zeigt sich auch in der letzten Szene der Aufführung, in der eine Mädchen-Clique sozialen Druck auf eine neue Mitschülerin ausübt. Die moderne Fragestellung zur Seligpreisung „Selig sind die, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden“ lautet: Sollte ein Mobbingopfer zur „Feindesliebe“ angehalten werden?

Weitere Themen sind unter anderem das Reinheitsgebot und die Frage, ob massenhaft hergestellte Nahrung mit Vorstellungen von Reinheit verbunden werden kann sowie die Traditionspflege und der Umgang mit Feiertagen wie dem Karfreitag. „Diese Geschichten in die heutige Zeit zu übersetzen, war nicht so einfach“, sagt Anna Goga. „Jeder sieht bestimmte Inhalte anders. Und genau das wollen wir mit dem Stück darstellen.“

Während des Kirchentags in Berlin (24. bis 27. Mai) wird die Theatergruppe gemeinsam mit Schülern aus Ghana auftreten und ihre modernen Bibelgeschichten aufführen. Am 24. Juni (17.45/18.30 Uhr) werden die Bibelszenen in der Johanneskirche in Düsseldorf gespielt.

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ekir.de / Tobias Kemberg / 17.05.2017



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