Reformation und Toleranz

Rekowski: Lerngeschichte noch nicht abgeschlossen

Zu einer christlichen Freiheit, die auch die Freiheit der anderen achtet, bekannten sich die evangelischen Landeskirchen Nordrhein-Westfalens beim Auftakt des Themenjahres „Reformation und Toleranz“.

Eröffneten das Themenjahr zur Toleranz in Schwerte-Villigst: Martin Dutzmann, Manfred Rekowski, Annette Kurschus, Guntram Schneider und Michael Weinrich. LupeEröffneten das Themenjahr zur Toleranz in Schwerte-Villigst: Martin Dutzmann, Manfred Rekowski, Annette Kurschus, Guntram Schneider und Michael Weinrich.

Das Jahr der Toleranz ist eine Station in der Lutherdekade, die zum Reformationsjubiläum 2017 hinführt. Dann jährt sich die Veröffentlichung von Martin Luthers Thesen von 1517 zum 500. Mal. Die Dekade wurde von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) initiiert.

Der künftige Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Oberkirchenrat Manfred Rekowski, sagte bei der Veranstaltung am Montag im Haus Villigst: „Die Freiheit eines Christenmenschen erkennt eben auch die Freiheit derer, die anders sind, anders denken, anders handeln.“ Die evangelische Kirche sei durch die Reformation gegangen und habe ihren Alleinvertretungsanspruch aufgegeben. Rekowski sagte aber auch, dass die Geschichte der Reformation „immer auch eine Geschichte der Scham und der Schuld“ sei. „Wir haben hier als evangelische Christen also eine Lerngeschichte hinter uns. Aber diese Lerngeschichte ist noch nicht abgeschlossen.“

Präses Kurschus: Nicht über die Wahrheit verfügen

Annette Kurschus, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, rief zu einer Toleranz auf, die über das bloße Dulden und Ertragen hinausgeht. Toleranz bedeute auch, um das Gemeinsame zu ringen und dabei die Unterschiede zu achten. Dabei gelte immer: „Christliche Toleranz glaubt nicht, im Besitz der Wahrheit zu sein. Sie will nicht über die Wahrheit verfügen. Und dies nicht, weil sie die Wahrheit gering schätzt – sondern umgekehrt, weil sie Ehrfurcht vor der Wahrheit hat.“ Die Wahrheit sei nie in den Händen der Menschen, sondern ganz bei Gott. Das Verstehen im Miteinander sei der Weg, den Gott mit den Menschen gehen wolle. „Wie wir diesen Weg gehen und gestalten, darin bewährt sich die Toleranz“, sagte Präses Kurschus.

Dr. Martin Dutzmann (Detmold), Landessuperintendent der Lippischen Landeskirche, erinnerte an das 450-jährige Bestehen des Heidelberger Katechismus, der weltweit zur Bekenntnisschrift der evangelisch-reformierten Christen geworden ist.

Minister Schneider: Respekt muss im Vordergrund stehen

Mit ihrem Themenjahr zur Toleranz greife die Kirche eine Frage auf, die sich gegenüber anderen Religionsgemeinschaften heute mehr denn je stelle, erklärte der NRW-Minister für Arbeit, Integration und Soziales, Guntram Schneider: „Ich denke vor allem an unsere muslimischen Mitbürgerinnen und Mitbürger, deren Integration eine wichtige Aufgabe des Staates ist.“ In Nordrhein-Westfalen leben 1,5 Millionen Muslime, etwa sieben Prozent der Bevölkerung. Der Respekt vor anderen, egal welcher Herkunft, Religion, welchen Alters oder Geschlechts müsse im Vordergrund stehen, im Wort und im Handeln.

Der Minister betonte aber gleichzeitig, dass ein respektvoller Umgang nicht konkretes politisches Handeln ersetze – besonders gegen die soziale Spaltung. „Deshalb ist für die Landesregierung die Bekämpfung von Armut und sozialer Ungerechtigkeit eine wichtige Leitplanke unserer Politik“, so Schneider. In diesem Frühjahr starte er eine Kampagne für Faire Arbeit, und bis zum Jahresende lege die Landesregierung ein Handlungskonzept gegen Armut und soziale Ausgrenzung vor.

Professor Dr. Michael Weinrich referierte bei der Veranstaltung über Reformation und Toleranz aus systematisch-theologischer Sicht. Er unterschied zwischen positiver und negativer Toleranz. Der negativen Toleranz als Haltung desinteressierten Duldens und berührungslosen Gewährenlassens stellte er die positive Toleranz gegenüber, die an Kommunikation und gegenseitiger Beziehung interessiert sei: „Positive Toleranz redet nicht über den anderen, sondern mit ihm.“ Der Theologe von der Ruhr-Universität Bochum beschrieb diese Art von Toleranz als „Versuch, dem anderen gerecht zu werden, nicht obwohl er der andere ist, sondern weil er der andere ist, ohne den wir auch uns selbst nicht mehr recht finden können.“

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Montag, 4. Februar 2013. Die letzte Aktualierung erfolgte am Mittwoch, 6. Februar 2013. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / ekvw.de / rtm / Foto: Dirk Purz / 04.02.2013



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