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Die Delegierten der CHHSM haben während ihres Besuchs auch im Düsseldorfer Landeskirchenamt Halt gemacht. Die Delegierten der CHHSM haben während ihres Besuchs auch im Düsseldorfer Landeskirchenamt Halt gemacht.

Deutschlandbesuch

Partnerschaft über den Atlantik hinweg

Sie versteht sich als Kämpfer gegen Armut, soziale Ungerechtigkeit und Vorurteile. Die Diakonie der  US-Kirche "United Church of Christ"  hat eine klare Vision und Mission. Aber sie macht ihre Arbeit unter zunehmend schwierigen Bedingungen. Das wurde während ihres Besuches bei der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe deutlich.

1,3 Millionen neu zugewanderte Menschen, aber kein Einwanderungsgesetz? Eine Kranken- und Rentenversicherung für alle Deutschen, aber ein so kompliziertes Steuersystem? So viele soziale Hilfsangebote, aber so wenig Spenden? Immer wieder gab es erstaunte Blicke und Fragen in den vergangenen fünf Tagen, als die sieben Delegierten des Council for Health and Human Services Ministries (CHHSM) der protestantischen United Church of Christ (UCC) bei der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe (RWL) zu Gast waren.

„Unsere politischen und sozialen Systeme sind unterschiedlich, aber wir können trotzdem viel voneinander lernen“, meinte CHHSM-Präsident Michael Readinger. „Als Diakonie haben wir das gleiche Ziel: Auf der Grundlage unseres christlichen Glaubens all denen zu helfen, die sich nicht selbst helfen können.“

Wenig staatliche Fürsorge, viele Spenden

Bereits seit 2009 gibt es die Partnerschaft zwischen CHHSM und der Diakonie RWL. Regelmäßig finden Besuche einer Delegation oder auch einzelner Referenten statt. In CHHSM ist die diakonische Arbeit der protestantischen UCC-Kirche zusammengefasst. Der Verband hat 75 Mitglieder mit rund 360 Einrichtungen, die mehreren Millionen Menschen in den USA soziale Hilfen anbieten. Sie reichen von Gesundheitsvorsorge, Altenhilfe, Kinder- und Jugendbetreuungen bis hin zu Einrichtungen der Behindertenhilfe.

Die amerikanische Diakonie erhält nur wenig Geld von der Regierung. Der Grund: Die Neutralität des US-Staates verbietet es, religiösen Organisationen Gelder für karitative Aufgaben zu geben. Außerdem existiert in den USA kein vergleichbares System von Sozialversicherungen wie in Deutschland. Den Großteil der sozialen Arbeit, die die CHHSM-Einrichtungen leisten, müssen sie daher durch Spenden und Beiträge ihrer Mitglieder finanzieren. Im vergangenen Jahr waren das 857 Millionen Dollar, fast 18 Prozent mehr als in den Jahren zuvor. Der Grund: Der Staat zieht sich zunehmend zurück.

Hoffnung auf den Kongress

Schon im Wahljahr 2016 hatte Donald Trump soziale Einschnitte angekündigt. Die will er nun auch umsetzen. „Zum Glück kann er nicht alle Gesetze einfach ändern“, betonte Referentin Danielle Bartz. „Wir hoffen daher auf den Kongress.“ Als Beispiel nannte sie Obama-Care. Einfach abschaffen geht nicht. Seit Monaten streitet sich Trumps republikanische Partei über die Gesundheitsreform. Senat und Repräsentantenhaus können sich nicht auf eine Alternative einigen. Durch "Obamacare" ist der Anteil der Bürger ohne Krankenversicherung in den vergangenen Jahren immerhin von 16 auf unter neun Prozent gesunken.

 „Diese Reform war für viele arme Menschen ein Segen“, meinte Bonnie Condon. Sie gehört zum Verwaltungsrat von 18 Kliniken, die Mitglied bei CHHSM sind. Sorgen macht ihr die rigide Haltung der Regierung gegenüber illegalen Migranten aus Mexiko. „Sie haben keinerlei Anspruch auf Gesundheitsversorgung“, erzählte die Klinikexpertin. Und erzählt von einem schwer kranken Mexikaner, der seit einem Jahr in einer CHHSM-Klinik in Chicago versorgt wird.

Diskriminierung papierloser Migranten

„Wenn wir ihn entlassen, stirbt er“, ist Bonnie Condon überzeugt. „Das können wir mit unserem Glauben nicht vereinbaren.“ Doch finanziell könnten sich ihre Krankenhäuser solche Fälle eigentlich gar nicht leisten. „Wir müssen viel Fundraising machen, denn die staatlichen Gelder reichen für unsere Arbeit bei weitem nicht aus.“ Ähnlich geht es auch Danette McCarns, die bei der CHHSM-Mitgliedsorganisation Peppermint Ridge arbeitet und dort über 100 Menschen mit Behinderungen in stationären und ambulanten Wohnungen betreut.

Der Großteil der Spenden kommt von Einzelpersonen, ein deutlich kleinerer stammt aus Kollekten der UCC-Gemeinden. Wie viel Geld wer gegeben hat, wird öffentlich gemacht. Das motiviere die Spender, erklärte UCC-Fundraiserin Mary Paxton. Rund 390 Milliarden Dollar wurden in den letzten Jahren in den USA an Nicht-Regierungs-Organisationen gespendet. Eine ganz andere Kultur als in Deutschland, wo jährlich rund sechs bis sieben Milliarden zusammenkommen. Jeder Verband leiste sich daher einen eigenen Fundraiser, so Mary Paxton. „Außerdem ist es für viele Mitarbeiter selbstverständlich, für die soziale Arbeit ihrer CHHSM-Organisationen zu spenden.“

Misstrauen gegenüber Institutionen

Allerdings nimmt die Bereitschaft in der amerikanischen Bevölkerung ab, Geld für die soziale Arbeit der Kirchen zu geben. „Wir beobachten ein zunehmendes Misstrauen gegenüber Institutionen wie Kirche, Schulen oder auch der Polizei“, sagte Barbara Kershner Daniel, die Pastorin in Maryland ist. „Viele Amerikaner wollen weniger Staat und sind der Meinung, dass jeder Mensch selbst für sein Schicksal verantwortlich ist. Die Bereitschaft, sich für andere einzusetzen, schwindet. Diese egozentrierte Haltung wird durch unseren Präsidenten verstärkt.“

Angesichts einer geringeren Spendenbereitschaft und sozialer Kürzungen werde die Vernetzung mit anderen karitativen Organisationen immer wichtiger, erklärte der Vorsitzende des Verwaltungsrates, Ken Daniel. „Wir müssen neue Partner finden und stärker mit einer Stimme sprechen, damit unsere Kritik bei der Politik ankommt.“ Gerne hätten sie auch eine Zusammenarbeit zwischen Staat, Kirche und Diakonie wie es sie in Deutschland gibt, betonte CHHSM-Präsident Michael Readinger. „Vieles, was wir für innovativ halten, gibt es hier bereits.“

Hohe Identifikation mit sozialer Arbeit

Dazu zählt die Delegation das Restaurant „Church“ des Diakoniewerkes Essen, in dem sozial benachteiligte Jugendliche und langzeitarbeitslose Menschen mit staatlichen Fördermitteln für Integrationsbetriebe zur Restaurantfachkräften ausgebildet werden. Auch die therapeutische Einrichtung der Graf Recke-Stiftung für jugendliche Straftäter beeindruckte die amerikanischen Besucher.

Und was kann die Diakonie RWL von CHHSM lernen? „Neben der guten Netzwerkarbeit und dem professionellen Fundraising hat mich vor allem die hohe Identifikation der Delegation mit ihrer Arbeit berührt“, sagt die sozialpolitische Beauftragte der Diakonie RWL, Helga Siemens-Weibring, die den Austausch organisiert und intensiv begleitet hat. „Was sie tun, tun sie auf der Grundlage ihres christlichen Glaubens.“

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ekir.de / Sabine Damaschke, Foto: Rainer Riechers / 13.09.2017



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