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Diskutierten über gute Unternehmensführung: Wirtschafts- und Diakonievertreter. Diskutierten über gute Unternehmensführung: Wirtschafts- und Diakonievertreter.

Wirtschaft und Diakonie im Dialog

Christliche Unternehmensführung ist nichts für Angsthasen

Egal ob in der freien Wirtschaft oder bei diakonischen Unternehmen, eine christliche Unternehmensführung ist machbar und sinnvoll, braucht aber viel Engagement und Mut. So lautet das Fazit einer Fachtagung in der Evangelischen Akademie im Rheinland in Bonn. 

Rund 60 Vertreterinnen und Vertreter von privaten Wirtschaftsunternehmen, diakonischen Einrichtungen und aus der evangelischen Kirche haben sich darüber ausgetauscht, ob und wie Gewinnorientierung sowie christliche Grundsätze auf betriebswirtschaftlicher Ebene zusammenpassen. Der Titel: "Dehnübungen – Geistliche Leitung in der Diakonie zwischen wirtschaftlichen Erfordernissen und geistlichem Anspruch".

In Workshops und Diskussionsrunden wurden Erfahrungen und Expertise aus den jeweils eigenen Wirkbereichen ausgetauscht. So sollte Schubladendenken überwunden werden, wie Dr. Martin Büscher, Professor für Diakonie- und Wirtschaftswissenschaften an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal-Bethel, mehrfach betonte.

Er selbst verstehe sich dabei als Grenzgänger zwischen Ökonomie und Theologie, der unter den Ökonomen als Pfarrer und in der Kirche als Wirtschaftsmann gelte. Seiner Ansicht nach darf man nicht vergessen, welche entscheidende Rolle der Protestantismus bei der Entstehung der Marktwirtschaft hatte. Darum solle die Kirche ihre oft ablehnende Haltung gegenüber dem freien Unternehmertum überdenken. „Gewinn als Leistungsanreiz ist nichts schlechtes, nur der Gewinn um des Gewinns willen ist verwerflich.“

Spiritualität und Organisationsentwicklung verbinden

Den christlichen Wirtschaftsvertretern riet Büscher, Spiritualität und Organisationsentwicklung zu verbinden. Ein Unternehmen müsse seinen Mitarbeitenden Raum für ihre Alltagssorgen und -fragen geben und dabei sehen, welche theologischen Kompetenzen es auch in der Mitarbeiterschaft gebe. Ein einfaches Mittel sei es, eine Sitzung empathisch mit der Frage zu beginnen: „Wie geht es euch denn?“ Dann könne christliche Unternehmensführung die Stärken von zwei Bereichen verbinden, das analytisch-empathische kirchliche Wesen und das gestalterisch-risikofreudige unternehmerische Handeln. Büschers Fazit: „Christliche Unternehmensführung ist nichts für Angsthasen.“

Eine ähnliche Position vertrat der Unternehmensberater Detlef Koenig. Für ihn sei es eine tägliche Herausforderung, als Christ Führungskraft zu sein, die Konflikte aushält, vorangeht, Entscheidungen fällt. Gerade in der Frage, wie man mit Konflikten umgeht, zeichne sich ein christlicher Wertehorizont ab. Zugespitzt beschrieb er den Unterschied zwischen einem christlichen und einem privatwirtschaftlichen Krankenhaus: „Bei dem einen kommt die Freundlichkeit am Empfang vom Herzen, beim anderen von Powerpoint-Präsentationen.“

Kluge Haushalterschaft

Die Situation diakonischer Einrichtungen beschrieben Pfarrer Hans-Wilhelm Fricke-Hein, Direktor des Neukirchener Erziehungsvereins, und Pfarrer Falk Schöller, Vorstand der Graf Recke Stiftung. Fricke-Hein wies darauf hin, dass schon in der Bibel von einer klugen Haushalterschaft die Rede sei, also ein Wirtschaften im Dienst am Nächsten zu erstreben sei. Im Unterschied zu privatwirtschaftlichen Unternehmen werde von Diakonie aber etwas anderes erwartet.

Da es wichtig sei, diese Erwartungen nicht zu enttäuschen, brauche es geistlich-missionarische Angebote, die sich sowohl nach innen als auch nach außen richten. Diese Angebote dürften aber kein Luxus sein, die bei guter Kassenlage dazukommen, sondern seien etwas, das zur Diakonie immer dazugehöre.

Dass diakonische Einrichtungen keine Gewinnmaximierungsabsicht hätten, ist laut Falk Schöller der entscheidende Unterschied zu anderen Wirtschaftsunternehmen. Werte wie Fairness, Achtung und Achtsamkeit seien wiederum für Führungskräfte in beiden Bereichen geboten.

"Immer direkt ansprechbar"

Der Landwirt Hans-Heinrich Imholze aus Lippstadt gab praktische Hinweise, wie er seine Rolle als christlicher Unternehmer versteht. Er sei immer direkt ansprechbar gewesen für seine 20 festen und rund 600 saisonalen Mitarbeitenden. Ihre Sorgen und Nöte wolle er ernst nehmen, für den Erhalt der Arbeitsplätze und eine adäquate Bezahlung eintreten.

Tradition sei es in seinem Betrieb auch, dass die für die meist katholischen Saisonarbeiter extra Messen angeboten wurden, für die sogar der Erntebetrieb unterbrochen wurde. Gleichzeitig engagiere er sich für seine Kirchengemeinde und das Kirchengebäude vor Ort. Umso kritischer sehe er, dass seine Kirche für eine Abkehr von Wachstum und Unternehmertum eintrete.

Positive Bilanz

Mitorganisatorin Barbara Montag, Referentin bei der Diakonie RWL, zog eine positive Bilanz der Tagung: „Interdisziplinärer Austausch tut gut und ist geradezu notwendig." Dies habe die gemeinsame Tagung von Akademie, Diakonie RWL, der Evangelischen Initiative in der Wirtschaft und des Amtes für Gemeindeentwicklung und missionarische Dienste "sehr eindrücklich" gezeigt.

Montag: "Christliche Unternehmensführung können – ja, müssen – wir uns leisten! Aus unterschiedlichen Sichtweisen, der Theologie, der Ökonomie und der Soziologe wurde die komplexe Verantwortung aufgeschlüsselt und leidenschaftlich diskutiert." Der Austausch solle fortgesetzt werden.

"Dehnübungen – Geistliche Leitung in der Diakonie zwischen wirtschaftlichen Erfordernissen und geistlichem Anspruch" wird auch die Veröffentlichung zur Tagung heißen, sie ist ab April bei der Diakonie RWL erhältlich.

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ekir.de / UTC / 14.03.2015



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