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Harald Würges (v.r.), Henning Düsselhoff, Moderatorin Irene Dänzer-Vanotti und Stephan Kiepe-Fahrenholz auf dem VEM-Podium. Auf dem VEM-Podium, v.r.: Harald Würges, Henning Düsselhoff, Moderatorin Irene Dänzer-Vanotti und Stephan Kiepe-Fahrenholz.

Vereinte Evangelische Mission

Kinderarmut: Das Problem liegt teilweise im System

Kinderarmut ist ein weltweites Problem. Weil es zudem ein drängendes und für die Kirchen existenzielles ist, beschäftigt sich die Vollversammlung der Vereinten Evangelischen Mission (VEM) im Juni damit. 

Ökumene-Chefin Oberkirchenrätin Barbara Rudolph (l.) bei der VEM-Regionalversammlung in Duisburg zum Thema Kinderarmut. Ökumene-Chefin Oberkirchenrätin Barbara Rudolph (l.) bei der VEM-Regionalversammlung in Duisburg zum Thema Kinderarmut.

In Vorbereitung darauf sind 50 Vertreterinnen und Vertreter der deutschen Mitglieder der VEM und andere Interessierte in Duisburg zusammengekommen. Sie diskutieren bei der Thematischen Konferenz der Deutschen Regionalversammlung über Kinderarmut und die Herausforderung für die Kirchen und Kirchengemeinden.

"Drei Millionen Kinder in Deutschland leben in Armut", berichtete Gastreferent Michael David von der Diakonie, stellvertretender Sprecher der Deutschen Armutskonferenz. Das Problem liege teilweise im System: Der Familienlastenausgleich etwa bevorzuge Familien mit hohem Einkommen. Es gebe zudem nicht genug Geld für Familienhilfen.

Auch gute Ansätze wie das Bildungs- und Teilhabepaket scheiterten an den zu hohen bürokratischen Hürden. Michael David kritisierte auch das Betreuungsgeld und das dreigliedrige Schulsystem, das für eine "Weitervererbung" schlechter Bildungsmöglichkeiten sorge.

Für den Stadtteil öffnen

"Kirchengemeinden müssen sich für ihren Stadtteil öffnen, sonst sterben sie aus." Diese deutlichen Worte fand Stephan Kiepe-Fahrenholz, Leiter des Diakonischen Werkes Duisburg, zu Beginn des zweiten Tages der Thematischen Konferenz der Deutschen Regionalversammlung der VEM. Wo Christinnen und Christen in der Minderheit sind, wie in vielen Gemeinden des Ruhrgebiets, sei ein Beharren allein auf der Kerngemeinde kein Zukunftsmodell.

Diakon Harald Würges erzählte von der Evangelischen Kirchengemeinde Niedergirmes in Wetzlar, die sich vor 14 Jahren für den Stadtteil öffnete. "In die Gemeinde kam so gut wie keiner mehr." Die Gemeinde stieg in die Tafel-Arbeit ein, lud Menschen zur Mitarbeit ein, die sonst abgeschrieben waren . "Uns war wichtig, dass wir ihre Ressourcen wahrnehmen."

Kein einfacher Perspektivwechsel

Einfach war der Perspektivwechsel nicht. Es gab Proteste und sogar Kirchenaustritte. Würges fragt sich bis heute, ob man die Bestandsgemeinde mehr hätte mitnehmen müssen. "Aber wenn da Leute sich freuen, dass sie endlich jemand willkommen heißt, dann können wir ihnen auch nicht sagen: Wartet mal ein Jahr, bis alle damit einverstanden sind."

Auf die Menschen zugehen müsse Kirche, bestätigte Stephan Kiepe-Fahrenholz. Denn kaum jemand von den "Armen" habe noch irgendeine Beziehung zu Kirche. Das sei gar keine neue Entwicklung, sondern schon seit Jahrzehnten zu beobachten. "Kirchenferne wird vererbt." Da habe Kirche sehr viel versäumt, ergänzte Harald Würges. "Wir sind sehr lange nicht auf diese Menschen zugegangen. Dabei könnten wir so viel von ihnen lernen."

Zur Vollversammlung der VEM kommen vom 24. bis 30. Juni in Wuppertal 70 Delegierte aus drei Erdteilen zusammen.

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Freitag, 14. März 2014. Die letzte Aktualierung erfolgte am Montag, 17. März 2014. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / vem / 15.03.2014



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