Pressearchiv
  • Pressearchiv 2017
    mehr
  • Pressearchiv 2016
    mehr
  • Pressearchiv 2015
    mehr
  • Pressearchiv 2014
    mehr
  • Pressearchiv 2013
    mehr
  • Pressearchiv 2012
    mehr
  • Pressearchiv 2011
    mehr
  • Pressearchiv 2010
    mehr
  • Pressearchiv 2009
    mehr
  • Pressearchiv 2008
    mehr
  • Pressearchiv 2007
    mehr
  • Pressearchiv 2006
    mehr
  • Pressearchiv 2005
    mehr
  • Pressearchiv 2004
    mehr
  • Pressearchiv 2003
    mehr
  • Pressearchiv 2002
    mehr
  • Pressearchiv 2001
    mehr
  • Pressearchiv 2000
    mehr

Pressekontakt

Pressestelle
Hans-Böckler-Straße 7
40476 Düsseldorf
Tel.: 0211 - 4562-373
Fax: 0211 - 4562-490
Mail pressestelle@ekir.de

> weitere Informationen

Vortrag heute an der Düsseldorfer Universität

Präses Nikolaus Schneider: „Wir schulden Europa eine beredte Loyalität“

Pressemitteilung Nr. 189/2010

Achtung, Sperrfrist: Heute, 9. Dezember 2010, 18 Uhr! Es gilt das gesprochene Wort.

Nikolaus Schneider, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, hat die soziale, politische und gesellschaftliche Bedeutung Europas am Nachmittag (vgl. Sperrfrist) in Düsseldorf betont: „Ich sehe Europa, oder genauer den Prozess der Europäischen Integration, mit einem großen Staunen und einer großen Dankbarkeit. Wer hätte vor dem Winter 1989/90 gedacht, dass die Teilung unseres Kontinents überwunden und seine Staaten unter dem Dach einer Werte-, Rechts- und Wirtschaftsgemeinschaft zusammengeführt werden könnten? Wer hätte 40 Jahre davor gedacht, dass aus dem Ende des 2. Weltkriegs mehr hervorgehen könnte als ein langer Waffenstillstand, diese enge Verbundenheit der Völker, die sich – trotz Zähneknirschens hier und da – zu einer wirklichen politischen Solidarität in guten wie in schlechten Zeiten entwickelt hat“, sagte Präses Schneider im Rahmen der Reihe „Mein Europa“ des Instituts für Geschichtswissenschaften an der Düsseldorfer Universität.

Europa sei zu seinem Glück vereint, sagte der oberste Repräsentant der zweitgrößten Landeskirche in Deutschland: „Nicht unter der Ägide eines Hegemons, sondern in freier Selbstbestimmung seiner Völker und Staaten. In Europa herrschen Recht und Respekt: Größere Staaten verzichten im Parlament und mehr noch in Rat und Kommission auf ihre Macht, Luxemburg und Malta gehen nicht wegen ihrer Größe unter. Wer Gemeinschaftsrecht verletzt, wird vor den EuGH zitiert – egal, ob Netto-Zahler oder -Empfänger.“ Dies beeindrucke ihn. Und weiter: „Ich finde, wir sagen das alles viel zu selten. Oft dominiert die Frage: ,Was Kostas?’ (BILD). Die Frage sollte doch lauten: ,Was ist uns Europa wert?’ All das ist ja kein Geschäft auf Einseitigkeit. Und dort, wo Europa versagt – und ich will nicht verhehlen, dass ich mir hier und da ein anderes, ein sozialeres Europa wünschte – da versagt eben nicht nur Brüssel, sondern da versagen unsere nationalen Regierungen ebenso, die alle Beschlüsse in Brüssel mit verantworten.“ Nikolaus Schneider ist überzeugt: „Wir schulden Europa mehr als nur schweigende Duldung, wir schulden ihm eine beredte Loyalität.“

In seinem Vortrag vor Studierenden und Gästen verwies der 63-jährige Theologe auf die besondere europäische Ausrichtung der Evangelischen Kirche im Rheinland, deren Präses er ist: „Wir Rheinländer sind doch schon geographisch zu Europäern erwählt. Wenn der Rhein, der uns unseren Namen gibt, bei uns ankommt, ist er schon durch die Schweiz, durch Österreich und Frankreich geflossen, bevor er durch die Niederlande in die Nordsee mündet. Zahlreiche Menschen pendeln im kleinen Grenzverkehr, unsere Städte sind europäisch und international, weltoffen und heimatverbunden zugleich.“ Seine Kirche gehöre nicht zuletzt deshalb zu den wenigen deutschen Landeskirchen, die nach dem Krieg sogleich begannen, sich europäisch und ökumenisch zu öffnen. „Wir pflegen enge Beziehungen zu den evangelischen Kirchen im Elsass und Lothringen, in Belgien, gehörten zu den Gründern der Konferenz der Kirchen am Rhein, die seit vielen Jahrzehnten Versöhnungsarbeit leistet und gemeinsam Verantwortung übernimmt. Die Konferenz gründete unter anderem ein Büro beim Europarat in Straßburg, um die dortige politische Arbeit aus kirchlicher Sicht zu  begleiten. Heute ist dieses Büro integriert in die Konferenz Europäischer Kirchen. Diese Konferenz mit heute 125 Mitgliedern aus all den Staaten des geographischen Raumes, der Europa heißt, war seit Ende der 50er Jahre ein faktisches Bekenntnis zur Einheit dieses Kontinents.“

Die positive Entwicklung, die die europäische Einheit in Vielfalt genommen habe, spiegele sich auch mit Blick auf die Kirchen und die Ökumene: „Über Jahrhunderte stabilisierte sich religiöse und konfessionelle Identität über Abgrenzung. Wer reformiert war, war eben nicht lutherisch, wer westlicher Christ war, war eben nicht orthodox. Man mied die Formen und Symbole der anderen, kannte sie aber oft nur aus Vorurteilen.“ Dies habe sich mit dem Zusammenwachsen Europas verändert, unterstrich Nikolaus Schneider: „Menschen werden mobiler im eigenen Land, reisen ins Ausland, leben und arbeiten überall in Europa. Zuwanderer aus aller Welt begegnen uns heute selbst in kleinen Städten und Dörfern. Das alles lässt die Menschen auch das Religiöse vergleichen, verändert Glaubensidentität und Frömmigkeit. Der ökumenische Dialog trägt dazu viel bei.“ Und Präses Schneider weiter: „Längst sind daher die Zeiten vorbei, in denen wir Protestanten den katholischen Formenreichtum als Firlefanz abtaten. In der Begegnung mit dem Anderen haben viele evangelische Christen entdeckt, dass das Wort durch sinnliches Erleben unterstützt wird, Glaubenserfahrung durch solche Sinnlichkeit eine ganz andere Intensität bekommen kann. Die reiche, schöne orthodoxe Liturgie inspiriert uns in unseren Gottesdiensten, in denen über Taizé und andere ökumenische Bewegungen heute so viel mehr möglich ist, so viel mehr ausprobiert wird als zu der Zeit, in der ich Theologie studiert habe.“

Hinweis an die Redaktionen: Im Anhang erhalten Sie das Vortragsmanuskript zu Ihrer Verwendung. Bitte beachten Sie die Sperrfrist und den Wortlautvorbehalt!

 

 

 

 

 

Facebook, Twitter und Google+ einschalten
Seite drucken Seite versenden

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Donnerstag, 9. Dezember 2010. Die letzte Aktualierung erfolgte am Donnerstag, 9. Dezember 2010. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

Düsseldorf / EKiR-Pressestelle / 09.12.2010



© 2017, Evangelische Kirche im Rheinland - EKiR.de
Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung nur mit Genehmigung.