Kirchenkreise
Kirchenkreise mehr
EKiR von A-Z
EKiR von A-Z Themen, Arbeitsfelder, kirchliche Einrichtungen von A-Z mehr
Ökumene

Themenpaket zur Heilig-Rock-Wallfahrt 2012

Vom 13. April bis 13. Mai 2012 findet in Trier die Heilig-Rock-Wallfahrt statt. Ein ekir.de-Dossier rund um die katholische Wallfahrt, Fragen von Text und Textilien, Ablass, Reliquien und Ökumene.

Heilig-Rock-Wallfahrt 1996. Foto: Bistum Trier LupeHeilig-Rock-Wallfahrt 1996. Foto: Bistum Trier

Präses und Ökumene-Chefin der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) haben die Einladung des Bischofs des Bistums Trier, Dr. Stephan Ackermann, zur Mitwirkung an der Wallfahrt angenommen. „Gern angenommen“, wie der Präses sagt, „zumal das Leitwort ,…und führe zusammen, was getrennt ist’ explizit und sehr bewusst ökumenisch formuliert ist“. Die Wallfahrt, fünf Jahre vor dem 500. Reformationsjubiläum gelegen, möge neue ökumenische Impulse setzen, so die Hoffnung von Präses Dr. h.c. Nikolaus Schneider.

Auf den Text schauen, nicht auf Textilien. Das ist schön und kurz und inhaltlich gute evangelische Tradition: Auf die Bibel, auf Gottes Wort hören ist wichtig; Reliquienverehrungen sind verpönt. Deshalb muss man mindestens sagen, dass die Beteiligung von Protestantinnen und Protestanten an einer katholischen Wallfahrt „ungewöhnlich“ ist, wie Ökumene-Chefin Barbara Rudolph sagt. Derb schimpfte Martin Luther einst über die „Bescheißerei zu Trier“.

Glaube statt Gegenstand

Und es beteiligen sich auch nicht alle in der rheinischen Kirche. Die biblischen und theologischen Gründe gegen die Heiligen- und Reliquienverehrung haben „nichts von ihrer Plausibilität verloren, im Gegenteil“, so Superintendentin Marion Obitz (Wied). Das vom Kreissynodalvorstand des Kirchenkreises Wuppertal angenommene Papier von Pfarrer Dr. Jochen Denker stellt "kritische Anfragen" an die rheinische Kirche und an die ökumenische Sinnhaftigkeit der Beteiligung. Gemeinsame Bibelarbeiten, gemeinsame Gottesdienste, gemeinsames Abendmahl seien geeignete Zeichen für die Ökumene, nicht die Wallfahrt zu einer Reliquie, heißt es u.a. in dem Papier.

Auch der Konsistorialpräsident der Protestantisch-Reformierten Kirche von Luxemburg, Karl Georg Marhoffer, hat „keine Verbindung zu einer Wallfahrt“. Er schätze die Gemeinschaft mit anderen Christen. Doch: „Zu einem Gegenstand eine Glaubensbeziehung aufzubauen, ist mir völlig fremd.“

intentive Lupeintentive

Über Generationen getrennte Nachbarn

Auf eine Wallfahrt, bei der sich Christinnen und Christen „gemeinsam auf Jesus Christus, den Herrn der Kirche, ausrichten“, freut sich dagegen der Trierer Superintendent Christoph Pistorius. Und Horst Hörpel, Superintendent der Kirchenkreises Simmern-Trarbach, sieht die Chance der „gemeinsamen Suche nach dem, was uns im Herzen verbindet“. Die vorige Wallfahrt sei einer der herausragenden Höhepunkte seiner Dienstjahrzehnte auf dem Hunsrück gewesen. Auf den Dörfern über Generationen getrennt nebeneinander lebende evangelische und katholische Nachbarn hätten sich erstmals gemeinsam auf den Weg gemacht.

Gezeigt wird bei der Heilig-Rock-Wallfahrt, deren alleinige Veranstalterin das Bistum ist, die Tunika Jesu Christi. Der Legende nach hatte Kaiserin Helena das Gewand im 4. Jahrhundert von einer Reise ins Heilige Land nach Trier mitgebracht. Zeugnisse darüber gibt es nicht, so Wallfahrtsleiter Dr. Georg Bätzing. „Niemand kann mit Sicherheit sagen, dass die Reliquie, die im Trierer Dom seit alters her verehrt wird, wirklich das Gewand ist, das Jesus zu Lebzeiten getragen hat.“ Und so ist auch seitens der katholischen Kirche niemand verpflichtet, an die Echtheit der Reliquie zu glauben.

Vielmehr entfalte der Heilige Rock als Bild und Symbol seine Bedeutung. Monsignore Bätzing: „Er ist Zeichen Jesu, der in Solidarität mit uns Menschen das Kleid der Armen getragen hat.“ Die Reliquie sei ein Christuszeichen. „Ihn anschauen heißt, mit Jesus in Beziehung treten.“ Der Heilige Rock bzw. das Zeichen oder Symbol werde im Trierer Dom in Ehren gehalten. Doch: „Verehrung und Anbetung gelten Christus allein.“

Ablass nicht vorgesehen

Ablass – das ist für Evangelische ein „Reizthema“, wie auch der Trierer Wallfahrtsleiter weiß, der Punkt, an dem sich die Kritik der Reformatoren an den Missständen der Kirche zur Zeit der Reformation kristallisierte, einer der berechtigten Einwände der Reformatoren. Auch für Katholiken sei der Ablass heute schwer verständlich. Konsequenterweise hat das Bistum für die Heilig-Rock-Wallfahrt 2012 keinen Ablass vorgesehen.

„Du setzt das Maß für Tritt und Schritt“: So heißt die Orientierungshilfe der rheinischen Kirche zur Heilig-Rock-Wallfahrt 2012. Dieser Titel stammt aus dem Pilgerlied der verstorbenen einstigen rheinischen Präses Peter Beier (1934-1996), der bei der Wallfahrt 1996 die erste Einladung zu ökumenischer Beteiligung wahrgenommen hatte.

Facebook, Twitter und Google+ einschalten
Seite drucken Seite versenden

 

ekir.de / neu / 22.03.2012



© 2014, Evangelische Kirche im Rheinland – Ekir.de
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung