Weihnachten

Weil es so schön ist, Bilder zu haben

Weihnachten ohne Kamera? Undenkbar für Eberhard Sander (64) aus Engelskirchen. Heiligabend kommen die erwachsenen Kinder mit ihren Familien. Und davon wird er später Bilder haben.

Andenken an das Weihnachtsfest, das Foto. LupeAndenken an das Weihnachtsfest, das Foto.

Eintauchen ins Familien-Gewusel, gemeinsames Essen, dann Bescherung. Das ist bei Sanders gute Festtagstradition. Tradition ist auch, dass der siebenfache begeisterte Großvater die Kamera zückt, wenn die Enkel beschert werden, sie sind zwischen sieben Jahren und zwei Monaten. „Das Leuchten in den Kinderaugen, das will ich unbedingt festhalten. Da halte ich einfach drauf. Da ist zwar dann auch viel Schrott dabei – aber es gibt auch Bilder fürs Album“, erzählt er.

Die Sanders sind beim Fotografieren zu Weihnachten keine Ausnahme. „Nur zur Urlaubszeit im Sommer wird mehr fotografiert“, weiß die Mitarbeiterin eines großen Foto-Dienstes, bei dem schon in den Wochen vor Weihnachten der Laden brummt. Denn schließlich soll ein Fotobuch oder Fotokalender mit den schönsten Momenten des Jahres pünktlich zu Weihnachten fertig werden. Zudem gibt es vor Weihnachten massenhaft Bestellungen von Weihnachtsgrußkarten mit dem Konterfei der Absender.

Auch nach Weihnachten reißt die Auftragsflut nicht ab: Denn dann werden massenhaft Papierabzüge der schönsten Weihnachtsbilder geordert – für den Fotokalender fürs nächste Fest oder fürs Fotoalbum zur Erinnerung. Sehr beliebt: die Online-Fotoalben.

Verflixte Lichtverhältnisse

An den Weihnachtsfeiertagen wird mit der digitalen Kleinbildkamera, dem Handy oder dem Camcorder gefilmt und geblitzt, was die Akkus hergeben. Für viele gehört es einfach zur Festvorbereitung, dass die Kamera samt Ersatz-Akku und Zusatzspeicherkarte schnappschussbereit in Reichweite liegt, wenn der Weihnachtsbaum im Licht der Kerzen oder der Lichterkette erstrahlt.

Rein fototechnisch gesehen, ist Weihnachten für Hobbyfotografen eine Herausforderung: Die Lichtverhältnisse sind ziemlich verflixt. Kerzen- und Kunstlicht und nicht zuletzt die in Mode gekommenen LED-Lichterketten machen selbst Profis zu schaffen. Und schließlich wollen alle auf dem Familienbild möglichst gut getroffen, sprich vorteilhaft aussehen. Gut, dass es digitale Fotonachbearbeitungsprogramme für nachher gibt.

Tipps für Motive

Oder Online Foto-Tipps für vorher. Die raten zu indirektem Blitz. Oder dazu, beim Geschenkeauspacken auf Serienbildfunktion zu stellen. Man kann ja nachher aussortieren. Anregungen für ungewöhnliche Motive und Perspektiven gibt es auch: die Außendeko, Details der Weihnachtskrippe und die Vorbereitungen fürs Fest bieten Motive, die oft übersehen werden.

Ein Blick in die von Zeitungen oder Online-Portalen ausgeschriebenen mein-schönstes-Weihnachtsfoto-Wettbewerbe zeigt, dass sich die Lieblingsmotive des weihnachtlichen Foto-Marathons alle Jahre wieder ähneln. Ganz oben auf der Weihnachtsfoto-Motiv-Hitliste: die lieben Kleinen beim Auspacken der Geschenke. Platz zwei: Kinder-Portrait mit Weihnachtsmann-Mütze. Beliebt auch Hund und Katze, entweder mit tierischen Geschenken oder irgendwie lustig in der Weihnachtsdeko verheddert.

Bilder der schönen Seiten

Weil Weihnachten in Deutschland das Familienfest schlechthin ist, dürfen natürlich auch Familien-Gruppenbilder nicht fehlen. Besonders schön, wenn sich Szenen von Zuversicht und generationenübergreifender Verbundenheit ins Bild setzen lassen. Das Baby, das den Lichterglanz von Weihnachten zum ersten Mal erlebt und dabei auf dem Schoß von Opa oder gar Urgroßmutter ins Blitzlichtgewitter blinzelt, weckt Zuversicht. „Welt ging verloren, ein Kind ist geboren.“

Nur sehr selten halten Weihnachts-Bilder dagegen fest, was schief ging oder schwierig war. Stress und Hektik der Vorbereitung, das enttäuschte Gesicht über ein Geschenk, das anders ausfiel als erwartet, Geschwisterstreit unterm Tannenbaum – das alles ist meistens tabu. Weihnachten steht fotografisch gesehen beinahe ebenso unter Erfolgsdruck wie der große Sommer-Familienurlaub. „Die Menschen möchten glückliche Momente einfangen und sich diese Momente später noch einmal vor Augen führen“, meint Fotograf Jörg Decker.

Seufzer der Erinnerung

Nach ein paar Jahren dann beim Blick ins Fotoalbum oder beim Klick auf das im Netz veröffentlichte Fotoalbum das Staunen darüber, wie die Kinder gewachsen sind, das leise Seufzen übers eigene Älterwerden oder auch der wehmütige Blick zurück: Damals, da lebte Opa noch, da hatten er und sie sich noch nicht getrennt. Oder einfach der dankbare, amüsierte oder auch traurige Blick zurück: „Ach ja, so war das.“ Weihnachten. Glaube. Leben.

Wird Weihnachten durchs Foto erst wahr? Macht erst das Festhalten eines Ereignisses im Bild ein Ereignis wirklich zum Ereignis? Gibt erst das Foto vom Fest dem Fest die medialen Weihen? Fast will es so scheinen.

Weihnachtsgeschichte - Bild im Kopf

Da ist es beinahe wohltuend, dass es vom Ur-Weihnachten kein Foto gibt. Jede und jeder kann sich die Weihnachtsgeschichte in der eigenen Kultur vorstellen, in der eigenen Hautfarbe. Die Erfindung der Fotografie stand noch Jahrhunderte aus, damals, als Jesus geboren wurde. Kein Bild, nirgends, weder von der heiligen Familie, noch von der Krippe, der Geburtshöhle oder dem Stall von Bethlehem mit dem Stern darüber.

„Das ist auch gut so“, findet Jörg Decker. Ein Foto wird seiner Erfahrung nach erst durch die begleitende Bildunterschrift, den Kommentar, der dazu geschrieben wird, aussagekräftig. Das Foto braucht in der Regel jemanden, der die dazugehörige Geschichte erzählt. Gut, dass es diesen Kommentar in Gestalt der Evangelien gibt.

 

Weihnachten und Fotografieren. Interview mit Jörg Decker

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Mittwoch, 22. Dezember 2010. Die letzte Aktualierung erfolgte am Donnerstag, 23. Dezember 2010. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / Karin Vorländer / 22.12.2010



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