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Die Weihrauchbäume wachsen über 20 Meter hoch und es braucht zwei Menschen, zum ihre Stämme zu umfassen. Die Weihrauchbäume wachsen über 20 Meter hoch und es braucht zwei Menschen, zum ihre Stämme zu umfassen.

Indonesien

Nutzung statt Zerstörung

Im Batak-Hochland auf Sumatra/Indonesien leben viele Menschen von der Gewinnung von Weihrauch. Doch die Regierung vergibt immer wieder Gemeindeland an Agrarkonzerne. Diese holzen Regenwald zugunsten von Monokulturen ab und rauben den Bauern ihre Existenzgrundlage. 

„Rugi“, antwortet Pastor Haposan Siallagan knapp auf die Frage, was diese Entwicklung für seine Arbeit bedeutet. Mit Nachdruck wiederholte er das Wort. „Rugi“ hat in der indonesischen Sprache die Bedeutung von Verlust oder Schaden.

Pastor Siallagan lebt in Nord-Sumatra im Batak-Hochland im Dorf Pandumaan. Der Tobasee ist etwa zwei Stunden entfernt. Wie viele andere Menschen in Pandumaan erzielen er und seine Familie einen wesentlichen Teil ihres Einkommens mit der Gewinnung von Weihrauch.

Der Gemeindewald ist traditionell auf die Dorfgemeinschaft verteilt

Dafür wird die Rinde bestimmter Bäume so beschnitten, dass nach einiger Zeit ein Harz entsteht, das später losgelöst werden kann. Die Bäume stehen im Gemeindewald, der nach traditionellem Recht auf die Dorfgemeinschaft verteilt ist.

Die Bäume werden so behandelt, dass sie nicht kaputt gehen, sondern dass sie sich die Wunde wieder schließt. Manche Bäume sind mehr als 100 Jahre alt, über 20 Meter hoch. Es braucht zwei Menschen, um den Stamm zu umschließen. Das Harz wird als Stoff für Parfums oder andere Produkte verwendet oder wird zu Weihrauch weiterverarbeitet.

Die Regierung vergibt Gemeindeland an Agrarkonzerne

Die Existenzgrundlage der Bauern ist seit Jahren in Gefahr, denn der Regenwald soll gefällt werden und einer Eukalyptusplantage weichen. Die indonesische Regierung hat vor Jahren – wie in vielen anderen Fällen auch – das Gemeindeland an einen Agrarkonzern vergeben. „Land Grabbing“ wird diese Aneignung von Land genannt.

„Toba Pulp Lestari“ (TPL) ist einer der größten Produzenten von „Pulp“, dem Ausgangstoff für die Papierherstellung. 188.000 Hektar an Landkonzessionen wurden dem Konzern übertragen. Er hat große Flächen an ursprünglichen Wäldern gerodet, um dann riesige monokulturelle Eukalyptusplantagen anzulegen. Auch der Wald der Menschen in Pandumaan, der etwa 5000 Hektar umfasst, sollte vor Jahren schon gefällt werden. 700 Hektar gingen damals verloren, aber die Menschen haben protestiert und weitere Abholzungen verhindert.

Die Organisation KSPPM ist ein wichtiger Bündnispartner

Der Protest wird von den örtlichen Kirchengemeinden mitgetragen. Ein wichtiger Bündnispartner ist die zivilgesellschaftliche indonesische Organisationen KSPPM, die in vielen Gemeinden in Nord-Sumatra der Landbevölkerung zur Seite steht, wenn es um Abholzungen und die ökologische Zerstörung ihres Lebensraums geht. KSPPM wurde Anfang 2000 gegründet und wird seit Jahren von „Brot für die Welt“ finanziell unterstützt.

Zu den Gründern gehörten unter anderem auch einige Kirchenführer verschiedener protestantischer Batak-Kirchen. KSPPM berät seit mehreren Jahren die Menschen in Pandumaan und den Bauernverband, bringt ihren Fall vor die Behörden, leistet juristischen Beistand, arbeitet an der Änderung der Gesetzgebung und organisiert Kampagnen in Indonesien und mit seinen internationalen Partnern. 

Der jahrelange Kampf und die Zukunftssorgen erschöpfen die Menschen

Richard Brand, Umweltreferent der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR), hat sich gemeinsam mit Suryati Simanjuntak, der Direktorin von KSPPM, und Saurlin Siagian, dem Berater für Umwelt- und Klimaschutz im Asienbüro der Vereinten Evangelischen Mission (VEM), in Pandumaan den Gemeindewald und die abholzten Flächen angesehen.

„Am Abend saßen wir im Haus des Pastors in einer großen Runde auf dem Boden und die Menschen berichteten“, erzählt Richard Brand. „Die Erschöpfung aufgrund des jahrelangen Kampfes und der Sorgen um die Zukunft war ihnen anzumerken. Einige von ihnen sind sogar angeklagt wegen des Widerstands. Obwohl in erster Instanz freigesprochen, müssen sie jederzeit  mit nochmaliger Verhaftung rechnen.“

Bis neue Gesetze wirken, gilt ein Moratorium

Seit dem Amtsantritt der neuen indonesischen Regierung im Jahr 2014 hat sich einiges zum Besseren gewandelt. Eine neue Gesetzgebung ist in Vorbereitung, die das traditionelle Gewohnheitsrecht der Dorfbevölkerung stärken soll. Bis dies auf allen Verwaltungsebenen umgesetzt ist, gilt ein Moratorium. Der Wald darf zunächst nicht mehr gefällt werden.

Es gibt aber andere beunruhigende Entwicklungen, die die Lebensgrundlage der Menschen bedrohen. Viele Eukalyptusbäume sind von einem Schädling befallen, der sich auch auf andere Bäume überträgt. Auch auf die Bäume im Gemeindewald.

Ein Schädling macht den Bauern zusätzlich das Leben schwer

Der Harz-Ertrag der schon älteren Bäume ist auf 30 Prozent gesunken und neue Bäume wachsen nicht ausreichend und schnell genug nach. Eine Lösung, wie der Schädling zu bekämpfen ist, ist noch nicht gefunden. Auch die Agraringenieure der Toba Pulp sind noch ratlos. Viele Eukalyptusbäume wurden gefällt, da sie für die Papierherstellung nicht mehr geeignet sind.

Was für den Konzern ärgerlich ist, ist für die Weihrauch-Bauern existenzgefährdend. Sollte der Befall länger andauern und sich weiter ausbreiten, dann lohnt sich das zeitintensive und anstrengende Sammeln des Harzes nicht mehr. Die Mengen wären dann einfach zu gering, um die Kosten zu decken.

Trotzdem hoffen die Menschen weiterhin auf eine Lösung – gerade jetzt, da ihr langjähriger Widerstand gegen das Abholzen Erfolge zeigt und es zu einer Verbesserung des rechtlichen Status ihrer traditionellen Eigentumsrechte kommt. 

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ekir.de / vis / 18.03.2016



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