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Foto: Dietmar Boos Schwester Joanna ist Ärztin und leitet das Koptische Zentrum für Training und Entwicklung in der Diözese Beni Suef und Beba.

7. März

Ägyptens Frauen laden ein zum Weltgebetstag

Ägypten steht im Zentrum des Weltgebetstages am 7. März. Für alle Menschen in Ägypten „sollen sich Frieden und Gerechtigkeit Bahn brechen, wie Wasserströme in der Wüste“, so die Botschaft. Die Projekte eines Frauenordens stehen beispielhaft dafür. 

Pastor Dietmar Boos, Vorsitzender des Entwicklungshilfeausschusses im Evangelischen Kirchenkreis Moers, hat in der Vorbereitung des Weltgebetstages einen Artikel über die Arbeit des ägyptischen Ordens der „Daughters of Saint Mary“ (DSM) geschrieben:

Der Orden wurde 1965 von Bischof Athanasius, Metropolit der Diözese Beni Suef, gegründet. Beni Suef liegt etwa 120 Kilometer südlich von Kairo. Viele Frauen suchten schon in den 60er Jahren eine Alternative zu einem rein kontemplativen Ordensleben. 80 Prozent der katholischen Nonnen in Ägypten waren ursprünglich koptisch-orthodox, konvertierten jedoch, weil sie auch diakonisch tätig sein wollten. Papst Kyrillos VI. ermöglichte schließlich das Wiederbeleben der altkirchlichen Praxis eines diakonischen Ordenslebens in der Koptisch-Orthodoxen Kirche für Frauen.

Aufklärung über Genitalbeschneidung von Mädchen

Zur diakonischen Arbeit der DSM gehören heute Pflegestationen für alte Menschen, Waisenhäuser, Kindergärten, Schulen und Studentenheime. Die Schwestern kümmern sich um die pädagogische Betreuung von Jugendlichen und um unverheiratete Mütter. In der Dorfentwicklung bieten sie Alphabetisierungsprogramme an und geben Anleitungen zur Gesundheitspflege und Haushaltsführung. Sie laden zu Meditationstagungen in einem eigenen Tagungszentrum ein.

Ein Beispiel für die engagierten Mitglieder der Gemeinschaft ist Schwester Joanna. Sie ist mit 29 Jahren in den Orden der DSM eingetreten. Schwester Joanna ist Ärztin und leitet das Koptische Zentrum für Training und Entwicklung in der Diözese Beni Suef und Beba.

Ein Schwerpunkt im Zentrum ist die medizinische, soziale und familiäre Hilfe vor Ort. Das Team um Schwester Joanna bespricht und erarbeitet mit den Dorfbewohnern Themen wie Familienplanung, Säuglingspflege und Hygienemaßnahmen gegen Infektionsrisiken. Darüber hinaus werden Projekte zur Verbesserung der Versorgung mit Trinkwasser und Strom initiiert und Impfprogramme umgesetzt. Doch das wichtigste Thema des Zentrums ist die flächendeckende Aufklärungsarbeit über die nach wie vor in Ägypten praktizierte Genitalbeschneidung von Mädchen.

Eine Schule im Müllgebiet Kairos

Wenn man in Kairo mit der Metro Richtung Nordosten fährt, kommt man nach Ezbet el Nakhl. Hier begannen Anfang der 50er Jahre die ersten Müllsammler, verächtlich Zabaleen (Misthaufen) genannt, ihre Tätigkeit. Kommt man aus der Metrostation, schlägt einem schon der Gestank von verfaultem Abfall entgegen. In diesem beklemmenden Umfeld leben 20 Schwestern des Ordens der DSM im Salam Center.

Das Salam Center beherbergt unter anderem ein Krankenhaus, einen Kindergarten und eine große Einrichtung für die Arbeit mit Menschen mit Behinderung. Kinder aus staatlichen Schulen bekommen dort Nachhilfeunterricht und über das Qualifizierungszentrum erhalten junge Leute die Möglichkeit einen Beruf zu erlernen. Zudem gibt es ein Antidrogenprogramm und eine Aids-Beratungsstelle. Einen zehnminütigen Fußweg vom Salam-Center entfernt liegt die Mahabba-Schule, im direkten Müllgebiet. Diese Schule ist eine private Einrichtung der DSM.

Am 25. Juli 2013 sprach Bischof Ghabrial den Schwestern seinen Glückwunsch aus. Papst Tawadros II. hat den Konvent der DSM offiziell als Kloster anerkannt. Was das nun für die Arbeit der aktiven Nonnen bedeutet, ist noch ungewiss, zumal die Heilige Synode noch ihre Anerkennung aussprechen müsste, um diese ungewöhnliche, aktive und selbstbewusste Frauengemeinschaft der DSM als eine legitime Einrichtung der Koptisch-Orthodoxen Kirche gelten zu lassen. Was jedoch diese Gemeinschaft mehr trägt, als es eine institutionelle Anerkennung je könnte, ist die tätige Liebe mit der die Schwestern einander in Verantwortung annehmen und stärken.

Seit 1979 wird die Arbeit der Schwestern der DSM von den Gemeinden des Evangelischen Kirchenkreises Moers und einem Unterstützerkreis gefördert. Begleitet wird diese Partnerschaftsarbeit durch den Entwicklungshilfeausschuss des Kirchenkreises.

Der Weltgebetstag ist eine weltweite ökumenische Basisbewegung christlicher Frauen. Der Gottesdienst wird jedes Jahr von Frauen unterschiedlicher christlicher Konfessionen aus einem anderen Land vorbereitet. Er wird immer am ersten Freitag im März gefeiert. Ein sichtbares Zeichen für die Solidarität ist die weltweite Förderung von Frauen- und Mädchenprojekten durch die Gottesdienstkollekte. Auch im Rheinland organisieren Frauen in vielen Kirchengemeinden den Weltgebetstag. Informationen dazu finden sich meist auf den Websites der Kirchenkreise. 

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Montag, 24. Februar 2014. Die letzte Aktualierung erfolgte am Dienstag, 25. Februar 2014. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / db, rtm / Foto: Dietmar Boos / 24.02.2014



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