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Caritas Cubana Foto: WGT e.V./Heiner Heine Die kubanische Caritas (Cáritas Cubana) möchte gezielt ältere Menschen stärken. Foto: WGT e.V. / Heiner Heine

Weltgebetstag der Frauen 2016

Würde für Kubas Generation 55+

Ein Weltgebetstag aus dem atheistischen Kuba – Liturgie und Projekte zeigen Aufbruch in der kirchlichen Arbeit. Am 4. März 2016 feiern auch im Rheinland Christinnen mit den kubanischen Schwestern. Generationengerechtigkeit und Würde im Alter stehen im Mittelpunkt.

Seit über 100 Jahren bringt die Weltgebetstags-Bewegung am ersten Freitag im März Christinnen und Christen aus aller Welt zusammen. In diesem Jahr haben christliche Frauen aus Kuba die Gottesdienstordnung mit dem Titel: „Nehmt Kinder auf und ihr nehmt mich auf“ erarbeitet. Gedanken und Impulse im Gottesdienst fragen danach, wie unterschiedliche Generationen in Solidarität und Würde zusammenleben können.

Seit 2012 haben die Kubanerinnen diesen Tag vorbereitet. Ormara Nolla, die Vorsitzende des Kubanischen Weltgebetstagskomitees, schreibt in einem Brief: „Das Thema ‚Nehmt Kinder auf und ihr nehmt mich auf‘ hat uns… darauf vorbereitet, … Jesus mit der Einfachheit und Offenheit eines Kindes zu begegnen und unsere Hoffnung zu nähren, denn sie sind ‚die Hoffnung der Welt‘.“ Die Schreiberinnen der Gottesdienstordnung gehören verschiedenen christlichen Kirchen auf Kuba an. Sie wollen das Leben aller Teilnehmerinnen bereichern, wenn sie im Laufe des Gottesdienstes von ihrer Lebenswirklichkeit berichten. 

In den Hotels fehlt es den Gästen an nichts, der Bevölkerung dagegen an allem. Foto: Ulrike Schalenbach In den Hotels fehlt es den Gästen an nichts, der Bevölkerung dagegen an allem. Foto: Ulrike Schalenbach

Postkartenidyll und sozialistischer Alltag

Davon kann auch Christine Kucharski von der Evangelischen Frauenhilfe im Rheinland erzählen. Im Februar 2015 war sie mit einer privaten Reisegruppe in West- und Zentralkuba unterwegs. Kennengelernt haben sie ein karibisches Paradies: Traumstrände, weicher Sand und Palmen. In ihren Unterkünften fehlte es an nichts. Und dann dieses andere Bild, beim Verlassen des Hotels. Christine Kucharski erzählt: „Wir wurden auf der Straße angebettelt, um die kleinen Gästeseifen.“

Nahrungsmittel und Güter des täglichen Bedarfs gibt es für Kubanerinnen und Kubaner nur auf Bezugsscheine, in kleine Heftchen (libretas) eingebunden. Was zugeteilt wird, reicht hinten und vorne nicht. Milch erhalten Kinder bis sieben Jahre, Alte und Schwangere. Ein Stück Seife gibt es alle drei Monate. Wer mehr braucht, und das sind alle von der Familienfrau bis zum Rentner, der muss an Geldmittel kommen. Nur was tun, wenn einfach keine Artikel in den Geschäften liegen, wie es auch Christine Kucharski berichtet?

Straßenmarkt in der Ortschaft Viñales. Foto: Ulrike Schalenbach Straßenmarkt in der Ortschaft Viñales. Foto: Ulrike Schalenbach

Kirchliche Projekte auf Kuba

Die Kirchen sind seit der Wirtschaftskrise vor zwanzig Jahren vermehrt in der Sozialarbeit und Armutsbekämpfung aktiv. Sie helfen besonders benachteiligten Gruppen, bessern ihre Versorgungslage und auch ihr gesellschaftliches Ansehen. Wer in Altersrente geht, gilt als nicht mehr „produktiv“. Dabei unterstützen viele ältere Menschen ihre Familien, betreuen die Enkel, helfen beim Einkaufen. Die kubanische Caritas (Cáritas Cubana) möchte sie gezielt stärken.

In jüngster Zeit lockern sich auf Kuba die wirtschaftlichen Bestimmungen hin zu mehr Privatwirtschaft. Auch ältere Menschen profitieren davon. Sie können sich mit Änderungsschneiderei, Kunsthandwerk und Gemüsezucht etwas zur kärglichen Rente dazuverdienen. Beim Schritt in die Selbstständigkeit unterstützt sie die Cáritas Cubana. Gleichzeitig beteiligt sich die Organisation an den gesellschaftlichen Debatten über die Verteilung von Sorgearbeit in den Familien. Pflege und Beschäftigung alter Menschen wird dadurch auch als gesellschaftliche Aufgabe wahrgenommen. Die Weltgebetstagskomitees aus Deutschland, Österreich und der Schweiz unterstützen die wichtige Arbeit der Cáritas Cubana deshalb bis Dezember 2017 mit 58.298 Euro. 

Bilder gesucht!

Bei all dem Mangel und der Härte des Alltags, die sie auf Kuba erlebten, hat Christine Kucharski eines besonders beeindruckt: „Der Humor, die Lebensfreude der Kubanerinnen und Kubaner sind etwas Besonderes angesichts ihrer Lebenssituation. Überall ist Musik.“ Durch die Gottesdienstordnung für den Weltgebetstag der Frauen 2016 soll davon auch etwas in unseren Gemeinden ankommen. 

Das Deutsche Komitee sammelt Ihre Eindrücke: Senden Sie Ihr schönstes Bild vom Weltgebetstag 2016 für die Bildergalerie an das Weltgebetstagskomitee.

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ekir.de / Kathrin Reinert / 01.03.2016



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