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Weltkindertag

Auch im Heim haben Kinder Rechte

Zum Weltkindertag am 20. September erinnert das Diakonische Werk Rheinland-Westfalen-Lippe an die Bedeutung der Kinderrechte für alle Minderjährigen, die in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe leben. Das aktuelle Motto „Kindern ein Zuhause geben“ lädt dazu ein, den Lebensort „Kinderheim“ näher in den Blick zu nehmen.

„Leider hat die Heimerziehung immer noch ein schlechtes Image, dabei finden Kinder und Jugendliche in den Gruppen Entlastung von familiären Konflikten, können neue Beziehungen zu anderen jungen Menschen knüpfen und werden von pädagogischen Fachkräften gezielt gefördert und unterstützt“, betont die Beauftragte für Sozialpolitik der Diakonie RWL, Helga Siemens-Weibring. Auch die Möglichkeiten zur Mitbestimmung, Mitgestaltung und Beschwerde seien in den vergangenen Jahren verbessert worden. „Wir wünschen uns aber, dass das Thema Partizipation politisch stärker unterstützt wird“, so Siemens-Weibring.

Aktuell leben bundesweit mehr als 70.000 Kinder und Jugendliche in Wohngruppen der Kinder- und Jugendhilfe. Mit rund 140 Einrichtungen, die 2.000 Plätze anbieten, ist die Diakonie RWL die größte Trägergruppe der Kinder- und Jugendhilfe in NRW. Seit dem Jahr 2012 verlangt das Bundeskinderschutzgesetz, dass die Einrichtungen Beteiligungs- und Beschwerdekonzepte vorlegen. Hierzu gehört auch, dass Kinder und Jugendliche ihre Rechte erklärt bekommen und erfahren, wie sie sich beschweren können. Siemens-Weibring: „Die diakonischen Einrichtungen nehmen diese Herausforderung ernst.“ So verfügen die meisten Wohngruppen bereits über Kinderrechtekataloge und ausgefeilte Beschwerdeverfahren.

Nötig ist auch ein unabhängige Beschwerdesystem

Das alleine reicht nach Ansicht der Sozialexpertin aber nicht aus. „Wir brauchen auch ein Beschwerdesystem von unabhängigen Ombudsstellen, das bei der Politik, etwa bei einem Kinderrechtsbeauftragten, angesiedelt ist“, sagt Siemens-Weibring. Häufig gebe es Konflikte mit den Jugendämtern, etwa wenn es um den Wechsel eines Jugendlichen in eine andere Wohngruppe oder um die vorzeitige Beendigung einer Unterbringung durch das Jugendamt gehe. „Es ist wichtig, dass die Kinder und Jugendlichen auch außerhalb ihrer Einrichtung eine Möglichkeit erhalten, gehört zu werden und ihre Rechte wahrzunehmen.“

Laut dem Familienexperten der Diakonie RWL, Remi Stork, haben verschiedene Modellprojekte der Diakonie RWL gezeigt, dass sich stärkere Partizipations- und Beschwerdemöglichkeiten sowohl auf die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen als auch das Leben in den Wohngruppen positiv auswirkten. „Die Kinder und Jugendlichen agieren nicht nur selbstständiger, sondern auch verantwortungsvoller.“ Letztlich komme das der ganzen Gesellschaft zugute, betont Stork. Deshalb müssten Länder und Kommunen sich an der Finanzierung einer guten Infrastruktur für Mitbestimmung und Beschwerden beteiligen.

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ekir.de / diakonie-rwl.de / 19.09.2016



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