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Foto: Albin Hillert/WCC Plenumssitzung mit Podiumsdiskussion bei der Weltmissionskonferenz in Arusha

Weltmissionskonferenz

Überwältigende Gastfreundschaft und „bis auf die Knochen afrikanisch“

Zur Weltmissionskonferenz in Arusha (Tansania) haben sich vom 8. bis 13. März mehr als 900 Delegierte und Gäste aus allen Teilen der Welt getroffen. Anja Vollendorf schildert als Delegierte aus der Evangelischen Kirche im Rheinland ihre Eindrücke.

Die Konferenz für Weltmission und Evangelisation wurde vom Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) unter dem Motto „Vom Geist bewegt – zu verwandelnder Nachfolge berufen“ ausgerichtet. Christinnen und Christen aus evangelischen, orthodoxen, römisch-katholischen, evangelikalen und pfingstlerischen Kirchen suchten gemeinsam nach Wegen der Nachfolge heute. Kirchenrätin Anja Vollendorf im ekir.de-Interview:

Mit welchen Eindrücken kommen Sie von der Konferenz in Arusha zurück?

Das reichhaltige spirituelle Leben war bemerkenswert. Die Gebete und Texte, die Lieder und die Performance einer Jugendgruppe zu den biblischen Texten waren sorgfältig vorbereitet und wunderbar umgesetzt worden. Der afrikanische Charakter der Konferenz war hier spürbar und ebenso in allen anderen Bereichen der Konferenz. Ein Teilnehmer sagte: "Das war bis auf die Knochen afrikanisch." Die Gastfreundschaft war überwältigend. Die Konferenz war geprägt von der aktiven Partizipation vieler junger Frauen und Männer. Und die Beiträge der Frauen waren deutlich hörbar und sichtbar. Sie betrugen fast 50 Prozent.

Wie haben Sie die internationale Gemeinschaft der Christinnen und Christen erlebt?

Die internationale Gemeinschaft von Christinnen und Christen hat einander im Plenum mit seinen Vorträgen, den Gesprächsphasen an den Tischen und in den Workshops zugehört. Die Gemeinschaft war nicht nur international, sondern auch sehr ökumenisch: Die Protestantin Dr. Angelique Walker-Smith erzählte davon, was es heißt, das Kreuz zu tragen, aus der Perspektive des Pan-Afrikanischen Ökumenischen Netzwerkes der Frauen Afrikas und afrikanischer Herkunft (PAWEEN).

Der Patriarch der Syrisch Orthodoxen Kirche H.H. Ignatius Mor Aphrem II. sprach von einem Besuch in der völlig zerstörten Stadt Deir ez-Zor und hatte Bilder mitgebracht, die zeigten, wie er und seine Delegation in den Ruinen einer Kirche, zusammen mit dem letzten Christen in der Stadt, die göttliche Liturgie feierten. Auch römisch- katholische, pfingstliche, anglikanische und weitere Stimmen brachten beeindruckende und berührende Erzählungen aus ihren Kirchen mit.

"Vom Geist bewegt - zu verwandelnder Nachfolge berufen", so hieß das Motto in Arusha. Was heißt das für eine Kirche in Westeuropa wie die Evangelische Kirche im Rheinland (EKiR)?

Nachfolge verwandelt, indem Christinnen und Christen aus einer gut situierten Kirche wie der Evangelischen Kirche im Rheinland durch die Kirchen des Südens aus ihrer Komfortzone herausgerufen werden. Die EKiR wird daran erinnert, dass auch ihre Missionare nach Afrika kamen und sagten „Lasst uns beten“, und danach hatten die Menschen dort ihr Land verloren und nur noch die Bibel in ihrer Hand.

Pfarrer Dr. Vuyani Vellem aus Südafrika orientierte uns an Bonhoeffer, der ein fühlendes Herz hatte, in Harlem gepredigt hat und das Ringen um Gerechtigkeit eingefordert hat. Mission, die von gesellschaftlichen Randgruppen aus denkt und von ihr kommt, gehört in die Mitte der Kirchen. Für die EKiR heißt das, den Blick nicht abzuwenden von Ausbeutung und Ausgrenzung, Machtlosigkeit und Gewalt und die Hoffnungsgeschichten mitzuteilen, die in der biblischen Botschaft zu finden sind. Nachfolge hat ihren Preis. Im anglophonen Bereich ist Bonhoeffers Buch Nachfolge mit "costly discipleship" betitelt worden. Bei der Weltkonferenz wurden viele Geschichten von Menschen erzählt, die sich aus ihrem Glauben heraus für Gerechtigkeit und Frieden eingesetzt haben und dies mit ihrem Leben bezahlt haben. Wer Nachfolge will, kann es sich nicht bequem machen. Was das für die Evangelische Kirche im Rheinland heißt, muss sie weiter durchbuchstabieren wie im Prozess Wirtschaften für das Leben geschehen oder im Friedenswort 2018 geäußert.

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ekir.de / rtm / Foto: Albin Hillert/WCC / 14.03.2018



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