Evangelischer Widerstand

Innovative Wege für eine lebendige Präsentation

Wer leistete in der evangelischen Kirche Widerstand gegen das 3. Reich? Das lässt sich jetzt online erforschen. 2012 wächst die Internetpräsentation - auch mit neuen Inhalten aus dem Rheinland.

Online lässt sich über den evangelischen Widerstand im 3. Reich jetzt mehr erfahren. LupeOnline lässt sich über den evangelischen Widerstand im 3. Reich jetzt mehr erfahren.

„Widerstand?! Evangelische Christinnen und Christen im Nationalsozialismus“ lautet der Titel einer neuen Online-Ausstellung. Sie wurde im November während der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Fünf Jahre arbeiteten die Kommission der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Kirchliche Zeitgeschichte und die Münchner Forschungsstelle am Thema. Bei der Präsentation betonte der Ratsvorsitzende der EKD, Präses Nikolaus Schneider, dass die Ausstellungsmacher neue innovative Wege gesucht haben und die Internetpräsentation weit mehr Möglichkeiten biete als eine klassische Wanderausstellung.

„Aus Archiv-Sicht ist das sehr reizvoll“, sagt auch Dr. Stefan Flesch, Direktor des Archivs der Evangelischen Kirche im Rheinland. Die Online-Ausstellung sei lebendiger als die klassische Form und biete zudem die Möglichkeit, sie ständig zu erweitern. Für die Ausstellung habe man gerne Texte und Fotos zur Verfügung gestellt. Im Laufe des Jahres 2012 werden unter evangelischer-widerstand.de unter dem Stichwort „Regionen“ weitere Informationen und Dokumente aus den Landeskirchen zu finden sein. Im Rheinland arbeitet der Ausschuss für rheinische Kirchengeschichte und kirchliche Zeitgeschichte unter Vorsitz der Kölner Historikerin Dr. Simone Rauthe an neuen Inhalten.

Bereits jetzt zeigt die Ausstellung eine Mischung aus bekannten und weniger Männern und Frauen aus dem Rheinland. Zu den bekannten Widerstandskämpfern gehört Paul Schneider, der „Prediger von Buchenwald“. Der rheinische Pfarrer widersetzte sich immer wieder der nationalsozialistischen Ideologie und Gewaltherrschaft. Er war deshalb vom Frühjahr 1938 bis Sommer 1939 in verschärfter Einzelhaft im Konzentrationslager Buchenwald untergebracht. Am 18. Juli 1939 ermordeten ihn die Nazis.

Widerstand von „Flüsterwitz bis Umsturzversuch“

Nikolaina Gschössl gehört zu den weniger bekannten Christinnen, die sich im Rheinland schon vor 1933 dem Nationalsozialismus entgegenstellten. Die Religionslehrerin war Religiöse Sozialistin und brandmarkte früh die „Vergötzung des Blutes“. 1933 wurde sie wegen „ungeziemender Bemerkungen“ über Adolf Hitler in Köln aus dem Berufsschuldienst entlassen. Die Online-Präsentation macht unter anderem einen kurzen Text von Nikolaina Gschössl zur Nazi-Bewegung von 1932 zugänglich.

Vorgestellt werden auch der Pfarrer Johannes Koch, der Lehrer Georg Maus und Professor Karl Barth, der ab 1930 an der Universität in Bonn Theologie unterrichtete. Zu den geplanten Erweiterungen für 2012 gehören Informationen zu Heinrich Held. Er war nach dem Krieg Vorsitzender des Bruderrats der Evangelischen Kirche in Deutschland und erster Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland. Gemeinsam mit anderen rettete der Mitinitiator der Bekennenden Kirche gegen Ende des Krieges 1944/45 Essener Jüdinnen und Juden das Leben.

Die Leiterin der Forschungsstelle für Kirchliche Zeitgeschichte, Dr. Claudia Lepp, betont, dass die Ausstellung ganz unterschiedliche Formen von Widerstand „vom Flüsterwitz bis zum Umsturzversuch“ zeigen will. Das sei bisher für den christlichen Bereich noch nicht geschehen. Dies geschehe im Kontext des Nationalsozialismus und des Mehrheitsprotestantismus. Die Frage ist auch: „Warum haben so viele nicht Widerstand geleistet?“.

Insgesamt sind zurzeit 584 historische Dokumente als Texte, Fotos, Audios oder Videos verfügbar. Die von der Kölner Agentur „Kerygma“ realisierte Präsentation gibt es auch in einer Version für mobile Geräte.

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Dienstag, 13. Dezember 2011. Die letzte Aktualierung erfolgte am Dienstag, 13. Dezember 2011. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / rtm / 13.12.2011



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