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Nordfriedhof Düsseldorf Die Idee einer grünen Anlage liegt dem Nordfriedhof in Düsseldorf zugrunde.

Friedhofs-App

Die Grabstätten berühmter Frauen und Männer entdecken

Mit der neuen App "Wo sie ruhen" finden Interessierte die Grabstätten von Prominenten auf Friedhöfen. Im Gebiet der rheinischen Kirche gehören zu den Friedhöfen der Nordfriedhof in Düsseldorf, Melaten in Köln, der Alte Friedhof in Bonn und St. Johann in Saarbrücken.

Jean Louis Piedbœuf ruht im Familiengrab in Düsseldorf. Jean Louis Piedbœuf ruht im Familiengrab in Düsseldorf.

Seit Beginn dieses Monats sind bundesweit Informationen zu 1007 Gräbern auf 37 historischen Friedhöfen für alle zugänglich. Biografische Informationen zu den Toten können bei einem Friedhofsgang mit dem Smartphone gehört und gelesen werden.

Das Netzwerkprojekt soll an die Wahrung und Erhaltung eines kulturellen Erbes erinnern. Herausgegeben wurde die App von der Stiftung Historische Kirchhöfe und Friedhöfe in Berlin-Brandenburg mit Unterstützung der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien. Die Kurzportraits haben 23 Autorinnen und Autoren erarbeitet und werden von dem Schauspieler und Rezitator Hans-Jürgen Schatz gelesen. Jeweils zur Einführung wird zudem Wissenswertes über die Friedhofsanlage berichtet. Viele architektonische und kunsthistorische Fakten werden erläutert.

Die App weist den Weg

Die Web-App kann auf verschiedenen Geräten wie Smartphone, Tablet-PC, internetfähigem Fernsehgerät und auch auf dem PC aufgerufen werden. Die App navigiert Nutzerinnen und Nutzer zu den einzelnen Grabmalen. Zusätzlich sind auf den Friedhöfen Faltblätter mit den entsprechenden Informationen erhältlich.

Ob Willy Millowitsch auf dem Friedhof Melaten in Köln oder die Musiker Clara und Robert Schumann auf dem Alten Friedhof in Bonn: Die recht einfach gestaltete App weist den Weg zum richtigen Grab. Ohne diese Hilfe wären die meisten Gräber kaum zu finden.

Allein auf dem Nordfriedhof in Düsseldorf gibt es auf 70 Hektar nahezu 50.000 Grabstellen. Einige Gräber sind eher unscheinbar, andere lassen gleich erkennen, dass der Tote im Leben wohl eine bedeutende Rolle eingenommen hat. Zur zweiten Kategorie gehört auf dem Nordfriedhof zum Beispiel das Grab des 1891 gestorbenen Dampfkesselfabrikanten Jean Louis Piedbœuf. Zwar wird nirgendwo auf dem Familiengrabmal der unternehmerische Hintergrund genannt, aber die mächtige Gestaltung lässt keine Zweifel aufkommen.

Ein unscheinbares Grab für eine "Lebedame"

Mehr erfahren die Nutzerinnen und Nutzer der neuen App dann auf dem Display oder über Kopfhörer: Piedbœuf war Ingenieur und gehörte zu einer Familie aus der Lütticher Region. Einige von ihnen ließen sich bereits 1857 zu Beginn der Industrialisierung Düsseldorfs mit einem Walzwerk und einer Röhrenproduktion in der Stadt nieder. Jean Louis übernahm 1863 die Kesselbetriebe seines Vaters in Düsseldorf-Oberbilk und baute sie kräftig aus. In Düsseldorf war er anfangs nahezu Monopolist mit seinen Produkten.

Eine ganz andere Geschichte wird zu einem unscheinbaren Grab im neueren Teil des Düsseldorfer Nordfriedhofs erzählt. Dort ist die als „Lebedame und Edelprostituierte“ bezeichnete Rosemarie Nitribitt bestattet. Ihr Leben und der frühe gewaltsame Tod beschäftigte 1957 die Bundesrepublik und führte unter anderem zu zwei Verfilmungen. Auf dem Grabstein der gebürtigen Düsseldorferin findet sich ein abgewandelter Vers aus dem alttestamentlichen Buch Prediger Salomo: „Nichts Besseres darin ist, denn fröhlich sein im Leben“.

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ekir.de / Ralf Thomas Müller / 21.11.2014



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