Landessynode 2016

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Landessynode 2016

Wortmeldung: Stephanie Schönborn

Die Grundschullehrerin aus der Kirchengemeinde Derschlag, die zum Kirchenkreis An der Agger gehört, hat ihre Andacht dem Thema "Weite wirkt: befreiend - bewegend - einladend - fairwandelnd" gewidmet.


Meine Generation- eine Generation der Weite?

Meine Generation trifft man leider nur sehr selten in der Kirche. Meine Generation ist die Generation „Maybe“- Vielleicht. Wir stehen vor einer Fülle von Möglichkeiten, uns stehen scheinbar alle Türen offen. Wir leben in einer Weite, die uns oft rastlos macht. Wir leisten Freiwilligendienste, machen Auslandssemester, sind immer auf der Suche nach den besten Angeboten, immer erreichbar, flexibel, auf dem Sprung, oft unfähig uns längerfristig an etwas zu binden- wir könnten ja etwas verpassen.

In dieser Rastlosigkeit sehnen wir uns aber gleichzeitig nach einer Heimat, einem Ort, an dem wir zur Ruhe kommen können und aufgehoben sind.

Diesen Ort habe ich in meiner Gemeinde und in meinem Glauben gefunden. Ich stamme aus einem kirchenfernen Elternhaus und wurde erst durch meine Mitarbeit in der Gemeinde kirchlich sozialisiert und wie heißt es so schön religiös sprachfähig. Ich traf dort auf Menschen, die mir Glauben vorlebten, ein offenes Ohr hatten, mit mir Fragen stellten und sich gemeinsam mit mir auf die Suche nach Antworten machten, Zweifel ernst nahmen, mir Vertrauen schenkten und mich einfach ausprobieren ließen. Allein deshalb stehe ich heute hier. Mir wurden so nicht nur Flügel, sondern auch Wurzeln geschenkt, und das ist etwas sehr Wertvolles.

Sowohl in meinem Beruf als auch im Ehrenamt erlebe ich täglich, dass Kindern diese Wurzeln fehlen. Sie haben keine Ahnung, was wir an Weihnachten oder Ostern feiern und was das für uns bedeutet, reden wir gar nicht erst von Pfingsten oder Christi Himmelfahrt. Mit den Kindern entdecke ich daher jedes Jahr neu, dass Gott uns bedingungslos liebt und uns auf all unseren Wegen begleiten will, dass er in jedem Menschen wohnt und für ihn andere Maßstäbe zählen.

Wir leben hier in einem Land, in dem es uns geschenkt ist, unseren christlichen Glauben frei zu bekennen und zu leben, aber wir tun dies viel zu selten.

Daher wünsche ich mir, dass wir das Geschenk annehmen und frei über unseren Glauben und unsere Traditionen reden. Ich wünsche mir, dass wir uns in unseren Gemeinden auf die Suche machen und wieder Fragen stellen, neugierig Antworten suchen, alte Wege verlassen, offen sind für Neues, Vertrauen schenken, etwas wagen, ausprobieren und Vielfalt zulassen.

Denn das ist für mich Reformation.

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ekir.de / 14.01.2016



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