Ende der Wehrpflicht

Kirche und Diakonie planen soziale Arbeit ohne Zivildienst

Die Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe und die Evangelische Kirche im Rheinland (EKiR) stellen sich auf die Zeit nach Wehrpflicht und Zivildienst ein.

In Gesprächen mit der Bundesregierung geht es um den Ausbau von Freiwilligendiensten. So sollen die Auswirkungen für soziale Einrichtungen begrenzt und gleichzeitig jungen Menschen weiterhin die Chance gegeben werden, wichtige Erfahrungen für ihr Leben zu machen. „Bei der Diakonie werden keine Arbeitsfelder zusammenbrechen, wenn es keine Zivis mehr gibt. Die Situation wird aber ehrlicher, wenn statt eines Pflichtdienstes freiwillige Angebote ausgebaut werden“, so Dr. Uwe Becker, Vorstand der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe auf einer Pressekonferenz in Solingen.

Im Gespräch mit dem Bundesbeauftragen für den Zivildienst, Dr. Jens Kreuter, und dem Präses der rheinischen Kirche, Nikolaus Schneider, sprach sich der Diakonie-Vorstand dafür aus, die Freiwilligendienste attraktiver zu machen. „Die Einsatzfelder müssen Qualität haben und Möglichkeiten der beruflichen Orientierung bieten."

Stärkung der Freiwilligendienste

Für den Zivildienstbeauftragen der Bundesregierung ist das Ende des Zivildienstes bis Mitte nächsten Jahres absehbar. Deshalb arbeitet die Bundesregierung im Dialog mit den Wohlfahrtsverbänden an einer Stärkung der Freiwilligendienste. Neben den bestehenden Angeboten wie dem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) und dem Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ), die von den Bundesländern getragen werden, solle ergänzend ein Freiwilligenprogramm treten, das vom Bund finanziert wird.

Die Diakonie RWL begrüßt die Absicht, Mittel aus dem Zivildienst für die Förderung freiwilligen Engagements junger Menschen zu erhalten. Als Chance bezeichnete der Präses Schneider das Ende des Zivildienstes. „Es kann ein Bewusstsein dafür wachsen, dass ein freiwilliger Einsatz für andere wichtig für unsere Gesellschaft ist.“ Junge Menschen müssten erfahren, dass das Zusammenleben nicht nur von Geschäftsbeziehungen geprägt ist, sondern dass „die Gesellschaft davon lebt, dass man auch mal etwas tut, ohne dafür etwas zu bekommen.“

Fördern statt verpflichten

Alle drei wandten sich strikt gegen jegliche Art eines Pflichtdienstes, weil das ein nicht zu rechtfertigender Eingriff in die Freiheitsrechte der Menschen sei. „Gerade im Dienst am Menschen ist es wesentlich sinnvoller, freiwilliges Engagement zu fördern, als jemanden dazu zu verpflichten“, so Uwe Becker.

Rund 4.000 Zivildienstleistende haben im vergangenen Jahr ihren Dienst in einer evangelischen Einrichtung in Rheinland, Westfalen und Lippe getan. Die Haupteinsatzfelder sind Krankenhäuser, Behindertenhilfe und die Kinder- und Jugendarbeit. Die Teilnehmerzahlen des Freiwilligen Sozialen Jahres bei der Diakonie stiegen in den letzten Jahren stetig an. Im Moment gibt es rund 670 FSJler bei der Diakonie RWL.

EKD zu "Freiheit und Dienst"

Nocheinmal Stichwort Chance für die Freiwilligendienste: In einer gemeinsamen Erklärung haben der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Nikolaus Schneider, der evangelische Militärbischof, Dr. Martin Dutzmann, der Friedensbeauftragte des Rates der EKD, Renke Brahms, sowie der Präsident des Diakonischen Werkes der EKD, Klaus-Dieter Kottnik, zur aktuellen Debatte um die Aussetzung der Wehrpflicht Stellung bezogen.

In dem Papier, das unter dem Titel „Freiheit und Dienst – Erwägungen zur Aussetzung der Wehrpflicht und zu den Konsequenzen aus evangelischer Sicht“ veröffentlicht wurde, werden die Überlegungen der Politik zur Aussetzung der Wehrpflicht grundsätzlich begrüßt.

 

 

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Freitag, 17. September 2010. Die letzte Aktualierung erfolgte am Freitag, 17. September 2010. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / neu, diakonie-rwl.de / 17.09.2010



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