Einstieg
Landessynode 2010

Im Wortlaut: Grußwort von Hauptkurator Dr. Pál Huszár

Es gilt das gesprochene Wort.

Grußwort von Hauptkurator Pál Huszár, Reformierte Kirche in Ungarn, zu halten am Sonntag, 10. Januar 2010, anlässlich der 60. ordentlichen Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland

Sehr geehrter Herr Präses, verehrte Synodale, hochehrwürdiges Präsidium! Hochehrwürdige Synode! Geschätzte Gäste! Liebe Schwestern und Brüder im Herrn Jesus Christus!
Es ist eine große Ehre und eine hohe Auszeichnung für mich als Laienpräsidenten der Evangelisch-Reformierten Kirche in Ungarn vor diesem vornehmen und edlen Gremium, vor der Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland sprechen zu dürfen, den brüderlichen Gruß sowie die aufrichtigsten Segenswünsche unserer Landessynode ausrichten zu dürfen. Der Allmächtige Gott möge Ihre wertvolle Tätigkeit mit seinem reichlichen Segen begleiten und mit schönem Erfolg krönen!
Wie ich darüber schon vorher informiert worden bin, hat der Begriff „missionarisch Volkskirche sein“ einen wichtigen Platz, eine bedeutende Rolle an der Tagesordnung beziehungsweise in den Beratungen Ihrer Synode, sogar auch in den vorigen Sitzungen wurde an diesem Thema gründlich und tüchtig gearbeitet.
Unsere Evangelisch-Reformierte Kirche in Ungarn lebt und arbeitet unter ähnlichen Umständen – wenn auch nicht unter den gleichen Bedingungen – wie die Evangelische Kirche im Rheinland. Dementsprechend sind unsere Probleme und Aufgaben ähnlich. Der Begriff „Missionstätigkeit“ hat am Anfang des 21. Jahrhunderts auch bei uns, in unserer Evangelisch-Reformierten Kirche in Ungarn eine enorm große Bedeutung. Man könnte darauf sofort sagen: „Ja, natürlich, die Mission bedeutet doch die Grundaufgabe der Christlichen Kirchen.“ Das stimmt natürlich, der Missionsbefehl unseres Herrn Jesus Christus gilt ja für immer, der ist ewig: „ ... gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker. Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ (Matthäus 28, 19-20)
In den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts wird das Wort „Missionstätigkeit“ bei uns mit vollem Recht groß geschrieben, dieser Begriff ist für uns lebenswichtig geworden. Die historischen und gesellschaftlichen Ursachen davon braucht man nicht lange zu suchen, wenn man die Geschichte und die Gegenwart Europas einigermaßen kennt. An erster Stelle muss ich diesbezüglich natürlich die atheistische Diktatur erwähnen, wodurch die Christlichen Kirchen und eine jede Form der religiösen Tätigkeit der Bevölkerung am strengsten verfolgt wurden. Die Vernichtung der Kirchen bedeutete eines der wichtigsten Ziele der kommunistischen Macht.
Nach den bitterlichen Jahrzehnten der Diktatur ist auch bei uns die Globalisierung der Welt mit all ihren äußerst schädlichen Folgen erschienen, genauer gesagt: eingedrungen. Die teuersten christlichen und die allgemeinen menschlichen Werte werden dadurch am stärksten gefährdet. Als allererstes Opfer dieser wirtschaftlich-gesellschaftlichen Erscheinung muss die Familie erwähnt werden, aber eigentlich nicht weniger wird dadurch die nächste Generation, der Nachwuchs gefährdet. Die schlaue, aber absolut falsche, Familien- und menschenfeindliche Wertordnung dieser Erscheinung versucht die Bevölkerung von der Religion ab zu lenken, denn die Bahnbrecher und Nutznießer der Globalisierung können die Menschen mit einem starken christlichen Bewusstsein nicht leiden, weil sie nicht so leicht zu manipulieren sind. Die Christen versuchen nämlich den oben genannten großen Gefahren Widerstand zu leisten, sie sind gar nicht bereit, die Allmacht des Marktes und des Geldes mit all ihren moralischen – genauer gesagt: demoralisierenden – Folgen untertänigst zu akzeptieren.
Das alles wirft für uns Christen, für unsere Christliche Kirche neue Fragen auf und verlangt von uns neue Antworten. Es geht in Wirklichkeit darum, ob wir Christen oder eben die Christlichen Kirchen korrekte, glaubenswürdige Antworten auf die Fragen unserer – zum Teil schon durch den falschen Glanz der Globalisierung in eine moralische Falle gelockten – Mitmenschen geben können. Darin meldet sich also das größte Problem unserer Epoche, deshalb ist die schon mehrmals erwähnte Missionstätigkeit so lebenswichtig für uns, für unsere Christlichen Kirchen.
Als die wohl bekannte biblische Gestalt, der junge Josef durch seinen Vater Israel zu seinen Brüdern in die Puszta geschickt wurde, da sagte er einem fremden Mann, der ihm entgegen kam: „Ich suche meine Brüder.“ (2. Mose 37. l6) Dieser Satz aus dem 2. Buch Mose drückt unsere heutige Lage am besten aus. Ja, wir suchen unsere Brüder, unsere Glaubensbrüder, die sich bei der letzten Volkszählung als Evangelisch-Reformierte bezeichnet haben, aber in unserer Kirche leider nicht zu sehen sind.
In dieser Legislaturperiode unserer Synode legen wir also einen besonders großen Wert auf die Missionstätigkeit in den Großstädten. Es ist Ihnen, hoch geschätzte Hörerinnen und Hörer sicher nicht unbekannt, dass die moderne Lebensform eine bedeutende Umstrukturierung und Mobilisierung der Bevölkerung mit sich brachte. Im Bezug auf das Mittelalter ist uns allen die Parole bekannt: „Stadtluft macht frei.“ Dieser Satz stimmte damals vollkommen. In Deutschland gab es im 19. Jahrhundert auch eine Landflucht, als die Städte beziehungsweise die enorm großen Industriegebiete die ländliche Bevölkerung an sich gezogen haben.
Ein ähnlicher Prozess spielte sich auch in unserer Heimat in den vorigen Jahrzehnten ab. Vor allem die gewaltsame Kollektivierung der Landwirtschaft hat es mit sich gebracht, dass viele Dorfbewohner in die Städte gezogen sind. Das wäre an für sich noch nichts Besonderes gewesen, aber irgendwie hatten diese Menschen vergessen, zu welcher Kirche, zu welcher Konfession sie gehörten. Leider haben sie ihr konfessionelles, überhaupt ihr religiöses Identitätsbewusstsein in die Stadt nicht mitgenommen. Diese Glaubensbrüder müssen wir jetzt aufsuchen und möglicherweise ansprechen, damit sie die frohe Botschaft des Evangeliums nicht vergessen.
Leider gibt es aber viele Landsleute, die diese frohe Botschaft noch nie im Leben gehört haben, die gar nichts darüber wissen, obwohl sie auch für diese Menschen lebenswichtig wäre. Darin liegt also der Grund, dass wir Türen und Tore in Richtung der ganzen ungarischen Gesellschaft öffnen müssen, öffnen wollen.
Diese Missionstätigkeit ist natürlich keinesfalls ein Privileg oder eben eine Pflicht der Geistlichen. Sie bedeutet eine gemeinsame Aufgabe für uns alle, unabhängig davon, ob wir Theologie studiert haben oder eben etwas anderes, beziehungsweise gar nichts studiert haben, aber wir wollen Jünger Christi genannt und dafür gehalten werden. Es liegt auch an uns, ob ein kleiner oder ein großer Teil unserer Mitmenschen die frohe Botschaft des Evangeliums, die von unserem Herrn Gott angebotene Möglichkeit des ewigen Lebens kennen lernt.
Hochehrwürdige Synode, liebe Schwestern und Brüder im Herrn Jesus Christus! Natürlich möchte ich Sie nicht lange mit den Problemen und Aufgaben unserer Evangelisch-Reformierten Kirche belästigen. Gewisse Ähnlichkeiten in unserer Lage wollte ich Ihnen bekannt machen, beziehungsweise unser Mitgefühl, unsere christliche Sympathie möchte ich vor der Öffentlichkeit der Synode zum Ausdruck bringen.
Mit diesen Gedanken möchte ich die brüderlichen Grüße und Segenswünsche im Namen des Präsidiums unserer Synode ausrichten und Ihnen allen fruchtbringende Besprechungen und eine erfolgreiche Tagung mit Gottes Segen wünschen.

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Mittwoch, 24. Februar 2010. Die letzte Aktualierung erfolgte am Mittwoch, 24. Februar 2010. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

24.02.2010



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