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Einstieg
Landessynode 2008: Präsesbericht

Erziehungscamps: Wertschätzung wichtiger

"Wir brauchen Menschen statt Mauern." Auf diesen Punkt bringt Präses Nikolaus Schneider seine Sicht auf den Umgang mit verwahrlosten Kindern und jugendlichen Intensivtätern. Öffentliche Erziehung brauche materiell und ideell größere Wertschätzung.

Präses Nikolaus Schneider... LupePräses Nikolaus Schneider...

Weiter kritisierte der Präses in seinem "Bericht über die für die Kirche bedeutsamen Ereignisse" an die Landessynode 2008 vor dem Hintergrund der öffentlichen Debatten um Erziehungscamps "holzschnittartige und oberflächliche Lösungsvorschläge".

Insbesondere ein Brechen der Persönlichkeit, Erniedrigungen und Missachtung widersprächen dem christlichen Menschenbild. "Bei aller notwendigen Strenge und Konsequenz" bräuchten Jugendliche zugleich Zuwendung.

Vor den 232 Mitgliedern des Landessynode stellte der Präses klar: "Pädagogische Arbeit ist Beziehungsarbeit, und die braucht Zeit, kleine Gruppen und bestens ausgebildetes Personal - und das kostet Geld." Seine Forderung: "Das Sparen an Kindern und Jugendlichen muss beendet werden!"

Islam: Dialog fortsetzen

...erstattet der Landessynode den "Bericht über die für die Kirche bedeutsamen Ereignisse". Lupe...erstattet der Landessynode den "Bericht über die für die Kirche bedeutsamen Ereignisse".

"Zum Dialog mit dem Islam gibt es keine Alternative." Mit dieser Maxime rahmte Präses Schneider seine Ausführung zum christlich-muslimischen Gespräch ein. Der Dialog sei notwendig "gegen den Missbrauch der Religion zur Anstachelung und Legitimierung von Krieg, Gewalt und Terror".

Dazwischen setzte er den Rückblick auf die EKD-Schrift "Klarheit und gute Nachbarschaft", die für Misstöne gesorgt habe. Schneider, selbst EKD-Ratsmitglied, räumte ein, dass die Handreichung im Ton hätte freundlicher und verbindlicher sein müssen.

Inhaltlich verteidigte der leitende Geistliche die Schrift. So unterstrich er die Schnittmengen der drei abrahamitischen Religionen Judentum, Christentum und Islam. Gleichzeitig unterstrich er wichtige Unterschiede: "Für Christenmenschen hat Gott sich verbindlich und gültig in dem Menschen Jesus von Nazareth offenbart. Gott wurde Mensch in Jesus Christus. Für Menschen muslimischen Glaubens offenbart sich Gott zwar den Menschen, aber nicht als Mensch." Einer der weiteren Unterschiede: Christenmenschen reden trinitarisch von Gott.

Moscheebau - grundsätzlich begrüßenswert

Außerdem ging Schneider in seinem Bericht noch einmal auf die Debatte um den Bau von Moscheen ein. Er begrüße Moscheebauten in würdiger Form. Denn: "Wer den Hinterhof verlässt und die Bühne der Öffentlichkeit betritt, bringt damit auch zum Ausdruck, dass er in dieser Gesellschaft angekommen ist, in ihr bleiben will und Verantwortung für das Zusammenleben" übernehmen wolle.

Gegen negative Gefühle und Einstellungen, Vorurteile und Ängste helfe nur eine offene Kommunikation, sagte Schneider. Außerdem sei es notwendig, den vom türkischen Staat gesteuerten Bauherrn Ditib nach der Glaubens- und Religionsfreiheit in der Türkei zu fragen. So dürfe nicht stillschweigend hingenommen werden, dass der ökumenische Patriarch von Konstantinopel juristisch beschnitten worden ist.

Globalisierung: Nicht bloß Almosen

Präses Schneider äußerte sich auch zu dem Schwerpunktthema, das die Synode in dieser Woche auf ihrer Tagesordnung hat: die wirtschaftliche Globalisierung und ihre Folgen. Dazu der Präses: "Wenn Kirchen ihre Stimmen erheben, fordern sie keine Almosen für die Armen und Schwachen, sondern politische Prozesse, deren Ziel ein menschenwürdiges Leben aller ist."

Deshalb komme aus der ökumenischen Bewegung die Formel "Wirtschaften für das Leben" - diesen Titel trägt auch die entsprechende Vorlage an die Landessynode. So solle Wirtschaft und Ethik zusammen gebracht werden. Die Forderung: Wirtschaften solle weltweit allen Menschen dienen. Die Wirtschaft dürfe nicht nur von Banken, Großkonzernen und Finanzmärkten bestimmt werden, so der Präses.

Besorgniserregende Armut

Näher ging Schneider auf wirtschaftliche Fragen in Deutschland ein. Zwar sei die sinkende Arbeitslosigkeit ein höchst erfreulicher Tatbestand. Daneben jedoch seien besorgniserregende Faktoren zu verzeichnen: 3,5 Millionen Menschen ohne Arbeit, prekäre Arbeitsbedingungen, Minijobs, befristete Stellen, Leiharbeit, stark wachsender Niedriglohnbereich. Dagegen erinnerte der Präses an den Satz, den die Kirche schon vor Jahren formuliert hat: Reichtum braucht ein Maß, Armut eine Grenze. "Das bleibt aktuell und richtig."

Härte für den theologischen Nachwuchs

Im Zusammenhang mit kirchlichen Reformen skizzierte der Präses die Pläne bezüglich des Zugangs zum Pfarrdienst sowie der Besetzung von Pfarrstellen. Ziel sei eine strategische Personalplanung. Dabei ringe die Kirche darum, die Pfarrerinnen und Pfarrer im Wartestand fair zu behandeln. Und: Gegenüber dem theologischen Nachwuchs bestehe eine besondere Herausforderung. Schneider: "Dass vor allem unser theologischer Nachwuchs von den Härten der Veränderungen betroffen ist, ist unabweisbar."

Positiv dann die Schlussgedanken: Präses Schneider erinnerte an den 31. Deutschen Evangelischen Kirchentag, deren Gastgeberin die rheinische Kirche war. "Köln wurde zu einem orangefarbenen evangelischen Sommermärchen."

 

 

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Donnerstag, 25. Februar 2010. Die letzte Aktualierung erfolgte am Donnerstag, 25. Februar 2010. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

neu / 25.02.2010



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