Bild Dossiermarke
Weitere Infos
Landessynode 2007

Auf Protestanten hören

Migration, Menschenrechte, Morde: Gäste aus Partnerkirchen der EKiR in Italien, Zentralafrika und den Philippinen berichten auf der Landessynode 2007.

Ökumenische Gäste der Landessynode: Bischof Eliezer M. Pascua, Dr. Annemarie Dupré und Pfarrer Mauka Mathe Bulalo. Ökumenische Gäste der Landessynode: Bischof Eliezer M. Pascua, Dr. Annemarie Dupré und Pfarrer Mauka Mathe Bulalo.

Die Evangelische Kirche der Waldenser und Methodisten in Italien ist eine Minderheitenkirche.
Eine Minderheitenkirche im Angesicht der starken katholischen Kirche - für Dr. Annemarie Dupré, Beauftragte für Migrationsfragen, zur Zeit aber keine ausweglose Lage: "Es interessiert die italienische Gesellschaft, wenn es auch eine andere kirchliche Meinung gibt als die der total domninierenden katholischen Kirche. Man hört inzwischen hin, wenn die Protestanten etwas zu sagen haben", so Dupré.

In Italien hat die Waldenserkirche rund 20.000 Mitglieder, dazu kommt die schwer schätzbare Zahl immigrierter Protestanten, nach Dupré etwas 50.000 Menschen.

Das ist, so Dupré, ein "neues Phänomen" - die Immigration vieler Protestanten nach Italien. Denn: "Heute gibt es in Italien mehr ausländische als italienische Protestanten - für unsere Kirche ist das eine ungeheure Herausforderung", berichtete Dupré.

In vielen Gemeinden gebe es heute bis zu 90 Prozent Ausländer, so Dupré.

Was tut die Waldenserkirche in Blick auf diese Herausforderung?

Für Dupré gibt es Leitlinien, so sei zum Beispiel entscheidend: "Das Bewusstsein, dass absolute Wahrheit zwar da ist, aber dass sie uns nicht allein gehört und dass wir sie nicht allein in der Hand haben."

Daraus ergeben sich folgende Aufgaben: "Wir müssen lernen innerkirchlich mit dieser Frage umzugehen. Wir müssen eine andere Kirche werden", fasste die Beauftragte für Migrationsfragen zusammen.

Hier sei ein wichtiger "Scheideweg", betonte Dupré: "Eine religiöse Integration, die positiv verläuft, bedeutet eine Brücke in unsere Gesellschaft." Nähme der Verlauf jedoch eine negative Wende, dann "werden die Menschen an die Wand gedrängt", so Dupré. Solche Religionsgemeinschaften können sich dann leicht radikalisieren, warnte die Vertreterin der Waldenser.

Die "religiöse Integration" - das sei die aktuell wichtigste Aufgabe, bekräftigte Dupré abschließend.

Schweren Herzens nach Deutschland

Schweren Herzens nach Deutschland gereist ist Bischof Eliezer M. Pascua von der United Church of Christ in the Philippines (UCCP). Sein „heavy heart“ hat vielfältige Gründe. Der schwerwiegendste: Die Menschenrechtsverletzungen in seinem Land. Seit Beginn der Amtszeit der Präsidentin Gloria Macapagal Arroyo 2001 seien 818 Menschen gewalttätig ums Leben gekommen, so Pascua.
Ein weiterer Grund für seine Herzensschwere: Eine nahezu „prophetische Sorge“, dass weitere Menschen, ganze Familien zu opfern sein werden.

Wer hinter diesen Morden steht, ist umstritten. Terroristen oder Regierungselemente, vor allem Polizei und Militär – beide Meinungen würden vertreten, berichtete Pascua. Klar ist für den leitenden Bischof, dass durch das Engagement der UCCP unter den 818 Opfern auch 23 Kirchenleute zu beklagen sind: „Aus unserer Sicht wurden unserer Kirchenmitglieder ermordet wegen ihres politischen Engagements.“

Pascua weiter: „Wir sind dazu aufgerufen, am Aufbau einer sinnstiftenden Gesellschaft teilzuhaben, das nehmen unsere Pfarrer sehr ernst, deshalb geraten sie in Gefahr.“

Der Krieg herrschte und die Kirche war mitten bei den Menschen

Die Baptistische Kirche in Zentralafrika (CBCA) – Demokratische Republik im Kongo – hat schwere Zeiten hinter sich. Nach langer Diktatur und fünfjährigem Krieg, der drei bis vier Millionen Tote gefordert hat, hat nun die schwierige Phase der Nachkriegszeit und des Wiederaufbaus begonnen.

Erste Erfolge sind zu beobachten: Die erste demokratische Wahl seit 46 Jahren konnte durchgeführt werden, berichtete Mauka Mathe Bulalo, leitender Geistlicher der Baptistischen Kirche in Zentralafrika, Demokratische Republik Kongo. „Aber wir brauchen noch Unterstützung von außen. Materielle, finanzielle und menschliche Bedürfnisse“ seien noch zu befriedigen, so Mauka weiter. „Jetzt steht der Wiederaufbau der Infrastruktur des Landes an." Und: „Im Osten des Landes herrscht immer noch eine unsichere Situation, die Menschen dort sind immer noch nicht in Sicherheit.“

Der Bischof fasste das Engagement seiner Kirche zusammen: „Der Krieg herrschte und die Kirche war mitten bei den Menschen. In dieser Notsituation kam es darauf an, weiterhin wirksam Hilfe für die Bevölkerung zu leisten.“

Ein weiteres Problem: Während des Krieges kam es zu einer hohen Zunahme der AIDS-Erkrankungen, erklärte Mauka. Die Ursache: Die vielen Streitkräfte, die während des Krieges in das Land kamen, hätten auch Krankheiten eingeführt, so der Bischof. Lag die HIV-Infektionsrate vor dem Krieg unter fünf Prozent, schwankt sie nun, je nach Region, zwischen fünf und acht Prozent. Die Kirche hat deshalb neun Zentren eröffnet, „wo Menschen sich untersuchen lassen können“, so Mauka.

Bitte um Hilfe

„Wir möchten als Kirche zum Wiederaufbau des Landes beitragen.“ Mauka bat um Hilfe: „Die Deutschen sind der wichtigste Partner der Kirche und unseres Landes. Wir bitten Sie, für uns zu beten, dass die Regierung gute Arbeit leistet und Gott die Arbeit der Regierung segnet."

Der Bischof hat konkrete Vorstellung, was eine mögliche Hilfe angeht: „Wir erwarten von den deutschen Partnern insbesondere Hilfe im Gesundheitssektor.“ Auch Seminare über Friedensfragen – „deshalb hat unsere Kirche eingeladen, um gemeinsam über Friedensfragen nachzudenken.“ Auch hilfreich: Ausbildung und Weiterbildung von Pfarrerinnen und Pfarrern. Nicht zuletzt, so Mauka, benötigen sie Hilfe beim Kampf gegen AIDS / HIV.

 

 

Facebook, Twitter und Google+ einschalten
Seite drucken Seite versenden

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Sonntag, 8. August 2010. Die letzte Aktualierung erfolgte am Sonntag, 8. August 2010. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

mai / 08.08.2010



© 2017, Evangelische Kirche im Rheinland - EKiR.de
Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung nur mit Genehmigung.