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Ökumenische Gäste auf der Landessynode 2006

"Protestanten sollen Säkularisation verteidigen"

Ökumenische Gäste der Landessynode 2006 aus den USA, Namibia, Indonesien, Italien, Frankreich, Belgien und den Niederlanden berichten aus ihren Kirchen.

Ökumenische Gäste mit Oberkirchenrat Wilfried Neusel (li.) LupeÖkumenische Gäste mit Oberkirchenrat Wilfried Neusel (li.)

Die United Church auf Christ (UCC) in den USA, die Christlich-Protestantische Karo-Batakkirche (GBKP), die evangelisch-lutherische Kirche in der Rebublik Namibia (ELCRN), die Evangelische Waldenser-Kirche in Italien, die Protestantische Kirche in den Niederlanden, die Vereinigte Protestantische Kirche von Belgien und die reformierte Kirche von Frankreich sind Partnerkirchen der EKiR und ihr in vielfältiger Weise verbunden. Auf einer Pressekonferenz berichteten Vertreter und Vertreterinnen von der Lage aus ihren Kirchen.
Die UCC – so Superintendentin Marja Coons-Torn von der Penn Central Conference – überdenkt zurzeit, wie verstärkt ehrenamtliche Pastorinnen und Pastoren besser ausgebildet und in Gemeinden eingesetzt werden können, die sich keine hauptamtlichen Mitarbeitenden für Verkündigung und Seelsorge leisten können.

Große Diskussionen habe auch der Beschluss der General-Synode im Sommer 2005 ausgelöst, das Recht auf Eheschließung auch für gleichgeschlechtliche Paare im staatlichen und kirchlichen Bereich einzufordern – so die Superintendentin.

Jadiaman Peranginangin, der Moderator der protestantischen Karo-Batak-Kirche aus Indonesien bedankte sich für die schnelle Hilfe aus Europa nach dem Tsunami und betonte, wie sehr diese Hilfe auch das Europa-Bild in Indonesien positiv verändert habe.

Bischof Zephania Kameeta aus Namibia stellte dar, wie seine Kirche auch auf Kondome im Kampf gegen AIDS setzt und deshalb amerikanische Hilfsgelder für ein Jugendprogramm von der Bush-Administration ablehnt, die an die Bedingung geknüpft sind, keine Kondome zu propagieren.

Pfarrer Jan-Gerd Heetderks, der Präses der Generalsynode der Protestantischen Kirche der Niederlande, berichtete von einer gemeinsamen Bibelübersetzung der protestantischen und katholischen Bibelgesellschaft. Diese Bibel wurde in den Niederlanden zum Buch des Jahres 2005 gewählt, obwohl die Heilige Schrift ursprünglich nicht für den Wettbewerb nominiert war. Kirchenpräsident Dr. Guy Liagre von der Vereinigten Protestantischen Kirche von Belgien ergänzte, dass diese neue Bibelübersetzung auch im flämischen Sprachraum in Belgien genutzt wurde.

Pfarrer Didier Crouzet, Ökumenebeauftragter der Reformierten Kirche in Frankreich, informierte, wie seine Kirche gerade das Thema Mission neu entdecke, obwohl dies der bisherigen Tradition der Protestanten in Frankreich widerspreche, öffentlich über Religion zu reden.

Professor Daniele Garrone als Vertreter der italienischen Waldenserkirche erklärte, dass seine Kirche ihr diakonisches Engagement im bisherigen Ausmaß nicht mehr durchhalten könne und drei Krankenhäuser an den Staat abgeben musste.

Professor Daniele Garrone LupeProfessor Daniele Garrone

Wie können Sie ihren Glauben in einer Gesellschaft bezeugen, in der die eigene Kirche die Minderheit ist?

In den USA befindet sich die UCC mit ihren friedensethischen Positionen und dem Eintreten für Rechte von Minderheiten selbst in einer Minderheitsposition. So verweigerten Fernsehanstalten die Ausstrahlung eines Spots, der zwei Schwule zeigte, die gemeinsam eine Kirche betraten. Superintendentin Marja Coons-Torn führte dies auf das konservative gesellschaftliche Klima zurück, dass durch fundamentalistische Gruppierungen geprägt sei.

Der Moderator der indonesischen Karo-Batak-Kirche beklagte, dass gerade fundamentalistische Missionare aus den USA die früher friedliche Koexistenz von christlicher Minderheit und islamischer Mehrheit in der indonesischen Gesellschaft bedrohen und islamische Fundamentalisten im Gegenzug eine Islamisierung der Gesellschaft fordern.

Obwohl die katholische Kirche in Italien seit 1984 nicht mehr Staatsreligion ist, versuche die katholische Bischofskonferenz, ihren Einfluss auf die Politik zu erhöhen und sich in der Gesellschaft als „Fachabteilung für allgemeine menschliche Fragen“ zu etablieren. Die kleine Waldenserkirche mit 25.000 Gemeindegliedern fordere dagegen eine pluralistische Gesellschaft, in der alle Religionen gleich behandelt werden.

Auch in Belgien ist nach Ansicht des Kirchenpräsidenten der protestantischen Kirche eine Neuordnung des Verhältnisses von Staat und Kirche notwendig, da die gegenwärtige Regelung noch auf den Verhältnissen aus dem 19. Jahrhundert beruhe, die von einer katholisch geprägten Gesellschaft ausgehe. Selbst der Frage, was von staatlichen Behörden als Religion zu verstehen sei, müsse neu geregelt werden.

In Frankreich - so Pfarrer Crouzet - sei das Problem, dass der Staat Religion im öffentlichen Leben nicht akzeptiere. Die Kirchen dagegen wollten sich einbringen und ein Partner sein beim Aufbau der Gesellschaft. Dazu müsse die reformierte Kirche selber lernen, wieder über religiöse Inhalte zu reden. Dabei verstehe sie sich als eine Stimme unter anderen.

Abschließend forderte Professor Garrone eine europäische Lösung, in der der Staat keine Religion habe, aber Religion ermögliche: „Ich habe die Hoffnung, dass alle Protestanten die Säkularisation verteidigen. Wir brauchen eine plurale Gesellschaft, ohne Privilegien für die Kirche, aber mit dem Recht auf ein freies Wort auf dem öffentlichen Marktplatz.“

 

 

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Dienstag, 10. August 2010. Die letzte Aktualierung erfolgte am Dienstag, 10. August 2010. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

Bad Neuenahr / rei / 10.08.2010



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