Bild Dossiermarke
Weitere Infos
Humorvoller Vortrag von Ingo Bredenbach zum Hauptthema

„Musik ist keine Klangtapete für unsere Gottesdienste“

Pressemitteilung Nr. 16 / 2006

Kirchenmusik – ist sie Musik "für" die Kirche, Musik "in" der Kirche, Musik "der" Kirche oder gar ein Lebensmittel? Bei der Suche nach Antworten entführte Ingo Bredenbach, Professor für Kirchenmusik in Tübingen, die Synodalen mit seinem Vortrag am Dienstag Nachmittag weit in die Zukunft. Kirchenmusik im Jahre 2099: "Mittlerweile ist es durch einfache Bedienelemente möglich, die innere Struktur von Musik interaktiv zu verändern und je nach Stimmungslage für sich individuell zu arrangieren." Seit 2055 versammeln sich die Gemeindemitglieder am Sonntag Vormittag vor den Bildschirmen. Sie können zwischen verschiedenen Predigtstilen – von evangelistisch bis meditativ-seelsorglich – wählen und werden via "simulierter Kathedralakustik" in der eigenen Wohnung durch die Klangqualität der gesendeten Kirchenmusik zum Mitsingen angeregt.

Oder kommt alles doch ganz anders? Der Kirchenmusikdirektor bot eine zweite Vision an: Im Jahr 2016 setzte sich die Erkenntnis durch, "dass Musik und Gottesdienst eine zu große Kostbarkeit darstellen, um sie den Elektronik- und Medienkonzernen zu überlassen. Gottesdienste und die in ihnen erklingende Musik von einfachen Gesängen bis hin zu komplexen Meisterwerken wurden als Pretiosen schätzen gelernt, als Orte, an denen man sich der Fremdbestimmung durch die alles Leben bis dato durchdringende Elektronikindustrie entziehen und sich wehren konnte."

Aber: "Grundsätzlich gibt es keine ‚himmlischen‘ Töne oder teuflischen‘ Rhythmen", resümierte Bredenbach. Das einzige Kriterium für die "Liturgiefähigkeit von Musik", also ihre Präsenz im gottesdienstlichen Geschehen, sei Qualität. Die Alternative heiße nicht "Bach oder Pop", sondern, ob es sich um gute oder schlechte Musik handele. Es gehe darum, "beizutragen zu aktiv hörendem Mitvollziehen und Mitleiden dessen, wovon Text und Musik sprechen, letztlich aber zu eigenem Tun anzuleiten im Befähigen zum Mündigwerden – das wären Ziele für eine ‚evangelische Stimmbildung‘, bei der Kirchenmusik als Diakonie wirken würde."

Diesen hohen Anspruch leitete der Kirchenmusikdirektor und Rektor der Hochschule für Kirchenmusik aus der Verknüpfung der Musik mit theologischen Konzepten ab. So heiße es im Gottesdienstbuch der Württembergischen Landeskirche von 2004: "Im Singen betet die Gemeinde, sie dankt und lobpreist Gott, sie klagt ihm und bittet."

Kirchenmusik als "Sprachschule des Glaubens", als "Beitrag und Hilfe zum Mündigwerden der Gemeinde, um Hör-Horizonte zu öffnen, so dass die Gemeinde mittels der Musik und der durch die Musik kommentierten und interpretierten Texte selbstbewusst und ihrer selbst bewusst" werde? Ja, so Bredenbach - obwohl zugleich gelte: "Kirchenmusik scheint zu den Selbstverständlichkeiten zu gehören in einem eher unbedachten Umgang mit ihr."

 

 

 

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Dienstag, 10. Januar 2006. Die letzte Aktualierung erfolgte am Dienstag, 10. Januar 2006. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

Bad Neuenahr / EKiR-Pressestelle /



© 2017, Evangelische Kirche im Rheinland - EKiR.de
Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung nur mit Genehmigung.