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Diskussion um gewalttätige Jugendliche und ein schärferes Strafrecht

Präses Nikolaus Schneider: „Wir brauchen Menschen statt Mauern“

Pressemitteilung 8/2008

"Das Sparen an Kindern und Jugendlichen muss beendet werden!" Mit deutlichen Worten hat sich Präses Nikolaus Schneider in der Diskussion um verwahrloste Kinder, jugendliche Intensivtäter und eine Verschärfung des Jugendstrafrechts zu Wort gemeldet. Dass derzeit spektakuläre Fälle jugendlicher Gewalt öffentlich diskutiert werden, begrüße er grundsätzlich, unterstrich der oberste Vertreter der Evangelischen Kirche im Rheinland am Mittag auf deren Landessynode in Bad Neuenahr: "Allerdings ist dieses Problemfeld zu wichtig und zu komplex, als dass holzschnittartige und oberflächliche Lösungsvorschläge wirklich hilfreich sind."

Es bedürfe keiner schärferen Gesetze, erklärte der Präses der zweitgrößten Landeskirche in Deutschland: "Gute juristische und pädagogische Instrumente stehen zur Verfügung", so Nikolaus Schneider (60), "es mangelt allerdings an Geld und Personal, um sie auch umzusetzen". Diakonische Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe böten schon jetzt Gruppen mit fester Zeitstruktur, Kontaktsperre nach außen für eine bestimmte Zeit und klar definierten Sanktionen bei Regelverstößen an. "Das Brechen der Persönlichkeit, Erniedrigungen und Missachtung gehören nicht zu einem auf dem christlichen Menschenbild gründenden pädagogischen Konzept", so Schneider in seinem Präsesbericht. Vielmehr sollten Jugendliche bei aller notwendigen Strenge und Konsequenz zugleich Zuwendung erfahren. Schneider weiter: "Pädagogische Arbeit ist Beziehungsarbeit, und die braucht Zeit, kleine Gruppen und bestens ausgebildetes Personal – und das kostet Geld. Das Sparen an Kindern und Jugendlichen muss beendet werden!"

Prävention darf seiner Ansicht nach nicht gegen Therapie ausgespielt werden, unterstrich der oberste Repräsentant von rund 2,9 Millionen Kirchenmitgliedern zwischen Emmerich und Saarbrücken: "Wir brauchen beides. Es werden augenblicklich erfolgreiche Frühfördermaßnahmen für Jugendliche als Modellprojekte durchgeführt." Diese Maßnahmen müssten dringend über den Status des Modellhaften hinausgeführt werden. "Die öffentliche Erziehung muss materiell und ideell größere Wertschätzung erfahren. Zum Umgang mit verwahrlosten Kindern und jugendlichen Intensivtätern gilt: Wir brauchen Menschen statt Mauern", appellierte Präses Nikolaus Schneider abschließend.

 

 

 

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Montag, 7. Januar 2008. Die letzte Aktualierung erfolgte am Montag, 7. Januar 2008. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

Bad Neuenahr / EKiR-Pressestelle /



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