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Landessynode 2005

Sie sind für die Truppe und gegen den Krieg

Berichte der ökumenischen Gäste der Landessynode 2005 aus den USA, Ruanda, Indonesien und Belgien

Conference Minister Stephen Camp von der Southern Conference der United Church of Christ LupeConference Minister Stephen Camp von der Southern Conference der United Church of Christ

„Wir sind gegen den Irak-Krieg“ fasste Stephen Camp, Conference Minister der Southern Conference der United Church of Christ (UCC), die friedensethische Position seiner Kirche zusammen. Gleichzeitig betonte er auf der Pressekonferenz mit ökumenischen Gästen: „Wir unterstützen unsere Truppen.“ Aus europäischer Sicht mögen diese Positionen widersprüchlich sein, in der UCC sind sie Ausdruck des sozialen und friedensethischen Engagements dieser Kirche. Es geht darum, die Soldaten, die in der Armee ihren Dienst tun, zu unterstützen und gleichzeitig für eine gerechte Politik einzutreten.

Häufig treten junge Menschen gerade aus wirtschaftlicher Not in die US-Armee ein, berichtete Camp, da ihre Familien ihnen eine College-Ausbildung nicht bezahlen können. So ist der Armeedienst oft die einzige Möglichkeit, sich Geld für eine spätere Ausbildung zu verdienen. Junge Frauen und Männer stünden daher oft vor der Alternative: Armee-Dienst oder Arbeitslosigkeit. Kinder von Congress-Abgeordenten, die den Irak-Krieg mit zu verantworten haben, sind dagegen in den unteren Rängen der Armee, beklagt die UCC-Delegation.
Die meisten amerikanischen Opfer stammen daher auch aus Bevölkerungsgruppen, die aus wirtschaftlicher Notwendigkeit sich der US-Armee angeschlossen hätten. Weil die UCC sich für Frieden und Gerechtigkeit engagiert, fordern die UCC-Vertreter sowohl ein Ende des Krieges als auch eine andere Wirtschaftspolitik, die jungen Menschen bessere Ausbildungschancen gewährt.

Camp zeigte sich dankbar für die Unterstützung der rheinischen Kirche in der Friedensfrage. Die UCC-Delegation war beeindruckt vom Recht auf Kriegsdienstverweigerung in Deutschland, das es in der USA nicht gibt, da die amerikanische Armee und Nationalgarde eine Berufs- und Freiwilligen-Armee ist. Wer einem Marsch-Befehl nicht folgt, für den ist der Gang ins Gefängnis die einzige Option. Besonders hart trifft es Mitglieder der Nationalgarde, die sich zum regelmäßigen Dienst an einigen Wochenenden pro Jahr verpflichtet haben. Bisher war die Nationalgarde hauptsächlich im Katastrophenschutz und bei Notfällen eingesetzt, nun aber erhalten fünfzigjährige Familienväter Einberufungen in den Irak und müssen dort über ein Jahr Dienst lang leisten. Weigern sie sich, droht ihnen Gefängnis. Gehen sie in den Irak, werden sie aus Familie und Beruf herausgerissen.

Die Wiederwahl Präsident Bushs - so Camp - hat die USA und gerade auch die amerikanischen Kirchen weiter gespalten. Um Fragen nach dem Krieg auszuweichen, konzentriere sich die gegenwärtige US-Administration darauf, in der Abtreibungsfrage, beim Verbot der Homo-Ehe und der Stammzellenforschung Verbündete aus dem konservativen Lager zu finden, während so die Kluft zu den Friedenskirchen, zu denen auch die UCC gehört, vergrößert wird. Die UCC ist hervorgegangen aus einer Vereinigung reformierter und kongregationalistischer Gemeinden, zu ihrem Erbe gehört auch die Tradition deutsch-reformierter Gemeinden. Die rheinische Kirche und die UCC stehen in voller Kirchengemeinschaft zueinander.

 

 

Bischof Jéred Kalimba aus Ruanda LupeBischof Jéred Kalimba aus Ruanda

Friedens- und Versöhnungsarbeit in Ruanda

Wie Friedens- und Versöhnungsarbeit nach einem Genozid aussehen kann, schilderte Bischof Jéred Kalimba von der Episkopalen Kirche in Ruanda (EER). Dieses Land im Herzen Afrikas erlangte traurige Bekanntheit wegen des 1994 verübten Völkermordes, in dem fast eine Million Menschen zu Tode kam.
Obwohl über 90 Prozent der Bevölkerung christlichen Kirchen angehören, ist die Verwurzelung im christlichen Glauben oft nur oberflächlich. Der Genozid machte daher an Kirchentüren keinen Halt. Kirchenmitglieder, Pfarrer, Bischöfe und andere Verantwortungsträgerinnen und Verantwortungsträger befinden sich unter den Angeklagten Tätern. Andere Kirchenmitglieder haben dagegen – oft unter Einsatz ihres eigenen Lebens – versucht, Menschen vor ihren Mördern zu retten. Die Kirchen in Ruanda müssen in dieser Situation die Vergangenheit aufarbeiten und Versöhnungsarbeit in der Gesellschaft, aber auch innerhalb der Kirchen leisten. Es geht darum, das Miteinander von Hutu und Tutsi durch konkrete Projekte zu fördern, um so den Versöhnungsprozess zwischen den Volksgruppen zu unterstützen.

Weitere Aufgabe der ruandischen Kirche sind Evangelisation und soziale Arbeit: „Wenn der Bauch leer ist, können die Menschen nicht hören, was wir Ihnen zu sagen haben.“ Daher gehören Evangelisation und Sozialarbeit für Bischof Kalimba untrennbar zusammen. Es geht ihm dabei ganz praktisch darum, Schulen zu bauen und die Versorgung von Witwen und Waisen sicherzustellen. Gerade angesichts der AIDS-Epidemie ist Sozialarbeit unter AIDS-Kranken wichtig. Die EER fördert dabei Vereinigungen von AIDS-Patientinnen und –Patienten, die selber landwirtschaftliche Produkte verkaufen und so zum eigenen Unterhalt beitragen: „Dies ist Hilfe zur Selbsthilfe“, sagt Bischof Kalimba.

Ruanda war von 1890 an durch den Helgoland-Sansibar-Vertrag bis Ende des Ersten Weltkrieges Bestandteil von Deutsch-Ostafrika, ehe es belgische Kolonie wurde. Die EKiR ist mit der EER über die Vereinte Evangelische Mission verbunden.

 

 

Die ökumenischen Gäste aus den USA, Ruanda, Indonesien und Belgien begleitet von der Ökumene-Abteilung der EKiR LupeDie ökumenischen Gäste aus den USA, Ruanda, Indonesien und Belgien begleitet von der Ökumene-Abteilung der EKiR

Christlich-islamischer Dialog in Indonesien

Pfarrer Petrus Sugito Salatiga kommt aus der Gereja-Kristen-Jawa-Tengah-Utara-Kirche auf Java, einer Region Indonesiens, die nicht stark von der Flutwelle betroffen. Sich für Gerechtigkeit einzusetzen, bedeutet für Pfarrer Petrus Sugito Salatiga Dialog mit der moslemischen Bevölkerungsmehrheit seines Heimatlandes Indonesien. Seien Kirche ist dabei in einer doppelten Minderheitensituation: zum einen stellen Christen nur 15 Prozent im überwiegend moslemischen Indonesien, außerdem gehört seine Kirche mit 20.000 Gemeindegliedern zu den kleineren Gemeinden in Indonesien.
Pfarrer Sugito Salatiga  selbst konvertierte vor zwanzig Jahren vom Islam zum Christentum und ließ sich taufen, seine Eltern und Geschwister sind noch Moslems. Er weiß: „In Glaubenssachen werden Christen und Moslems nicht übereinstimmen, aber sie können sich für gemeinsame Projekte im Bereich soziale Gerechtigkeit einsetzen.“ Diese gemeinsamen Aktionen werden jedoch durch Fundamentalismus auf beiden Seiten bedroht. Pfarrer Sugito Salatiga warnt außerdem davor, dass religiöse Konflikte für politische und wirtschaftliche Zwecke benutzt werden könnten.

 

Staatlich bezahlte Geistliche in Belgien

Präses Dr. Guy Liagre vertritt die Vereinigte Protestantische Kirche in Belgien, die sich vor 25 Jahren aus reformierten und lutherischen Gemeinden vereinte. Neben den drei Landessprachen Französisch, Niederländisch und Deutsch ist auch Englisch eine wichtige Sprache in dieser Kirche, da sich auch viele Ausländer zu ihr halten. Die evangelische Kirche in Belgien ist daher multi-kulturell. Die Kirche vertritt nur ein halbes Prozent der belgischen Bevölkerung, dennoch ist sie sehr aktiv im Bereich sozialer Gerechtigkeit, so unterhält sie ein soziales Zentrum mit 18 hauptamtlichen Mitarbeitenden in Brüssel. Präses Liagre wies noch auf eine Besonderheit der belgischen Kirche hin, die sie nur mit Elsass-Lothringen teilt: Obwohl die Gemeinden vom Staat unabhängig sind, werden ihre Pfarrerinnen und Pfarrer vom Staat bezahlt. Zurzeit wird jedoch innerhalb der Kirche diskutiert, ob es nicht zweckmäßiger wäre, dieses System durch ein Kirchensteuersystem zu ersetzen.

 

 

 

Bad Neuenahr / rei; EKiR.de-Fotos: Ralf Peter Reimann / 12.01.2005

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Mittwoch, 12. Januar 2005. Die letzte Aktualierung erfolgte am Donnerstag, 20. Januar 2005. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 



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