Landessynode 2008

Ein Platz im Licht, nicht in der Finsternis

Jeder Mensch hat einen Platz. Das hat Oberkirchenrat Klaus Eberl im Eröffnungsgottesdienst der Landessynode 2008 deutlich gemacht. In seiner Predigt bezog er diese Forderung auch auf die Folgen der Globalisierung - und damit das Schwerpunktthema.

Drei von vierzig Stühlen: Oberkirchenrat Klaus Eberl. LupeDrei von vierzig Stühlen: Oberkirchenrat Klaus Eberl.

Du kannst nichts, weißt nichts, bist nichts. Oder allenfalls das fünfte Rad am Wagen. Du bist unnötiger Ballast, bloßer Kostenfaktor, entlassen. Ausländer raus. Du hast hier keinen Platz. "So finster kann die Perspektive von Menschen sein." Oberkirchenrat Klaus Eberl stieg bei seiner Predigt im Eröffnungsgottesdienst der 58. Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) mit dieser Perspektive ein.

An Epiphanias, dem Fest der Erscheinung des Herrn, sagte der Theologe weiter: "Kein Platz. Das Licht der Epiphanie hat es schwer mit der Finsternis, die sie vorfindet."

 

 

Auf besagten Stühlen (v.r.): Präses Nikolaus Schneider, Vizepräses Petra Bosse-Huber und Vizepräsident Christian Drägert. LupeAuf besagten Stühlen (v.r.): Präses Nikolaus Schneider, Vizepräses Petra Bosse-Huber und Vizepräsident Christian Drägert.

Kein Platz - das Thema griff der 52-Jährige auch visuell auf. Er hatte in die Neuenahrer Martin-Luther-Kirche vierzig Stühle mitgebracht, die aus einem integrativen Projekt des Pädagogisch-Theologischen Instituts (PTI) stammen. Ein gelb-oranger Sonnenstuhl. Ein Stuhl mit Blumen verziert - nebst Sitz in Hoffnungs-Grün. Und für die Liebe ein roter Stuhl mit Herz. "Ein Stuhl kann viel bedeuten: Thron, Notsitz, Lehrstuhl, Chefsessel, Rollstuhl, Sitzung", erklärte Eberl. Und weiter: "Wie auch immer. Der Stuhl sagt: Ich gehöre dazu. Ich bin dabei - im Licht, nicht in der Finsternis."

Kein Platz - im Blick auf das Schwerpunktthema Globalisierung der Landessynode räumte der Leiter der Abteilung Erziehung und Bildung ein: "Unser Stuhl im Rheinland erscheint sicher." Doch die Menschen im Süden fragten: Wo ist unser Platz in der Welt? Schließlich habe die Globalisierung die Welt "dramatisch gespalten in Gewinner und Verlierer". 

Janusgesichtige Globalisierung

Money makes the world go round? Dagegen hielt Eberl: "Der Glaube misstraut der Eigengesetzlichkeit des Geldes. Es schafft ja nicht Licht in der Finsternis."

In Deutschland trage die Globalisierung ein Janusgesicht. Denn das Land sei Exportweltmeister, die Volkswirtschaft wachse, die Gewinne stiegen. Doch zugleich griffen Arbeitsplatzabbau und der Verlust von sozialen Sicherungen um sich.

 

 

Gäste und Synodale feiern den Eröffnungsgottesdienst. LupeGäste und Synodale feiern den Eröffnungsgottesdienst.

Papierberge und Licht

Den Mitgliedern der Landessynode, die am Abend mit der ersten Plenarsitzung ihre 58. Zusammenkunft beginnen, sagte Eberl weiter: "Angesichts von Proponenden, Organisationsuntersuchungen, Rahmenkonzepten, Drucksachen und nochmals Drucksachen könnten Böswillige vermuten: die Welt brennt - und die Kirche beschäftigt sich mit sich selbst." Deshalb sei es nötig, "zwischen den Papierbergen immer wieder nach dem Licht zu suchen, das die Finsternis vertreibt".

"Eine Frage bleibt mir noch. Wo sitzt eigentlich Gott?" Vermutlich sitze Gott zwischen allen Stühlen. "In Christus nimmt er Partei für die, die keinen Platz haben." Damit sitze er bei denen, die immer wieder die Litanei hörten: Dich brauchen wir nicht. Du kannst nichts, weißt nichts, bist nichts...

Kollekte für Sri Lanka

Die Kollekte des Eröffnungsgottesdienstes kommt der Flüchtlingsarbeit in Sri Lanka zugute. Sie wird von der Methodistischen Kirche in Sri Lanka und der Vereinten Evangelischen Mission (VEM) verantwortet. In Sri Lanka gibt es mehr als 230.000 Menschen, die vor den Kämpfen zwischen der Regierungsarmee und den Kämpfern der tamilischen Betreiungsarmee (LTTE) fliehen. Die Kollekte erbrachte 2.308,74 Euro.

 

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Sonntag, 6. Januar 2008. Die letzte Aktualierung erfolgte am Mittwoch, 9. Januar 2008. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 



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