Landessynode 2008

Schweigen ist Sünde, Handeln ist Pflicht

Als ein "verbindliches Zeichen der Weggemeinschaft an die Partnerkirchen im Süden" hat Kirchenrätin Christine Busch die Vorlage zur Globalisierung bezeichnet, die die Landessynode 2008 nach langer Vorbereitung beschlossen hat.

Ein Zeichen an die Partnerkirchen im Süden: Reverend Petrus Sugito (GKJTU) und Pastor Wilfred Diergaardt (ELCRN; v.l.) bei der Globalisierungsdebatte der Landessynode. LupeEin Zeichen an die Partnerkirchen im Süden: Reverend Petrus Sugito (GKJTU) und Pastor Wilfred Diergaardt (ELCRN; v.l.) bei der Globalisierungsdebatte der Landessynode.

Die Kirche muss sich den Herausforderungen, die die Globalisierung mit sich bringt, stellen – aus Verantwortung vor Gott und den Menschen. "Zurückweichen, Opportunismus und Ängstlichkeit allein sind für Christenmenschen keine Optionen. Schweigen ist Sünde. Handeln ist Pflicht", unterstrich die Landessynode. Zwar sei der Einfluss einzelner auf den Globalisierungsprozess gering; die Gestaltungsmöglichkeiten bewegten sich in engen Grenzen und beschränkten sich oft auf das unmittelbare eigene Umfeld: "Die Erfahrung lehrt aber, dass gemeinsames Handeln Kraft entwickelt und Gewicht verleiht und wesentlich zum gemeinsamen Erfolg beitragen kann", so die Stellungnahme unter der Überschrift "Wirtschaften für das Leben – Stellungnahme zur wirtschaftlichen Globalisierung und ihren Herausforderungen für die Kirchen", die sich detailliert mit der weltweiten Globalisierung auseinandersetzt.

Klarer Aktionsplan

Nach neunjähriger Beschäftigung mit den Herausforderungen der Globalisierung hat die Evangelische Kirche im Rheinland die verschiedenen Aspekte nun in der 116-seitigen Stellungnahme zusammengefasst. "Es geht um "eine theologische und ethische Positionierung, einen klaren Aktionsplan und eine verbindliche Bearbeitung", heißt es in dem Papier.

 

 

Es galt, viel Papier zu bewältigen: Kirchenrätin Christine Busch vor der Landessynode. LupeEs galt, viel Papier zu bewältigen: Kirchenrätin Christine Busch vor der Landessynode.

Praxisbeispiele aus allen Kirchenkreisen

Neben einer Bestandsaufnahme der Debatte finden sich deshalb viele Praxisbeispiele aus allen Kirchenkreisen. Außerdem werden für neun Arbeitsfelder Zielvorstellungen und offene Fragen definiert, die einen ethischen Rahmen und konkrete Maßnahmen für das kirchenleitende Handeln vorschlagen. Die Arbeitsfelder sind: Arbeit, ethisches Investment, Frieden, Entwicklung und Sicherheit, Klimawandel, Konsum, Landwirtschaft, Migration, Gesundheit und Bildung.

Alternative und Mitgestaltung

Die Stellungnahme zeichnet im Wesentlichen zwei theologische-ethische Positionen nach. Das "Plädoyer für Alternativen zur globalen Wirtschaftsordnung" stellt eher radikal in Frage, ob die bisherige wirtschaftliche Ordnung wirklich dem Leben dienen könne. Dem gegenüber steht das sich vor allem auf  die nördlichen Kirchen bezogene "Plädoyer für eine Mitgestaltung der globalen Wirtschaftsordnung", welches nach Gestaltungsspielräumen sucht. Der zuständige Oberkirchenrat Wilfried Neusel dazu: "Es gibt Gestaltungsspielräume in einem System, das nicht grundsätzlich faul ist", so Neusel. "Die, die wir haben, müssen wir nach den Codices der Menschenrechte besser ausschöpfen." Dabei sei wichtig: "Der radikal-prophetische Strom in unserer Kirche darf nicht diskriminiert werden", so Neusel weiter. In einer Volkskirche sei er wie "ein Stachel im Fleisch". Wichtig dabei: Beide Positionen "werden in der Evangelischen Kirche im Rheinland vertreten und miteinander ins Gespräch gebracht", so die Vorlage.

 

 

Taten müssen folgen

Was ist das Ziel der Debatte? "Die Arbeit ist nicht damit getan, ein Papier zu verabschieden. Es müssen Taten folgen. Die Evangelische Kirche im Rheinland ist verpflichtet, Rechenschaft darüber abzulegen, was sie zur Veränderung und Verbesserung der gegenwärtigen Verhältnisse tun kann und entsprechend zu handeln", heißt es in der Stellungnahme. Vorgeschlagen wird eine "Projektgruppe Globalisierung", deren Aufgabe darin besteht, das Projekt "Globalisierung" der rheinischen Kirche inhaltlich und organisatorisch zu gestalten und zu steuern. Die Kirchenleitung soll der Landessynode jährlich einen von der Projektgruppe erarbeiteten Fortschritts- und Rechenschaftsbericht vorlegen.

Verbindliches Zeichen der Weggemeinschaft

Den Gemeinden soll die Stellungnahme als Grundlage für ihre weitere Arbeit dienen – doch nicht nur das: "Indem wir uns heute die vorliegende Stellungnahme zu Eigen machen, geben wir unseren Partnerkirchen im Süden ein verbindliches Zeichen der Weggemeinschaft trotz und in unserer jeweils sehr verschiedenen Situation. Gleichzeitig setzen wir für uns einen verpflichtenden Doppelpunkt, an diesem zentralen Thema strukturiert, organisiert und planvoll weiter zu arbeiten", kommentierte als Berichterstatterin in der Synode Kirchenrätin Christine Busch von der Ökumeneabteilung der rheinischen Kirche.

 

 

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Freitag, 11. Januar 2008. Die letzte Aktualierung erfolgte am Freitag, 18. Januar 2008. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 



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