Bild Dossiermarke
Weitere Infos
Landessynode 2006

Kirchenmusik: weder Berieselungsmaschine noch Klangtapete

Kirchenmusik ist ein Lebensmittel. Was er damit meint, erklärte Professor Dr. Ingo Bredenbach von der Hochschule für Kirchenmusik in Tübingen der Landessynode 2006 in seinem Vortrag zum Hauptthema Kirchenmusik.

Prof. Ingo Bredenbach. LupeProf. Ingo Bredenbach.

Erst einmal beamte Bredenbach die Synodalen fast hundert Jahre in die Zukunft. 2099. Sonntagsmorgens sitzen die Menschen vor Bildschirmen. Das Schöne: Die Gottesdienst-User können die Kirchenmusik beliebig interaktiv verändern. So, wie sie bei der Predigt zwischen den Typen evangelistisch, bildungsbürgerlich und meditativ-seelsorglich wählen können, so können sie beim Musikprogramm auf altehrwürdige Choräle klicken oder auf „Alte Geistliche Lieder (die einmal im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts NGL, Neue Geistliche Lieder hießen)“. Schön auch Bredenbachs Phantasie von „Nostalgiegottesdiensten, entweder neu inszeniert oder in Video-Kopie vom Beginn dieses Jahrhunderts“.

 

Popmusik in der Kirche: beim Eröffnungsgottesdienst zur Landessynode 2006 in der Neuenahrer Martin-Luther-Kirche. LupePopmusik in der Kirche: beim Eröffnungsgottesdienst zur Landessynode 2006 in der Neuenahrer Martin-Luther-Kirche.

Ist das alles Non-Sense, fragt Bredenbach. Wird es im Jahr 2099 vielmehr ein blühendes gottesdienstliches und kirchenmusikalisches Leben geben? Wird dann – nach jahrelanger musikalischer Dauerberieselung in Kaufhäusern, Arztpraxen und Telefonanlagen – eine Gegenbewegung eingesetzt haben, die Musik wieder als große Kostbarkeit würdigt? Wird Musik in der Kirche dann schon längst wieder eine „gute Gottesgabe“ sein?

Soweit die Zukunftsphantasien. Kirchenmusik sei Mittel zum Leben, Lebensmittel, sagte Bredenbach. Allerdings auch mit einem bereits abgelaufenen „Haltbarkeitsdatum“? Kirchenmusik sei in auf dreierlei Weise definierbar: als „Musik für die Kirche“, also ihrer Funktion nach. Außerdem als „Musik in der Kirche“, also dem Ort ihres Erklingens nach. Oder als „Musik der Kirche“, das würde die Kirchenmusik als „Machtrepräsentanz von Kirche“, auch ihrer Leistungsfähigkeit nach, beschreiben, so Bredenbach. Gottesdienst und Gemeinde seien die wichtigsten Bezugspunkte für die Kirchenmusik.

Kirchenmusik dürfe weder „religiöser Andachtsgenerator“ noch „Geschmacksverstärker“ sein, gab Bredenbach den Synodalen noch mit auf den Weg, weder „Konsumgut“, noch „Berieselungsmaschine“ noch „Klangtapete für die Gottesdienste“. Sie müsse sich gegen Belanglosigkeit und Austauschbarkeit wappnen. Außerdem dürfe sie sich „nie als Mittel zur Bekehrung, als Mittel zur Verführung oder Ekstase verstehen“. Denn: „Besinnungslosigkeit ist kein Mittel zum Leben.“

„Die Alternative heißt nicht Bach oder Pop"

Weiter erklärte der Kirchenmusiker, die Kirchenmusik „kann Verkündigung sein, einen Auftrag hierzu hat sie nicht“. Faktisch ist sie es oft. Bredenbach: „Bereits die allwöchentliche Chorprobe erweist sich als Ort der Verkündigung.“ Die Probe sei der Ort, an dem biblisches Wissen und theologische Erkenntnisse Raum bekommen.

Er rief dazu auf, die verschiedenen Stile zu tolerieren. „Die Alternative heißt nicht ,Bach oder Pop’, sondern ob es sich um gute oder schlechte Musik handelt.“ Angesichts des heutigen Zuviels an akustischen Reizen wäre letztlich eher zu fragen, ob die Musik in der Kirche nicht sogar die Stille als Privileg und Aufgabe im Gottesdienst wiederentdecken müsse.

 

 

neu /

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Dienstag, 10. Januar 2006. Die letzte Aktualierung erfolgte am Dienstag, 10. Januar 2006. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 



© 2017, Evangelische Kirche im Rheinland - EKiR.de
Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung nur mit Genehmigung.