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Landessynode: Kirchenordnung

Die Verfassung erneuert

Betonung des Ehrenamts, Gleichberechtigung der Frauen, Halbierung der Presbyteriumsamtszeit: Kirchenordnung und Presbyterwahlgesetz sind überarbeitet

Die Evangelische Kirche im Rheinland (EKiR) bekommt eine neue Kirchenordnung. Die Landessynode beschloss das Reformwerk, das die gut fünfzig Jahre alte Vorgängerin ablöst. Die zentralen Punkte: Das Ehrenamt wird dem Hauptamt gleichwertig zur Seite gestellt. Beide Formen gelten nun gleichrangiger gemeinsamer Dienst in der Kirche. Und: Die unterschiedlichen Dienste der Funktionspfarrstellen, etwa im Krankenhaus, in der Telefonseelsorge, in den Schulen und in vielen anderen Arbeitsfeldern, gelten als gleichrangig mit dem pfarramtlichen Dienst in den Ortsgemeinden. Dritter Akzent: Die rechtlichen Grundlagen zur Schaffung sogenannter Personalgemeinden wurden eingefügt. Dadurch können künftig Gemeinden in bestimmten Aufgabenbereichen gebildet werden. Das war bisher nur in der Krankenhaus- und in der Militärseelsorge möglich.

Auch wurde dem Passus zugestimmt: „Frauen und Männer haben entsprechend ihren Begabungen und Fähigkeiten gleichberechtigt Zugang zu Ämtern, Diensten und weiteren Aufgaben". Mit diesem Passus, der in den Kirchenordnungen anderer Landeskirchen nicht enthalten ist, betont die rheinische Kirche eines ihrer besonderen Profile.

Die Kirchenordungsreform, an der über einen längeren Zeitraum intensiv gearbeitet worden ist, brachte eine Verschlankung und Vereinfachung. Von 220 Artikeln der Kirchenordnung blieben 170 Artikeln. Aus 82 Druckseiten wurden 60 Seiten.

Wichtige Änderungen gibt es auch für Presbyterinnen und Presbyter – sie bilden das Leitungsorgan der Gemeinde, das Presbyterium. So wird aus der bisherigen Kirchenordnung der Passus gestrichen, nach dem in das Presbyteramt nur gewählt werden kann, wer sich als „treues Mitglied bewährt" hat. Die Bereitschaft, das Amt zu übernehmen, soll dagegen als Chance betrachtet werden, Gemeindemitglieder einzubinden. Sie müssen allerdings zur Leitung und zum Aufbau einer Kirchengemeinde geeignet sein.

Weitere grundsätzliche Veränderungen der Kirchenordnung, die allerdings noch nicht von der diesjährigen Landessynode zu entscheiden sind, sollen folgen. So wird diskutiert, ob eine Superintendentin bzw. ein Superintendent ihre Ämter (Leitung eines Kirchenkreises) auch hauptamtlich ausüben können. Auch die Größe der Synoden und Ausschüsse stehen zu Debatte. Sie sollen verkleinert werden. „Wir müssen schonender mit unseren finanziellen Ressourcen und der menschlichen Arbeitskraft umgehen", hatte dazu Präses Kock schon in seinem Präsesbericht gesagt – unter dem Beifall der Synodalen.

Schließlich verabschiedete die Landessynode eine Änderung im Presbyterwahlgesetz: Die Amtszeit der Presbyterinnen und Presbyter soll in Zukunft nicht mehr acht Jahre, sondern vier Jahre betragen. Die Amtszeit der bisherigen Presbyterinnen und Presbyter bleibt aber unverändert. Wählen darf man als Kirchenmitglied in der rheinischen Kirche, wenn man am Wahltag mindestens 16 Jahre alt oder konfirmiert ist.Die nächsten Presbyteriumswahlen in der rheinischen Kirche finden 2004 statt. Die neuen Regelungen können dann bereits Anwendung finden.

Die "ehrenamtliche Landschaft verändert sich rasant", erklärte Vizepräses Petra Bosse-Huber zur Halbierung der Amtszeit der Presbyterien. Die Zahl der Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren möchte, schrumpfe nicht, wohl aber ihre Zeit. Ehrenamtliche wollten heutzutage mit ihrer Zeit besser haushalten. Insbesondere Berufstätige wollten sich nur noch selten für acht Jahre festlegen, so Bosse-Huber in der Abschlusspressekonferenz.

 

 

 

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Samstag, 11. Januar 2003. Die letzte Aktualierung erfolgte am Samstag, 11. Januar 2003. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 



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