Weitere Infos
Nach zwanzig Jahren

Sonderdienst : Rheinisches Erfolgsmodell steht vor dem Aus

Pressemitteilung Nr. 100 / 2006

Ein „rheinisches Modell“ steht nach erfolgreichen Jahren vor dem Ende: Um Theologinnen und Theologen mit abgeschlossenem Probedienst (früher „Hilfsprediger-Dienst“) die Möglichkeit einer befristeten Beschäftigung zu geben, hatte die Evangelische Kirche im Rheinland 1985 den so genannten Sonderdienst eingerichtet. Die Zahl der ausgebildeten Theologinnen und Theologen lag höher als die Zahl der frei werdenden Pfarrstellen – von „Pfarrerschwemme“ war die Rede. Der Sonderdienst wurde zum Erfolgsmodell. Im Gegensatz zu anderen Landeskirchen, in denen Vikarinnen und Vikare ohne Pfarrstellen blieben und sich anderweitige Jobs suchen mussten, wurden in der rheinischen Kirche neue Arbeitsfelder mit „Sonderdienstlern“ im Dienstverhältnis besetzt. Ob in der Ausländer- und Aussiedlerarbeit, in der Notfallseelsorge, der Schulseelsorge und in der Öffentlichkeitsarbeit, um nur einige Beispiele zu nennen – überall konnten Aufgaben übernommen werden, die außerhalb des gewohnten pastoralen Dienstes lagen.

Der Sonderdienst, finanziert aus einem landeskirchlichen Fonds, dauerte fünf Jahre und konnte um weitere fünf Jahre verlängert werden. Für viele Stelleninhaberinnen und -inhaber war er ein Sprungbrett in den Pfarrdienst: Fast zwanzig Jahre lang wurden ca. 75 Prozent eines jeden Jahrgangs aus dem Sonderdienst in Pfarrstellen gewählt. Von 1985 bis heute waren bzw. sind 796 Menschen im Sonderdienst beschäftigt. Davon wechselten 491 in Pfarrstellen, 191 schieden aus, 164 sind noch heute im Sonderdienst. Seit 2004 hat sich das Zahlenverhältnis von gewählten und entlassenen Pastorinnen und Pastoren im Sonderdienst jedoch aufgrund der problematischen Stellensituation (im Jahr 2004: 55 Ausschreibungen, im Jahr 2005: 43 Ausschreibungen) umgekehrt. Von denjenigen, die ab Oktober 2005 bis 2010 ihren fünfjährigen Sonderdienst beenden, werden voraussichtlich nur 25 Prozent in den Pfarrdienst übernommen werden können. Das einstige Erfolgsmodell ist „zu einer Sackgasse geworden“, heißt es dazu kurz und bündig in der Vorlage der Kirchenleitung an die Landessynode. Das Sonderdienst müsse beendet werden, um den Betroffenen eine rasche berufliche Neuorientierung zu ermöglichen. Ein entsprechender Beschluss steht morgen auf der Tagesordnung.

Doch nicht nur das: Aus dem Sonderdienst ausscheidenden Personen wird eine „Perspektivberatung“ angeboten, die sechs Monate umfasst. Hauptaufgabe soll es sein, je nach den individuellen Kompetenzen geeignete berufliche Einsatzfelder zu finden. Ein entsprechendes Pilotprojekt der Beratungs- und Qualifizierungsmaß-nahmen ist bereits angelaufen. Daran nehmen fünf Personen aus dem Sonderdienst und fünf Personen aus dem Probedienst teil, der verkürzt werden soll.

Der Probedienst schließt sich an die Ausbildung von Theologinnen und Theologen nach Vikariat und Zweitem Examen an. Der dreijährige Probedienst sei zu lang, hätten die Erfahrungen gezeigt, so die Begründung in der Vorlage. Gleichzeitig sei er für Aufgaben mit dauerhaften Wirkungen zu kurz. Deshalb sollen ab Oktober 2006 Pfarrerinnen und Pfarrer zur Anstellung zwei Jahre ihren Dienst tun. Auch darüber wird die Synode morgen entscheiden.

 

 

 

Bad Neuenahr / EKiR-Pressestelle / 09.06.2006

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Freitag, 9. Juni 2006. Die letzte Aktualierung erfolgte am Freitag, 9. Juni 2006. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 



© 2017, Evangelische Kirche im Rheinland - EKiR.de
Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung nur mit Genehmigung.