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Landessynode 2002

Grusswort

Grußwort zur 51. ordentlichen Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland am 9. Januar 2002 Generalsekretär Reverend Mauka Mathe Bulalo Baptistische Kirche in Zentralafrika (CBCA).

Liebe Schwestern und Brüder in unserem Herrn Jesus Christus!

Im Namen der Vereinigung der Baptisten in Zentralafrika, der CBCA, und in meinem eigenen Namen übermittle ich Ihnen die herzlichen Grüße in der Gemeinschaft unseres Herrn Jesus Christus.

Meine Kirche hat mich mit einer besonderen Mission, mit der Überbringung einer Botschaft beauftragt, um Ihnen, der Synode der Evangelischen Kirche im Rheinland, ein Dankeschön zu sagen, dass Sie meine Kirche eingeladen haben, an dieser Synode teilzunehmen. Um Ihnen eine Vorstellung von unserer Kirche zu geben, ist es wichtig, dass ich Ihnen sage, dass unsere Kirche auf amerikanische Missionare zurückgeht.

Und zwar begann das im Jahre 1927. Als mein Vaterland, der Kongo im Jahre 1960 seine Unabhängigkeit erlangte, verließen diese Missionare unser Land aufgrund der Wirren, die mit der Unabhängigkeit zusammenhingen. Meine Kirche umfasst heute 15 Kirchendistrikte mit vielen Kirchengemeinden. Wir haben mehr als 300.000 Mitglieder, die Kinder sind darin eingeschlossen. Die Kirche unterhält 317 Schulen, Volksschulen und Realschulen, 4 medizinische Schulen, 120 Fortbildungsmöglichkeiten für Medizin und 80 Zentren, wo Frauen ausgebildet werden. Leider ist es so, dass alle diese Einrichtungen große Schwierigkeiten bei ihrer Arbeit haben. Das hängt mit der sehr schwierigen Situation durch den Bürgerkrieg in unserem Lande zusammen.

Während der ersten Jahre der Unabhängigkeit hat unsere Kirche schwere Krisen durchgemacht, die mit den politischen Zuständen in der sogenannten Epoche der „Rebellion von 1964“ verbunden waren. Am Ende dieser sogenannten Rebellion von 1964 kam es zu dem längsten diktatorischen Regime auf dem afrikanischen Kontinent, das sich nach und nach in ein ganz brutales, totalitäres System umwandelte. Das Volk hatte seine Hoffnung auf die Bewegung von Kabila gegründet, aber die Situation hat sich noch sehr viel mehr verschlechtert. Seine Verbündeten haben schließlich einen zweiten Bürgerkrieg angefangen, seit dem 2.8.1998, der inzwischen mehr als 2 Millionen Opfer gefordert hat, und zwar direkt als Kriegsopfer oder als Opfer, die auf die Konsequenzen des Krieges zurückgehen. Dieser Krieg hat außerdem dazu geführt, dass es mehr als eine Million Flüchtlinge gibt, vor allen Dingen in den Provinzen Nordkivu und Südkivu. Diese Flüchtlinge sind in die großen Städte gezogen, weil sie dort ein wenig Sicherheit haben. Das gilt besonders für die Situation der Familien, die schon durch den Krieg arm geworden sind. Andere sind in ihrem ländlichen Bereich geblieben und wandern dort hin und her, weil sie beständigen Repressalien von Militär und Miliz ausgesetzt sind. Die meisten von ihnen verbringen die Nächte draußen im Busch mit all den Konsequenzen, die das hat, welche die Natur hervorruft. Diejenigen, die in den Dörfern zurückbleiben, sind in den Nächten schutzlos Plünderungen ausgeliefert.

Unsere Kirche arbeitet in jenen Teilen, die unter der Kontrolle der Rebellen sind. Wir leben beständig unter Schock- und Angstzuständen, die durch die Verbrechen hervorgerufen werden, welche der Krieg mit sich bringt: Es werden Hinterhalte gelegt, Reisende überfallen und ausgeraubt, Dörfer in der Nacht geplündert, die Sanitätsstationen geplündert, Frauen und junge Mädchen vergewaltigt, Dörfer abgebrannt. Daneben werden die der Bergwerke ausgebeutet, wo Erz und Diamanten gewonnen werden, die Wälder abgeholzt, und vor allen Dingen wird Aids durch die Soldaten verbreitet, es hat schon ungefähr 9% der Bevölkerung erfasst. Vielfältige Steuern werden erhoben und die Gehälter seit mehr als 3 1/2 Jahren nicht ausgezahlt, dazu kommen willkürliche Festnahmen. Besonders bedrohlich ist die absolute Unterernährung von Kindern und Heranwachsenden. Alle diese Untaten werden durch Agenten vertuscht, die vor Ort sind. So ergibt es sich, dass in der internationalen öffentlichen Meinung der Eindruck entstanden ist, dass im Kongo der Krieg sein Ende gefunden hat. In der Zwischenzeit jedoch ist das Volk gezwungen, sich mit den bitteren Früchten dieses Krieges auseinander zu setzen. Die Untaten dieses Krieges sind ganz besonders gravierend im Osten der Republik Kongo. Wir durchleben eine Situation von Gefangenen, die es nötig haben, dass sich jemand um ihre Befreiung kümmert, sich für ihre Befreiung einsetzt.

Und von daher ist das kongolesische Volk ganz besonders darauf angewiesen , dass Sie Ihre Stimme als Kirche erheben, um für die Sache seiner Befreiung einzutreten. Die Befreiung aus einem Krieg, den wir für absurd halten bis zum heutigen Tag und der es auch wirklich in den Augen der gesamten Bevölkerung ist. Aus diesem Grunde setzt sich die Kirche des Kongo ohne Vorbehalte für jedes Projekt ein, das sich der Schaffung von Frieden in der Republik Kongo widmet. Und vor allen Dingen, dass ein innerkongulesischer Dialog in Gang kommt, trotz all der Intrigen der Signatarstaaten des Vertrages von Lusaka, des Friedensabkommens für die Republik Kongo. Es ist so, dass die Kirche noch die einzige arbeitsfähige Institution im Kongo geblieben ist, und ganz besonders im Osten des Landes, die über einen moralischen Kredit verfügt, der vom gesamten Volk akzeptiert wird.

Ich möchte Sie um drei Dinge bitten.
Das Volk hat ganz besonders Ihre geistliche Unterstützung dafür nötig, dass Gott, der Herr, die Herzen derjenigen verändert, die den Krieg führen, damit sie vom Geist des Friedens erfüllt werden.
Dazu verweise ich auf Matthäus 5, Vers 9.

Zweitens seien Sie bitte unser Anwalt bei der Europäischen Union, damit sie ihren Einfluss bei jenen geltend macht, die in unserem Lande Krieg führen, nun endlich den Krieg zu beenden, so dass es zu Investitionen in unserem Lande kommt, die dem Volk nutzen.

Das dritte, worum ich Sie im Namen meiner Kirche bitten möchte, ist die weitere materielle Unterstützung des leidenden Volkes. Denn es ist so, dass dieses Volk sich nicht selber helfen kann. Und ich möchte sehr darum bitten, dass das deutsche Volk weiterhin die Welthungerhilfe unterstützt, damit denen , die vertrieben worden sind, ganz besonders im Osten unseres Landes, geholfen werden kann.

Ich wünsche Ihnen, dass Gott, der Herr, die Arbeiten dieser Synode leiten möge.

Ich danke Ihnen.

 

 

 

10.01.2002

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Donnerstag, 10. Januar 2002. Die letzte Aktualierung erfolgte am Mittwoch, 11. August 2010. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 



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