Landessynode 2009: Präsesbericht

Präses pocht auf Neuanfang im Nahen Osten

Dem Hass und dem Morden die religiöse Legitimation zu entziehen, könnte der entscheidende Impuls für einen Neuanfang im Nahen Osten sein. Das hat Präses Nikolaus Schneider in seinem Bericht an die Landessynode 2009 gesagt.

Beunruhigende Gewalt im Nahen Osten: Präses Nikolaus Schneider nahm in seinem Präsesbericht Stellung zu Gaza wie auch zu weiteren für die Kirche bedeutsamen Ereignissen. LupeBeunruhigende Gewalt im Nahen Osten: Präses Nikolaus Schneider nahm in seinem Präsesbericht Stellung zu Gaza wie auch zu weiteren für die Kirche bedeutsamen Ereignissen.

 

Auch eine der Außenmauern des Al-Ahli-Krankenhauses in Gaza-Stadt wurde beschädigt: Das Hospital wird unter anderem von der Diakonie Katastrophenhilfe unterstützt. Foto: ACT International LupeAuch eine der Außenmauern des Al-Ahli-Krankenhauses in Gaza-Stadt wurde beschädigt: Das Hospital wird unter anderem von der Diakonie Katastrophenhilfe unterstützt. Foto: ACT International

Dementsprechend hofft der Präses auf eine Begegnung der religiösen Autoritäten beider Seiten. Eine solche Initiative sei durchaus möglich, beruft sich der Präses auf den früheren Kölner Rabbiner Natanel Teitelbaum. "Schluss mit Schießen", verlangte der Präses angesichts der auch an diesem Montag andauernden kriegerischen Auseinandersetzungen. "Hier ist wirklich ein Stopp zu fordern", sagte der Präses und sprach von Gewaltexzessen. 

Die Hamas, die die Vernichtung Israels zum Ziel habe, habe Israel durch die andauernden Raketenangriffe zu Militärschlägen verleitet, mit der Folge der humanitären Katastrophe für die Menschen im Gaza-Streifen. "Ich empfinde diese Situation als tragisch: Weder Sicherheit noch Frieden wird Israel auf diese Weise erreichen." Gleichzeitig sei nicht von der Hand zu weisen, dass sich die Hamas in ihrem menschenverachtenden Tun bestätigt und zum Weitermachen ermutigt sehe, wenn Israel Ruhe hielte.

Ein Neuanfang erfordert ein Ende der "permanenten Rechtsverletzungen und Demütigungen" gegenüber Palästinenserinnen und Palästinensern durch Israel. Die Hamas müsse das Existenzrecht Israels anerkennen. Und die Staatengemeinschaft müsse Israels Sicherheit gewährleisten sowie Palästinas wirtschaftliche und soziale Entwicklung "energisch fördern", so Präses Nikolaus Schneider weiter in seinem "Bericht über die für die Kirche bedeutsamen Ereignisse".

 

 

Beratungen im Schwangerschaftskonflikt bietet auch die evangelische Kirche an. LupeBeratungen im Schwangerschaftskonflikt bietet auch die evangelische Kirche an.

"Behindertes Leben gehört mitten in unsere Gesellschaft", mit diesen Worten begrüßt Präses Schneider die Bundestagsinitiative zur Eindämmung von Spätabtreibungen. Der Präses lobte das Angebot von ärztlicher und psychosozialer Beratung und die Befristung einer Spätabtreibung auf frühestens drei Tage nach der Diagnose.

Dass Menschen mit Behinderungen eine unverfügbare Würde als Geschöpfe Gottes haben, darüber bestehe weitgehend Einigkeit. "Für behinderte Menschen im Mutterleib scheint dieser Konsens aber nicht mehr tragfähig zu sein, seit die pränatale Diagnostik das Erkennen wahrscheinlicher Behinderungen ermöglicht", erläuterte der Präses. Zu beklagen sei fast schon eine "Automatik" zwischen Diagnose und Spätabtreibung.

"Die von einer solchen Diagnose geschockten Mütter und Väter will ich nicht moralisch unter Druck setzen und verurteilen." Sich in solcher Lage reflektiert und nach ethischen Standards abgewogen zu entscheiden, lasse sich durch Nichtbetroffene kaum einfordern. Nötig seien Änderungen in Gesetz und Praxis, zumal Ärztinnen und Ärzte zu Schadenersatz an Eltern behinderter Kinder verurteilt wurden. "Behindertes Leben wird dadurch als ein in Cent und Euro bezifferbarer Schaden definiert - eine solche Betrachtungsweise ist in meinen Augen skandalös."

 

Bedrückende Kinderarmut

Weiter befasste sich der Präses in seinem Jahresbericht mit der Finanz- und Wirtschaftskrise. "Es ist vielen Menschen nur schwer vermittelbar, dass zur Stützung der Banken beinahe ,über Nacht' Milliarden aufgebracht werden, dass aber soziale Initiativen ermüdend lange - und zu oft vergeblich - um finanzielle Zuweisungen kämpfen müssen." 

Ihn bedrücke die zunehmende Kinderarmut, sagte der Präses weiter in seinem ausführlichen Bericht. Das Thema steht auch auf der Tagesordnung der Landessynode 2009. Der Präses kritisierte Regelungen für Hartz-IV-Empfänger. Besonders diejenigen für Familien müssten nachgebessert werden. Die Bundesregierung habe das Existenzminimum für Kinder auf 501 Euro festgelegt, zahle aber bei Hartz IV nur 234 Euro aus. Weiter erklärte Schneider: "Ich halte es auch für einen Skandal, dass die Kindergelerhöhung bei Hartz-IV-Empfangenden als ,Einkommen' wieder abezogen wird."

Schneider widmete sich Schul- und Bildungsfragen, der Bewahrung der Schöpfung sowie dem "Dialog mit Andersgläubigen". Im Blick auf den Islam mahnte der Präses religiös geprägte Staaten wie die Türkei, Indonesien und Saudi-Arabien, "unseren christlichen Geschwistern die Religionsfreiheit zu zu gestehen, die sie selbst in Anspruch nehmen". 

 

ekir.de/neu / 12.01.2009

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Sonntag, 11. Januar 2009. Die letzte Aktualierung erfolgte am Montag, 12. Januar 2009. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.