Einstieg
Landessynode 2010

Im Wortlaut: Predigt im Eröffnungsgottesdienst

Es gilt das gesprochene Wort.

Predigt von Oberkirchenrätin Barbara Rudolph im Gottesdienst zur Eröffnung der 60. ordentlichen Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland am Sonntag, 10. Januar 2010, 16 Uhr, in Bad Neuenahr, Predigttext: Römer 11,33+36 und 12,1-8.

Kapitel 11
O, welch eine Tiefe des Reichtums, beides der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen.

Kapitel 12
Ich ermahne euch nun, liebe Brüder und Schwestern, durch die Barmherzigkeit Gottes, das ihr eure Leiber hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst. Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene. Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben ist, jedem unter euch, dass niemand mehr von sich halte, als sich’s gebührt zu halten, sondern dass er maßvoll von sich halte, ein jeder, wie Gott das Maß des Glaubens ausgeteilt hat. Denn wie wir an einem Leib viele Glieder haben, aber nicht alle Glieder dieselbe Aufgabe haben, so sind wir viele ein Leib in Christus, aber untereinander ist einer des anderen Glied, und haben verschiedene Gaben nach der Gnade, die uns gegeben ist. Ist jemand prophetische Rede gegeben, so übe er sie dem Glauben gemäß. Ist jemand ein Amt gegeben, so diene er. Ist jemand Lehre gegeben, so lehre er. Ist jemand Ermahnung gegeben, so ermahne er. Gibt jemand, so gebe er mit lauterem Sinn. Steht jemand der Gemeinde vor, so sei er sorgfältig. Übt jemand Barmherzigkeit, so tue er’s gern.

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Gemeinde,
Ein steiler Umschwung im Brief des Paulus an die Römer. Ein neues Kapitel wird aufgeschlagen. Eine Überschrift über einen neuen Abschnitt. Wohl passend für ein neues Jahr, ein neues Jahrzehnt und für eine rheinische Landessynode zu Beginn dieses Jahres. Noch klingen die letzten Verse des vorangehenden Kapitels nach, das große Loblied auf die Barmherzigkeit Gottes. Sie sind wunderschön:

„O welch eine Tiefe des Reichtums, beides der Weisheit und der Erkenntnis Gottes. Von ihm, durch ihn, zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen!“

Amen - ja, so sei es! Jetzt könnte Schluss sein. Der Jubelruf klingt nach, wie das Lied der Engel auf den Feldern von Weihnachten noch nachklingt. Gerade eben so wie in dem Weihnachtslied besungen: „und weil ich nun nichts weiter kann, bleib ich anbetend stehen.“

Vielleicht ist es auch gut so, zunächst innezuhalten und anbetend stehen zu bleiben. Und zu staunen! Zu staunen, was dieser Römerbrief bewegt hat, wie er die Generationen vor uns ins Staunen geführt und unsere Kirche verändert hat. Und seine Spuren in unserem, in meinem Glauben tief eingeprägt hat. Zweimal hat die Auslegung des Römerbriefes die Kirche regelrecht erschüttert und unsere Welt verändert: Vor fast fünf Jahrhunderten war es die Auslegung dieses Römerbriefes, die Martin Luther zum Durchbruch seiner reformatorischen Erkenntnis von der Rechtfertigung allein aus Gnaden geführt hat. Wie viel hat sich im Glauben der Christinnen und Christen dadurch verändert, wie hat es mein eigenes Leben geprägt, dass Luther uns den gnädigen Gott wieder entdeckt hat – wie hat der Römerbrief seine Spuren im Leben der Kirchen, nicht nur in den reformatorischen Kirchen, hinterlassen. Und 400 Jahre später, vor fast einem Jahrhundert hat Karl Barth mit der Auslegung des Römerbriefes seine dialektische Theologie von Gott, dem ganz Anderem, eingeführt. Diese Theologie hat der Bekennenden Kirche in der Zeit des Nationalsozialismus die Kraft gegeben, sich - wie es der Römerbrief schreibt - nicht dieser Welt gleich zustellen, sondern genau zu prüfen, was Gottes Wille ist.

Der Römerbrief hat den Protestantismus zutiefst geprägt und beeinflusst. Es ist noch längst nicht so, dass wir sagen könnten, wir hätten‚s begriffen. Was für eine Tiefe des Reichtums! – sagt Paulus. Und Paul Gerhardt: Und weil ich nun nicht weiter kann, bleib ich anbetend stehen. Aber da fährt Paulus in die anbetende und andächtige Stille hinein: Ich ermahne Euch, liebe Schwestern und Brüder. Und Schlag auf Schlag bringt er Stichworte für das Handeln und Tun des Menschen, die es in sich haben: die Leiber als lebendige Opfer, der vernünftige Gottesdienst, keine Gleichschaltung mit der Welt, das Prüfen des Willens Gottes. Von der Anbetung Gottes zum Handeln der Menschen, von der Weihnachtsstimmung in den Neujahrsaufbruch. Fast spüre ich, wie es in die Arbeit ruft, Terminkalender gezückt, Reformen diskutiert, Weltveränderung im Großen und Kleinen in Angriff genommen werden.

Aber da fährt Paulus wieder dazwischen: Ich ermahne Euch, Schwestern und Brüder: Handelt nach der Barmherzigkeit Gottes! Als hätte er geahnt, wie leicht es seinen Geschwistern fällt, vom anbetenden Staunen direkt in das Machbare und Organisierbare zu wechseln, hat er diese Schnittstelle mit dem Scharnier der Gottesbarmherzigkeit versehen. Ja, es ist ein steiler Umschwung im Römerbrief, vom Handeln Gottes zum Handeln des Menschen. Aber es ist wie bei einer Schiffsschaukel, die Gegenbewegung ist abhängig von dem Schwung der Erstbewegung. Hat die Barmherzigkeit Gottes die Bewegung ausgelöst, so nimmt die Gegenbewegung diesen Schwung auf. Sonst bremst sich die Bewegung aus.

Wir haben in der Regel ein feines Gespür dafür, wenn der Schwung der Barmherzigkeit wegtröpfelt in moralische Appelle, in Verpflichtungen oder aber in großen leeren Worten hängen bleibt. Die Radikalität der Gnade soll sich im Alltag bewähren. Die Gnade Gottes soll menschliche Gestalt annehmen. Konkret. Leibhaftig, wie Paulus sagt. Leib ist in diesem Falle wörtlich zu verstehen: unser Körper mit seinen Widersprüchlichkeiten, seiner Erdenhaftung, seiner Schönheit und seiner Vergänglichkeit, unser Körper, der uns plagt und das Leben spüren lässt, dem ich nicht ausweichen kann, der empfindlich und empfindsam ist, der vergänglich ist. Ein leibhaftiges Opfer für Gott, weil es sonst schnell passieren kann, dass man mit Haut und Haaren gefressen werden kann. Manchmal erscheint es mir, als ob die Kirche, die die Rechtfertigung allein aus Gnaden lehrt, in ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern das Gegenteil lebt.

Karl Barth nennt diese Stelle im Römerbrief die große Störung. Weil uns die Gnade Gottes nicht erhebt und erhöht, sondern runterzieht in die Erdhaftigkeit, weil sie sich in unserem Leben verkörpert, im wahrsten Sinne des Wortes. Sie soll sich bewähren an den Konfliktlinien entlang, an den Konfliktlinien in uns selbst, in unseren Familien und Freundschaften, in unserer Arbeit, in dem, was wir tun und was wir lassen. Eine ganze Palette von Bewährungsfeldern fächert Paulus im Folgenden auf, den Alltag, die Gemeinde, die Nachbarn, die Gesellschaft, die Politik.

Aber in der Perikope geht es vor allem erst einmal um uns selbst, um unsere Selbsteinschätzung. Und ein Wort springt mir ins Auge: Es ist das Wort vom „Maß des Glaubens“. Wörtlich heißt es das „Metron“ des Glaubens, das Metrum, der Takt. Paulus kennt seine Geschwister sehr gut, dass er sie als erstes an das ihnen zugeteilte Maß erinnert. Wer die unermessliche Barmherzigkeit Gottes kennen gelernt hat, der neigt zur Maßlosigkeit, zur frommen Maßlosigkeit, zur frommen Selbstüberschätzung. Sie ist längst nicht überall anzutreffen, aber bei seinen Geschwistern, bei den Engagierten, bei den Verantwortungsvollen, bei Menschen in Gemeindeleitungen, die das Vertrauen der Gemeinde haben und es nicht enttäuschen wollen, da findet sich eine christliche Allmachtsvorstellung. Paulus erinnert sie daran: Es gibt ein Maß, ein Metrum.

Ich erinnere mich noch genau, wie das Wort „Metrum“ mir zum ersten Mal begegnete. Als Kind galt ich als ziemlich taktlos, zumindest in dem kleinen unscheinbaren Schulorchester, in dem ich damals im wahrsten Sinne des Wortes die 2. Geige spielte. Und so zog in unser Haus irgendwann ein kleines Gerät mit einem hölzernen Gehäuse ein, das, wenn man einen Sperrriegel löste, gleichmäßig den Takt anschlug: ein Metronom. Das ist das erste Mal, dass ich dem Ausdruck Metrum begegnet bin. Häufig kam mir das Metronom ungnädig vor, weil es mich sofort entlarvte, wenn ich aus dem Takt kam. Bei schnellen Notenläufen stellte sich mit Hilfe des Metronoms sofort raus, wenn ich das Metrum, das Taktmaß zu schnell eingestellt hatte und fast einen Knoten in die Finger bekam. Bei langsamen Noten offenbarte es sofort meine Ungeduld.

Jetzt begegnet mir das Metrum wieder im Römerbrief. Nach Paulus gibt es ein Metrum des Glaubens. Das klingt seltsam: Kann man Glauben messen? Und woran kann man ihn messen? An den Werken sicher nicht. An der Leistung auch nicht. Am Märtyrerstatus nicht. Am Reichtum nicht. Am Erfolg nicht.

Nach welcher Einheit wird gemessen? Paulus geht jedenfalls davon aus, dass sich seine Schwestern und Brüder schnell vermessen, dass sie zur Vermessenheit neigen. Er ermahnt sie, dass ein jeder und eine jede maßvoll von sich halte und dass man nicht mehr von sich halte, als einem gebührt.

Wenn Paulus vom Metrum spricht und mahnt, dass keiner zu viel von sich hält, mahnt er nicht Bescheidenheit ein. Das wäre zu einfach. Dafür haben wir auch sprachliche und gedankliche Scharfsinnigkeiten entwickelt. Wir sagen dann eben augenzwinkernd: Das hast Du gut sagen dürfen. Auch sich selber loben können wir ganz bescheiden: Da ist mir ein gutes Wort gegeben worden.
Oder: Da durfte ich ein wenig mit dazu beitragen.

Solche Form von Bescheidenheit ist durchaus machbar. Fast ein Spiel.

Aber Paulus geht es um Gottes Barmherzigkeit in unserem Leben, sie ist Maß des Glaubens, Metrum, Takt des Lebens. Unmachbar. Von Gott zugeteilt. In irdenen zerbrechlichen Gefäßen. Dass wir der Barmherzigkeit bedürfen, gilt nicht zuerst anderen, sondern uns selbst. Das kann Paulus nicht jedem in dieser zugespitzten Weise sagen. Doch seinen Geschwistern, denjenigen, die bei dem Wort Barmherzigkeit vor allem an andere denken und nicht an sich selbst, denen muss es deutlich gesagt werden.

Wie aber schlägt das Metrum des Glaubens in meinem Leben den Takt von Gottes Barmherzigkeit?

In unserer amerikanischen Partnerkirche, der United Church of Christ, werden theologische Fragen manchmal auf einfache Fragen herunter gebrochen. Ich erinnere mich noch an eine solche Situation in einer theologischen Debatte im amerikanischen Pfarrkonvent. Es war eine hitzige Diskussion über die Bedeutung der Rechtfertigungslehre für den modernen Menschen.

Da fragte ein Pfarrer in die Runde:

Wenn Du zur Rechtfertigung aus Gnade eine Begebenheit, eine Erfahrung oder eine Geschichte aus Deinem Leben erzählen würdest, welche fällt Dir dazu ein?
Auf die Frage kam zunächst Schweigen und dann begann eine Pfarrerin: It’s not a big deal, es ist nichts besonders Großartiges, aber ich habe einmal erlebt, wie … Und dann folgt eine unauffällige Begebenheit, die die Pfarrerin aber noch nach Jahren in Erinnerung hat.

Ich habe es noch genau vor Augen: Es geht nicht sehr flüssig, aber nach und nach folgt eine Erfahrung und Begebenheit nach der anderen. Ich könnte im Moment keine der Beiträge wiedergeben, aber ich erinnere mich an die verhaltene und konzentrierte Atmosphäre, und zugleich an die kraftvolle Dynamik - diese verschiedenen Leben, die mir da entgegen kamen in ihrer Vielfalt, in ihrer Unterschiedlichkeit. Und ich merke, wie jeder - nach dem Maß seines Glaubens -, wie jede - nach dem Metrum, das ihr Gott gegeben hat -, berichtet. Vielleicht sind die Beiträge zu gering für einen theologischen Arbeitskreis, zu klein für einen Pfarrkonvent, unangemessen für eine hohe Synode, - aber dass wir uns nicht vermessen!

Gottes Maße sind andere als wir erwarten: es ist das Maß eines kleinen Kastens, eine winzige Krippe, in der Gottes Barmherzigkeit genügend Platz findet, dieser Allerweltsstall, über dem ein Stern strahlt, diese Kleinstadt Bethlehem, dieser wunde und zerrissene Ort, auserwählt unter allen Städten. Gottes Barmherzigkeit hat eine Leidenschaft für die kleinen, unauffälligen Orte. Für die kleinen unauffälligen Begebenheiten: das Scherflein der Witwe, fünf Brote und zwei Fische, ein kleines Senfkorn. Gottes Maßeinheiten sind erstaunlich klein.

Wer diesem Gott auf die Spur kommt, der versteht Paulus, wenn er sagt: Halte niemand mehr von sich, als sich gebührt. Denn es könnte sein, dass man vor lauter Suche nach dem Großen, Erhabenen, Besonderem die Barmherzigkeit Gottes verpasst und übersieht. Es ist die Einladung, Gottes Barmherzigkeit wahrzunehmen, in dem Unfertigen, in dem Fragmentarischen, im Mittelmäßigen. Und damit findet Gott einen Platz in meinem Leben. Nicht in dem, wie ich gern sein und scheinen möchte, sondern wie ich wirklich bin.

Am Arbeitsplatz einer Kollegin fand ich einmal den Satz von Ödön von Horvath: „Eigentlich bin ich ganz anders. Nur komme ich so selten dazu.“ Auf diese seltenen Momente wartet Gott nicht. Er beauftragt uns, auch wenn wir gerade so sind, wie wir nicht sein wollen. Er wirkt durch uns, auch wenn wir nicht dem Maßstab entsprechen, den wir an uns selbst gelegt haben. Er macht uns zu Botschafterinnen und Zeugen seiner Barmherzigkeit, auch wenn es erbärmlich wenig in unseren Augen ist, was wir zu sagen haben.

Die große Störung hat Barth den zweiten Teil des Römerbriefes genannt. Gott stört die Komposition von idealem Selbstbild und Enttäuschung, von Stress und Unentbehrlichkeit, von Anspruch und Wirklichkeit, maßloser Selbstausbeutung und Überforderung, von pausenlosem Tun und schlechtem Gewissen. Metrum des Glaubens, Dir von Gott zugeteilt.

Die Barmherzigkeit Gottes will am Sonntag gefeiert und im Alltag gelebt werden, in den halbfertigen und noch nicht geklärten Situationen: vor den Toren der von der Schließung bedrohten Firmen, an den Küsten der bedrohten Pazifikinseln, am Hörer der Telefonseelsorge, in der von Streit gelähmten Familie. Gottes Barmherzigkeit drängt aus der Feier des Gottesdienstes in einen vernünftigen Gottesdienst im Alltag der Welt, in der Leiturgia nach der Leiturgia, wie die Orthodoxe Theologie es nennt: von der Liturgie am Sonntag in die Liturgie des Alltags. Unterschieden aber ungetrennt.
Es ist dieselbe Barmherzigkeit, die am Sonntag gefeiert und in der Woche gelebt wird. Unermesslich – in dem Maße, wie Gott es dir zugeteilt hat. Jedem Beter, jeder Glaubenden gilt: lebe nach dem Maß des Glaubens, das Gott Dir zugeteilt hat. Finde Dein geistliches Metrum. Nimm Deine Grenzen wahr, lass Dich entlarven, wenn Du Dein Metronom zu schnell eingestellt hast, wenn Dir die Pausen zu lang vorkommen, wenn Du aus dem Takt kommst.

Das sagt sich so viel leichter als es ist, jedenfalls für Menschen, die es gewohnt sind, nicht nur Verantwortung zu übernehmen sondern sie auch wirklich zu tragen. Darum ist es gerade im frommen Betrieb, eine Störung, eine heilsame Störung. Ein Abschiednehmen vom gut funktionierenden Apparat, eine Vermenschlichung. Das ist schmerzlich.

Schon hören wir die Worte, die Jesus hören musste, als Martha ihm des Tod ihres Bruders Lazarus mitteilte: Wenn Du da gewesen wärest, dann wäre das nicht passiert. Bitter. So ein Satz trifft. Möglichst überall sein, möglichst über alles Bescheid wissen, auf allen Ebenen mitwirken, immer ansprechbar sein: ein unbarmherziges Metrum, eine maßlose Überforderung. Es ist ein schmerzlicher Prozess, die eigenen Grenzen, das eigene begrenzte Maß anzunehmen. Das heißt loszulassen, „Nein“ sagen, Sabbat halten. Das ist der Abschied von menschlichen Allmachtsphantasien, die Einübung ins Menschsein, in die vielfache Begrenzung. Dann aber beginne ich, aus der Barmherzigkeit Gottes leben. Die Barmherzigkeit Gottes mit hinein zu nehmen in die Unzulänglichkeit des Alltags.

Sein Maß finden, sein Metrum. Paulus lässt seine Geschwister nicht allein mit dieser Aufgabe. Neben der Grenze des eigenen Metrums, des von Gott zugeteilten Maßes des Glaubens, stellt Paulus die anderen, die Gemeinschaft. Sein Lieblingsbild von der Gemeinde als dem einen Körper. Jedes Glied hat seine begrenzten Fähigkeiten und ist auf die anderen verwiesen. Eine Gemeinschaft, die um die Grenzen der anderen weiß, die angelegt ist, dass man aufeinander angewiesen ist und nicht gegenseitig beargwöhnt. Eine solche vertrauensvolle Gemeinschaft ist nicht selbstverständlich. Sie wird angemahnt. Aber sie ist ein Spiegelbild der Barmherzigkeit Gottes, die in den Grenzen unseres Lebens erfahrbar werden soll.

Beides, das Einüben in das eigene zugewiesene Maß des Glaubens und das Angewiesensein auf die anderen ist nicht etwas, das man lernt und dann begriffen hat. Nein, es ist ein lebenslanger Prozess. Wie ist das möglich? Dem Metrum Gottes zu folgen geht nicht anders als wie mit dem kleinen hölzernen Metronom aus dem Musikunterricht, es ist ein Üben, Üben, Üben, ein Einüben in das Metrum Gottes und ein genaues Achten darauf, ob der eigene Rhythmus sich an Gottes Metrum anspaßt. Eines aber muss man tun, den Sperrriegel umstellen, das Metronom seinen Takt angeben lassen für das eigene Spiel des Lebens.

Und dazu sind wir beieinander, feiern wir Gottesdienst, stärken uns am Tisch des Herrn, gehen wir an die Arbeit, jede und jeder nach dem Maß des Glaubens, das Gott ihm und ihr zugeteilt hat. Amen.

Facebook, Twitter und Google+ einschalten
Seite drucken Seite versenden

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Montag, 22. Februar 2010. Die letzte Aktualierung erfolgte am Montag, 22. Februar 2010. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

22.02.2010



© 2017, Evangelische Kirche im Rheinland - EKiR.de
Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung nur mit Genehmigung.