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    Landessynode 2018

    "Gott gibt von der Quelle des Lebens zu trinken, nicht wir"

    In ihrer gemeinsamen Andacht berichteten Kaan Orhon, Mitarbeiter in einer Salafismusberatungsstelle, und Andrew Schäfer, Landespfarrer für Weltanschauungsfragen, von der Arbeit in ihren Beratungsstellen und welche Rolle ihr persönlicher Glaube dabei spielt. 

    „Fanatismus, Extremismus und Fundamentalismus sind Phänomene nicht einer Religion, sondern es sind Optionen des Menschseins, egal welcher Religion oder Weltanschauung jemand angehört“, sagte Kaan Orhon, Islamwissenschaftler und Mitarbeiter der Bonner Salafismus-Beratungsstelle Hayat zur Prävention von Extremismus. Gemeinsam mit dem Landespfarrer für Weltanschauungsfragen in der Evangelischen Kirche im Rheinland, Andrew Schäfer, hielt der gläubige Muslim am heutigen Freitagmorgen die Andacht vor der Landessynode.

    Beide, erklärten sie, beschäftigten sich in ihren Beratungsstellen mit den Schattenseiten von Religion. Sie begegneten Menschen, die negative Erfahrungen mit religiösen Gruppen oder Weltanschauungen gemacht oder sich radikalisiert hätten. Und beide erlebten in den Gesprächen mit diesen Menschen, dass deren Weg meist mit einer Suche begonnen habe. „Nicht alle haben dabei etwas Spirituelles oder Religiöses im Leben gesucht“, erklärte Orhon. „Es fehlte ihnen etwas Wesentliches im Leben, nach dem sie dürsteten.“

    „Mit unserem Lebensdurst bewegen wir uns auf einem schmalen Grad"

    Das Bild des Durstigen aus der Jahreslosung sei dabei ein gutes Bild, um die Situation der Ratsuchenden zu beschreiben, erklärte Schäfer. Und Orhon führte weiter aus: Sie seien in einen Sog des Immer-Mehr-Trinken-Müssens geraten, weil sie Wasser gefunden hätten, das versalzen gewesen sei. Anschläge in New York, Nizza oder Manchester sowie die Situation in Syrien und Afghanistan zeugten von den Auswirkungen, die ein solcher Sog nehmen könne.

    „Es gibt einen Durst nach einem wahrhaftigen Leben in einem jeden von uns“, sagte Schäfer. „Mit unserem Lebensdurst bewegen wir uns auf einem schmalen Grat: Wer kein Wasser findet, muss verdursten. Wer versalzenes Wasser trinkt, muss immer mehr davon trinken, ohne seinen Durst löschen zu können.“ In ihrer Beratungsarbeit stelle sich die Frage, wie sie den Ratsuchenden helfen könnten, fügte Orhon hinzu. Ihren eigenen Glauben könnten sie jedoch vor anderen nur bezeugen, sie könnten ihn niemandem aufzwingen.

    „Das ist genau die Grenze, die wir alle beachten müssen in der Begegnung mit anderen Religionen und Weltanschauungen, sogar in der Begegnung mit denen, die den eigenen Glauben teilen“, erklärte Schäfer. „Wir müssen erzählen von der Wahrheit, die sich uns erschließt, aber stets in dem Bewusstsein, dass Gott von der Quelle des Lebens zu trinken gibt und nicht wir.“

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    ekir.de/sbe, Foto: Hans-Jürgen Vollrath / 12.01.2018



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