Einstieg
Twitter
Landessynode 2013

Ansprache des designierten Präses am Schluss der Synode

Manfred Rekowski, der neu gewählte Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR), hat am Schluss der Landessynode 2013 eine Ansprache gehalten. Wir dokumentieren das Redemanuskript.

Rekowski wendet sich namentlich an Präses Nikolaus Schneider, Vizepräses Petra Bosse-Huber, Vizepräsident Christian Drägert und Oberkirchenrat Georg Immel.

 

1.

Lieber Nikolaus,

unabhängig von den noch folgenden ausführlicheren Würdigungen, möchte ich Dir an dieser Stelle im Namen der Kirchenleitung für das danken, was Du - in und für die Kirchenleitung, in und für diese Synode - in Deiner Amtszeit geleistet hast. Du hast nicht nur unendlich viel Zeit und Kraft in die Ausübung dieses Amtes eingebracht. Du hast das Profil der Evangelischen Kirche im Rheinland in der Öffentlichkeit geschärft. Du warst Sprecher und vielfach auch Gesicht der EKiR und Du bist zudem erkennbar zum Sympathieträger für unsere Kirche geworden Deine situationsgerechte Präsenz und Deine Begabung, Menschen zusammen zu bringen und zusammen zu halten, haben dieser Synode sehr gut getan. Wir sind auch in schwierigen und kontroversen Debatten als Kirche Jesu Christi zusammen geblieben. Und Du hast uns immer wieder auf unsere Verantwortung für unsere Gesellschaft und für unsere Welt hingewiesen. Dafür – und für vieles mehr – dankt Dir die Landessynode außerordentlich.  

2.

Ein besonderer Dank gilt Dir liebe Petra. Du hast unseren Präses im „Normalbetrieb“ und nach der Übernahme des Ratsvorsitzes 2008 um ein vielfaches mehr bei seiner Amtsführung tatkräftig und intensiv unterstützt. Für diesen Dienst, von dem wir alle profitiert haben, haben Dir unsere Synode und die Kirchenleitung sehr zu danken. Sie hat Dir aber auch zu danken für Deine uneingeschränkte Loyalität. Du bist eine ausgesprochen profilierte Theologin, die klare Vorstellungen vom Weg unserer Kirche und vom Führungs- und Leitungsstil unserer Kirche hat. Loyalität hat manchmal einen hohen Preis – und ist manchmal auch mit Zumutungen verbunden.

3.

Eine persönliche Bemerkung von mir: Ich schätze Dich außerordentlich und ich wünsche mir, dass wir gemeinsam mit den übrigen Mitgliedern der Kirchenleitung ein neues Kapitel der Leitung unserer Kirche und in der Zusammenarbeit mit dieser Synode aufschlagen: in Kontinuität, wo es möglich ist, und im Wandel, wo es nötig ist.

4.

Lieber Christian,

wir alle kennen Dich meist aus längjähriger Zusammenarbeit. Vieles von Deinem Wirken haben wir mitbekommen und zum Teil hier erlebt. Manches wurde mit großer Zustimmung aufgenommen und anderes wurde kontrovers diskutiert. Eine Seite, die weniger bekannt sein dürfte, möchte ich heute noch einmal öffentlich in Erinnerung rufen: Dein diplomatisches und politisches Geschick Dass aus EKU UEK wurde, wie die Kirchenbünde und die EKD zusammenwuchsen, ist ein Beispiel für die Wahrnehmung der Rolle des kirchenpolitischen Außenministers durch Dich. Du hast an der einen oder anderen Stelle Kirchengeschichte geschrieben. Auch dafür haben wir Dir sehr zu danken.  

5.

Lieber Georg,

die Situation, in der wir uns miteinander befinden, ist unabgeschlossen, weil manches noch nicht geklärt ist. Deshalb ist ein Abschluss nicht möglich, sondern wir erleben gemeinsam eher einen Abbruch. Das schmerzt. Die Vorgänge um das bbz haben sich auch in den letzten Tagen wie Teer lähmend auf diese Synode gelegt. Aber dennoch gilt Dir an dieser Stelle Dank für Dein berufliches und kirchenleitendes Wirken. Ich will das an einem sehr konkreten Punkt deutlich machen: Bis zu dem Zeitpunkt, als Du 1997 zum Finanzdezernenten gewählt wurdest, hat die Synode den Haushalt der Landeskirche kontrovers detailliert im Plenum diskutiert und abgestimmt. Es gab eine Unkultur des Misstrauens und es gab hohe Intransparenz. Durch Deine Amtsführung ist dies in kürzester Zeit beseitigt worden. Du hast Standards gesetzt und gezeigt, was mit Transparenz und Vertrauensbildung möglich ist. Die Synode hat dies regelmäßig mit meist einstimmigen Beschlüssen zum Haushalt gedankt. Das ist – neben vielem anderen – unabhängig von den offenen und ungeklärten Fragen Dein bleibender Verdienst.  

6.

Hohe Synode,

ich sage es an dieser Stelle direkt und deutlich: Der Montagnachmittag war in großen Teilen eine Zumutung für Sie. Manches, was gesagt wurde, und vieles, was nicht gesagt wurde, war ein Desaster. Dafür haben wir einen hohen Preis gezahlt – einige einen sehr hohen. Als neu gewählter erster Sprecher unserer Kirche möchte ich mich dafür bei Ihnen entschuldigen.  

7.

Liebe Schwestern und Brüder,

die Landessynode ist schon ein Dream-Team der besonderen Art. Die Barmer Erklärung spricht von der Kirche der begnadigten Sünder. In der Kirche der begnadigten Sünder gibt es immer auch die Schuld der Verantwortungsträgerinnen und -träger. Aber es gibt genauso die Schuld der Zuschauer, der Mitläuferinnen und der Träger von weißen Westen. Manchmal ist man mehreres zugleich. In der Kirche der begnadigten Sünder gibt es eine Solidarität der Schuldigen, die einander nichts voraus haben. Diese solidarische Schuldgemeinschaft ist hier seit einer Woche versammelt und sie bleibt dies auch, wenn sich Wege trennen. „Noch will das Alte unsere Herzen quälen, noch drückt uns böser Tage schwerer Last.“ Doch Gott redet, wirkt und heilt.

Facebook, Twitter und Google+ einschalten
Seite drucken Seite versenden

Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Montag, 14. Januar 2013. Die letzte Aktualierung erfolgte am Montag, 14. Januar 2013. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / neu / 14.01.2013



© 2017, Evangelische Kirche im Rheinland - EKiR.de
Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung nur mit Genehmigung.