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Landessynode 2013

Grußwort von Bischof Bartholomaios von Arianz

Grußwort von Bischof Bartholomaios von Arianz, Vikarbischof der Griechisch-Orthodoxen Metropolie von Deutschland bei der 64. ordentlichen Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland am 7. Januar 2013 in Bad Neuenahr

Sehr geehrter Herr Präses, hohe Synode!

Vielen Dank, dass Sie mir die Gelegenheit geben, Ihnen nicht nur die besten Wünsche zum neuen Jahr der Gnade unseres Herrn zu überbringen, sondern auch die geschwisterlichen Grüße unseres Metropoliten Augoustinos und der Griechisch-Orthodoxen Metropolie von Deutschland.

Inklusion lautet Ihr Querschnittsthema in diesem Jahr und ich habe zu meiner Überraschung festgestellt, dass es kein ganz genau entsprechendes Wort dafür in meiner griechischen Muttersprache gibt. Manche Autoren schlagen ΣγΜΠΡΙΛΗΨΙΣ (symperilepsis) dafür vor, was sich vom Verb SYMPERILAMBANO ableitet und in etwa „mit-einschließen“ bedeutet.
Es kann ein besonders gutes Zeichen sein, wenn es für etwas keine eigene Vokabel gibt, oder ein besonders schlechtes: Denn es bedeutet entweder, dass eine Sache so selbstverständlich ist, dass man gar kein Wort darüber mehr verlieren muss, welches Wort man daher also auch gar nicht mehr braucht.
Andererseits kann es aber auch bedeuten, dass etwas so unbekannt ist, dass man überhaupt nicht darüber redet.
Als aufmerksamer Beobachter meiner Kirche muss ich feststellen, dass wohl letzteres eher im Bereich des Möglichen liegt. Als Theologe ist mir der Begriff SYMPERILEPSIS andererseits sehr sympathisch, da er eine Haltung zum Ausdruck bringt, die das Allumfassende des Heils und der Kirche bezeichnet. Origenes verwendet den Begriff in seinen Matthäus-Fragmenten, wenn er schreibt „Christus umfasste dam Kreuz die Enden der Erde (TA PERATA TES OIKOUMENES) und zog sie zu sich heran, umfasste sie, schloss sie mit ein“ (Fragment 552). Diese Wirkkraft des Opfers unseres Herrn, die alle Menschen und alle Zeiten umfasst und zu Jesus Christus hinzieht, ist ein Gedanke, der nicht nur in der ‚Alten Kirche, z.B. bei Origenes fasziniert, sondern uns bis heute verbindet.
Wenn Paulus schreibt „Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid <einer> in Christus Jesus“ (Gal 3,28), dann ist dies bereits Inklusion, natürlich mit anderem Schwerpunkt als in der heutigen Diktion, aber in der gleichen Radikalität und in der gleichen Selbstverständlichkeit. Ja, Inklusion ist etwas Selbstverständliches und wo immer wir dies vergessen, darf unsere Fragestellung nicht sein „Warum benötigen wir sie?“, sondern „Warum nicht?“ Warum setzen wir sie nicht um?

Ohne den Rahmen meines Grußwortes sprengen zu wollen, möchte ich Ihnen in diesem Zusammenhang von den PERATA TES OIKOUMENES, aus der weltweiten Ökumene, berichten, dass die Synode des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel vor einigen Wochen einen neuen Heiligen in den Kalender unserer Kirche aufgenommen hat: den heiligen Nikephoros den Leprakranken. Dieser war sozusagen ein Zeitgenosse, denn er lebte im 20. Jahrhundert und wurde trotz der Leiden, die er durch seine Krankheit und durch die EXKLUSION seitens seiner Mitmenschen erlitt, zu einem Vorbild im Glauben und in der gelebten Gemeinschaft aller Menschen.
In diesem Sinn dieser Gemeinschaft wünsche ich Ihnen Gottes Segen für die Beratungen hier in Bad Neuenahr und natürlich für die anstehenden Wahlen. Ihnen, lieber Präses Schneider, darf ich bereits heute für die guten Jahr der ökumenischen Zusammenarbeit unserer Kirchen danken. Metropolit Augoustinos wird dies zu gegebener Zeit sicher in bessere Worte fassen, um Ihnen unseren Dank auszusprechen.
Ich freue mich, Gast Ihrer Synode sein zu dürfen. Vielen Dank

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Montag, 7. Januar 2013. Die letzte Aktualierung erfolgte am Montag, 7. Januar 2013. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / 07.01.2013



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