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Landessynode 2011

Beschlüsse I: Atomkraftwerke, Schöpfungstag, Frieden sowie Menschenrechte und Globalisierung

Landessynode 2011 Landessynode 2011

Die Landessynode 2011 wendet sich gegen die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken. Sie unterstreicht die Perspektive der Armen in Fragen von Globalisierung und Menschenrechten. Sie wirbt für den Schöpfungstag und tritt für die Weiterarbeit in Fragen von Gewaltfreiheit und Frieden ein. Beschlüsse vom Mittwochabend.

Die Landessynode der Evangelischen Kirche im Rheinland hat sich gegen die politisch beschlossene Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken ausgesprochen. Nach Auffassung des obersten Leitungsgremiums der rheinischen Kirche ist die Laufzeitverlängerung „unverantwortlich gegenüber den kommenden Generationen“. Zugleich beschloss die Synode die Erarbeitung von Kernpunkten eines nachhaltigen Energiekonzepts. Diese sollen dann in die politische Diskussion eingebracht werden. Der Beschluss fand seine Mehrheit bei zehn Gegenstimmen und einigen Enthaltungen.

Bereits in seinem Bericht hatte der rheinische Präses Nikolaus Schneider am Montag unterstrichen, dass solche kirchlichen Stellungnahmen zu politischen Fragen aus der theologischen Erkenntnis heraus geschehe, dass das Evangelium auch die Welt gestalten will. Die theologisch-ethischen Gesichtspunkte seien aber auch dem jeweiligen Sachgebiet gegenüber angemessen zu verantworten.

„Deshalb mahnen wir, dass politische Entscheidungen von heute in Verantwortung für die nachfolgenden Generationen getroffen werden. Deshalb fordern wir von der Wirtschaft, dass bei allen Planungen und Entscheidungen das Gemeinwohl genauso zu achten ist wie berechtigte Renditeinteressen der Unternehmen. Deshalb bleibt unsere ablehnende Haltung gegenüber der verlängerten Nutzung der Kernkraft bestehen“, hatte Schneider vor den Synodalen erklärt.

Schöpfungstag ökumenisch feiern

Im vorigen September ist zum ersten Mal ein ökumenischer Schöpfungstag gefeiert worden. Der bundesweite Auftakt war in Brühl bei Köln, in der griechisch-orthodoxen Kirche, schließlich hat der Schöpfungstag orthodoxe Wurzeln. Nun hat die rheinische Landessynode die Feier des Schöpfungstages für das Gebiet der rheinischen Kirche empfohlen. Dazu soll es am ersten Freitag im September neben zentralen Gottesdiensten der Arbeitsgemeinschaften Christlicher Kirchen (ACK) Südwest und NRW ökumenische Gottesdienste in den Gemeinden geben. Außerdem sollen in einer „Schöpfungszeit“ zwischen 1. September und Erntedankfest besondere Veranstaltungen angeboten werden.

Dekade Gewalt überwinden: weiter an Fragen des Friedens arbeiten

Die Ökumenische Dekade zur Überwindung von Gewalt geht zu Ende, ihre Anliegen bleiben. So sollen ihre Anstöße in die Konfirmandenarbeit und in den Religionsunterricht einfließen. Dazu sollen Materialien erstellt werden, beschloss die Landessynode. Das oberste Leitungsgremium der Evangelischen Kirche im Rheinland hat außerdem angeregt, dass in den Kirchenkreisen weiter an den Themen des Konziliaren Prozesses gearbeitet werden soll, verankert beim Gemeindedienst für Mission und Ökumene (GMÖ).

Die Landessynode hat festgehalten, dass die Auswirkungen struktureller Gewalt vor allem auf arme Länder und dass die Gewalt durch Terror und Terrorismus „aktuelle Herausforderung“ sind. Dagegen sollen das Leitbild des „Gerechten Friedens“ und das Konzept der „Menschlichen Sicherheit“ weiter verfolgt werden.

Schließlich, lautet weiter der Beschluss der Landessynode 2011 zum Abschluss der Dekade zur Überwindung von Gewalt, soll auf der nächsten Vollversammlung des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK) 2013 in Südkorea der Konziliare Prozess für Gerechtigkeit, Friede und Bewahrung der Schöpfung gewürdigt werden – 30 Jahre nach seiner Ausrufung. www.ekir.de/dekade

Globalisierung und Menschenrechte: Impulse für eine gerechtere Welt

Die Landessynode 2011 hat unter dem Titel „Chance für eine gerechtere Welt“ biblisch-theologische Impulse zu Fragen von Menschenrechten und wirtschaftlicher Globalisierung formuliert. Mit diesem Impulspapier, bei wenigen Gegenstimmen und Enthaltungen am Mittwochabend angenommen, will das oberste Leitungsgremium der Evangelischen Kirche im Rheinland das Bewusstsein für die Menschenrechte und ihre Durchsetzung fördern. Und sie betont aus der biblischen Tradition ihre Verpflichtung, ihre Anwaltschaft für die Menschenrechte konsequent aus der Perspektive der Armen und Entrechteten zu sehen.

Die Globalisierung gehe mit „massiven Verletzungen der Menschenrechte einher“. Die Kluft zwischen universeller Anerkennung der Menschenrechte und ihrer weltweiten Verletzung sei durch die Globalisierung „eher größer geworden“, heißt es in dem Papier, etwa durch fehlende soziale Standards, etwa durch Hunger und Armut, unwürdige Arbeitsbedingungen und Hungerlöhne.

Als Anknüpfungspunkt für biblisch-theologische Begründungen wird exemplarisch die Tora genommen. Die zentralen Begriffe dabei: Barmherzigkeit und Gerechtigkeit. Die Tora als Weisung für das gemeinsame Leben in Gerechtigkeit und insbesondere den Schutz für die Armen lässt sich dem Papier zufolge „am deutlichsten mit der modernen Ausformulierung und Praxis der Menschenrechte ins Gespräch bringen“. Daraus lasse sich menschenrechtlich unter anderem eine leistungsunabhängige Grundsicherung ableiten, die eine menschenwürdige Existenz sichert.

Das beschlossene Impulspapier ist in guter ökumenischer Tradition in drei Abschnitte gegliedert: Sehen, Urteilen und Handeln, erinnerte die Theologin Dr. Ilka Werner, Vorsitzende des Theologischen Ausschusses, bei der Einbringung der Vorlage ins Plenum. Und so analysiert das Papier die Herausforderungen des Globalisierungsprozesses für die Kirchen im Blick auf die Menschenrechte, beleuchtet die kirchlichen Traditionen im Blick auf Menschenrechte und formuliert schließlich die Aufgaben – inklusive des kirchlichen Eintretens für die Menschenrechte.

 

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Donnerstag, 7. Juli 2011. Die letzte Aktualierung erfolgte am Donnerstag, 4. August 2011. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de/neu / 07.07.2011



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