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Bibel teilen / Bible Sharing

Bibel-Teilen – Bible Sharing ist eine Methode, Menschen zum gemeinsamen Bibellesen und zur Mit-Teilung der dabei erfahrenen „Ansprache“ zu ermutigen. Sie entstand in katholischen Gemeinden in Südafrika in den 1970er Jahren, wird aber inzwischen überall auf der Welt angewandt. Sie basiert auf dem Gedanken, dass Gott uns durch biblische Texte hindurch anspricht, berührt, verändert. Dabei spielt Zuhören und Schweigen eine große Rolle. Bibel-Teilen ist auch eine meditative, ruhige Angelegenheit.

Die Bibel-Teilen-Methode gibt es inzwischen in mehreren Varianten, grundlegend besteht sie aus sieben Schritten. Sie ist aber kein statisches Regelwerk, sondern bleibt offen, je nach Situation und Gruppe angepasst zu werden.

Wichtig sind folgende Gesichtspunkte:

• Bibel-Teilen betont die Gleichrangigkeit aller Teilnehmer/innen: Es gibt zwar eine/n Gesprächsleiter/in, aber alle Anwesenden sind Experten/innen für den Text, denn die biblische Botschaft geht alle an und alle hören – Unterschiedliches – aus ihr heraus.

• Bibel-Teilen bringt Menschen ins Gespräch. Dadurch, dass die Teilnehmer/innen, Alltagsbegebenheiten, Erfahrungen und Gefühle aussprechen, lernen sie einander kennen und verstehen.

• Bibel-Teilen will Menschen ermutigen. Sie erleben, dass sie von Gott angesprochen werden. Sie erkennen, dass ihr Leben, ihre Sorgen wie Erfolge, wichtig sind und von anderen wertgeschätzt werden. Sie erfahren, dass sie biblische Texte verstehen und ins Gespräch bringen können.

• Dem entsprechend zielt Bibel-Teilen nicht auf eine theologisch-exegetische Erklärung des Textes. Häufig erwarten Gemeindechristen/innen von ihrem/r Pfarrer/in, dass er oder sie den Text erklärt („Herr Pfarrer, jetzt sagen Sie mal, was das wirklich bedeutet…“). Historische Informationen sind aber nur ein Zugang zum Text, ein Aspekt, der beim Bibel-Teilen einfließen kann, aber nicht muss. Alle anderen Eindrücke und Erfahrungen der Teilnehmenden sind genauso wichtig.

• Bibel-Teilen ist eine geistliche Begegnung. Das Gebet steht am Anfang und Ende des Treffens. Wenn wir der Überzeugung folgen, dass Gott durch biblische Texte anspricht, tut es gut, auch mit ihm zu sprechen. Die/ Der Gesprächsleiter/in sollte darauf achten, in welcher Form das Gebet erfolgt, je nach Gewohnheit, Tradition und Vertrauen der Teilnehmer/innen. Nicht jede/r ist freies Gebet gewohnt.

• Beim Bibel-Teilen dürfen alle mitreden, aber niemand wird gezwungen. Wichtiger als das Reden ist beim Bibel-Teilen das Zuhören. Deshalb erfolgt der Austausch über den Text erst in einer späteren Phase. Zunächst hören alle genau hin, schweigen und achten auf das, was andere ihnen mitteilen, ohne es gleich wieder zu kommentieren. Erfahrungsgemäß fällt das manchen schwer. Der/ Die Gesprächsleiter/in darf die besonders Redseligen gerne bremsen.

• Bibel-Teilen braucht ein gewisses Vertrauen. Viele Menschen wollen sich Fremden gegenüber nicht äußern, schon gar nicht über ihre religiösen Erfahrungen und die Gefühle, die Texte in ihnen wach rufen. Daher ist es wichtig, dass das Bibel-Teilen in kleinen Gruppen von 5 bis höchstens 10 Personen erlebt wird.

• Die Methode eignet sich hervorragend, Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und Sprachen ins Gespräch zu bringen. Bei allen Unterschieden ist die Bibel unbestritten die Grundlage des Glaubens in allen Kirchen und Gemeinden. Verschiedene kulturelle Zugänge und Erfahrungswelten schließen daher noch mehr den Schatz auf, den die Bibel zur Verfügung stellt.

• Wenn Menschen verschiedener Muttersprache zum Bibel-Teilen zusammenkommen, empfiehlt es sich, eine „Konferenzsprache“ für den Austausch (Schritte 5 und 6) festzulegen. Für Rückfragen oder bei Verständnisschwierigkeiten sollte mindestens eine Person zur Verfügung stehen, die ggfs. übersetzen kann. Das Beten, das Lesen des Textes und das Aussprechen wichtiger Passagen (Schritte 1-3 und 7) sollten in beiden Sprachen möglich sein. Deshalb sollte der Text auch in beiden Sprachen schriftlich vorliegen. Das Hören des Textes in einer fremden Sprache öffnet uns die Ohren dafür, dass die Bibel ursprünglich in uns fremden Sprachen (Althebräisch und Griechisch) geschrieben wurde und auch unsere Texte immer Übersetzungen sind.

• Die Methode des Bibel-Teilen eignet sich gut, Menschen an die Bibel und ihre geistlichen Erfahrungen heranzuführen, die sich für „religiös unmusikalisch“ halten, oder dem Glauben eher distanziert und skeptisch gegenüber stehen. Sie können die Erfahrung machen, dass biblische Texte auch sie ansprechen, ohne dass sie dabei ein Glaubensbekenntnis ablegen müssen: Alle Eindrücke, Assoziationen und Gedanken sind erlaubt, auch die unfrommen und kritischen.

• Bei allem Schweigen, Hinhören und Mitteilen hatten die Erfinder der Methode auch die Praxis im Blick. Wenn Gott uns anspricht, ändert sich etwas im Leben. Und wir sind aufgerufen, etwas in dieser Welt zu ändern: Am Schluss des Gesprächs kann/ soll daher die Frage stehen, was wir mitnehmen, was wir bei uns, in unseren Gemeinden, in unserer Umwelt ändern sollen.

Grundsätzlich sehen die Sieben Schritte des Bibel-Teilen so aus:

1. Einladen/Sich öffnen - in einem Gebet oder Lied lädt die Gruppe Gott ein, unter ihnen zu sein, und öffnet sich für ihn.

2. Lesen – ein/e Teilnehmer/in liest den Text laut vor, er kann auch mehrfach und in Verseinheiten, von mehreren Teilnehmern/innen laut gelesen werden; verschiedene Stimmen machen ihn lebendiger (ggfs. zwei verschiedene Sprachen auch).

3. Verweilen/Vertiefen – jede/r Teilnehmer/in spricht einzelne Worte oder Wortgruppen laut aus, ohne dass sie kommentiert würden; anschließend wird der Text noch einmal vorgelesen,

4. Schweigen - für einige (vom/ von der Gesprächsleiter/in angekündigte) Minuten lassen die Teilnehmer/innen den Text in der Stille nachklingen und bedenken, was er für sie und ihr Leben bedeutet,

5. Mitteilen – jede/r teilt den anderen seine/ ihre Überlegungen, Gefühle, Erfahrungen und Ideen mit. Auch diese Äußerungen werden nicht kommentiert!

6. Austauschen – erst jetzt suchen die Teilnehmer/innen im gemeinsamen Gespräch nach den Bedeutungen des Texts für sich und die Gemeinschaft; neue Vorsätze zum Handeln können formuliert und ältere reflektiert werden,

7. Beten - das Bibel-Teilen wird mit einem Gebet, Lied oder Segensspruch abgeschlossen.

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ekir.de / schae / 27.06.2013



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