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Berieten über Fragen der Staatsbürgerschaft: Gespräcshpartner aus Israel, Palästina, Deutschland und den USA. Berieten über Fragen der Staatsbürgerschaft: Gesprächspartner aus Israel, Palästina, Deutschland und den USA.

4. Christlich-jüdischer Workshop

Nicht einfach, aber notwendig

„Citizenship“ lautete das Thema der christlich-jüdischen Workshops, den die Evangelische Kirche im Rheinland gemeinsam mit der Evangelisch Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land vom 2. bis 4. Mai in Tantur bei Jerusalem ausgerichtet hat. 

Zum vierten Mal traf sich dabei die Gruppe der 25 Gesprächspartner aus Israel, Palästina, Deutschland und den USA. In Vorträgen und Gesprächsrunden standen die unterschiedlichen Kontexte im Mittelpunkt, die sich für die Teilnehmenden mit dem Thema „Staatsbürgerschaft“ verbinden: Staatenlose Palästinenser, Palästinenser mit israelischer Staatsbürgerschaft, jüdische Israelis, Deutsche jüdischen und christlichen Glaubens teilten miteinander, wie ihre jeweilige Realität ganz konkret von der Zugehörigkeit oder Nichtzugehörigkeit zu einem Staat geprägt ist.

Kann Israel als demokratischer Staat gleichzeitig ein jüdischer Staat sein? Was bedeutet das für die mehr als 20 Prozent der israelischen Staatsbürger, die Nichtjuden sind? Welche Implikationen hat die jüdische Nationalhymne „HaTikva“ für nichtjüdische Israelis? Welchen Diskriminierungen sind Palästinenser ausgesetzt, die ohne einen eigenen Staat im Rücken zum Großteil nach wie vor als staatenlos eingestuft werden?

„Ich habe durch diesen Dialog sehr viele verschiedene Stimmen in meinem Kopf, die ich jetzt auch in mein eigenes Selbstverständnis als jüdische Israeli mit einbeziehen muss“, sagte Deborah Weissman. „Das ist nicht einfach, aber notwendig.“

Bischof Munib Younan und andere palästinensische Teilnehmer sprachen sehr direkt auch die Anfragen an, unter denen dieser Dialog geführt wird: Trägt der interreligiöse Dialog zu einer Normalisierung der Besatzung bei? Nein, lautete die Antwort der Teilnehmenden. „Jedenfalls nicht, solange sich alle Gesprächspartner durch die Begegnung auch bewegen lassen,“ sagte Munther Isaak. „Und das ist hier in unserer Gruppe der Fall. Daher ist mir die Mitarbeit hier wichtig.“

Begrüßt wurde sowohl von jüdisch-israelischen als auch von palästinensisch-christlichen Teilnehmenden der Beschluss der rheinischen Landdessynode vom Januar diesen Jahres. Unter der Überschrift „Schritte in Richtung Frieden und Gerechtigkeit in Israel und Palästina“ hat sich die Evangelische Kirche im Rheinland dabei zur Aufgabe gesetzt, für die Anerkennung palästinensischer Eigenstaatlichkeit durch die Bundesrepublik Deutschland einzutreten.

„Wir hoffen, andere Landeskirchen werden dem Beispiel des Rheinlands folgen“, sagte Bischof Younan. „Auch wenn damit noch nicht alles gesagt ist, was gegen das Unrecht der Besatzung gesagt werden muss, so ist das doch ein entscheidender Schritt, der in seiner Bedeutung nicht unterschätzt werden darf.“

Barbara Rudolph, die als Leiterin der Abteilung Ökumene den Workshop zusammen mit Bischof Younan leitete, sagte zum Abschluss: „Wir sind immer wieder überrascht, wieviel Bedeutung unsere Gesprächspartner aus Israel und aus Palästina unseren Workshops hier beimessen. Nicht nur für uns, sondern auch für die anderen Gesprächspartner sind daraus schon jeweils sehr konkrete Entscheidungen und Projekte entstanden.“

Was wir uns an Schritten vornehmen, muss dabei „relevant, urgent and winnable“ sein, so Shanta Premawardhana. „Dann wird ein kleiner Sieg auf den nächsten folgen und am Ende Gerechtigkeit und Frieden für Palästina und Israel bringen.“

Nächstes Jahr soll der Dialog mit einem Workshop in Deutschland fortgesetzt werden, so der einhellige Beschluss aller Teilnehmenden. 

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ekir.de / vis / 09.05.2016



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