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Landessynode 2013

Grußwort von Bischof Dr. Matthias Ring

Sehr geehrter Herr Präses Dr. Schneider,
liebe Schwestern und Brüder,

ich danke herzlich für die Einladung und Möglichkeit, vor Ihnen zu sprechen. Gerne überbringe ich Ihnen die Grüße der Alt-Katholischen Kirche und auch insbesondere die unserer Kirchenleitung, der Synodalvertretung.

Liebe Schwestern und Brüder,

Anfang Dezember begann die zweite Runde des Internationalen römisch-katholischen-altkatholischen Dialogs mit einem ersten Treffen in Paderborn. Auf der Tagesordnung dieser zweiten Dialogphase steht unter anderem die Frage nach dem altkirchlichen Grundsatz „Keine Eucharistiegemeinschaft ohne Kirchengemeinschaft“. Der Vatikan hat diesen Tagesordnungspunkt gewünscht, weil man dort – aber nicht nur dort – irritiert ist über das evanglisch-altkatholische Verhältnis in Deutschland. Denn da stellt sich die Frage: „Haben wir am Ende Eucharistiegemeinschaft, ohne Kirchengemeinschaft zu haben?“ Eine Frage, die mir auch manche altkatholische Bischöfe stellen.

Es ist ja wirklich so, dass wir ein etwas seltsames Verhältnis haben. Wir haben offiziell keine Kirchengemeinschaft, keine Abendmahlsgemeinschaft. Wir haben eine Vereinbarung von 1985 über die gegenseitige Einladung zum Abendmahl bzw. zur Eucharistie. Allerdings muss man dazu sagen, schon 1985 ging die Praxis in den Gemeinden und auch bei den Bischöfen über diese Vereinbarung hinaus. Das scheint uns auch nicht besonders bemerkenswert, weil die Praxis öfters der Theologie und den Papieren vorausgeht. Schon damals war es üblich, dass es Fälle von Interzelebration gab, also dass Geistliche beider Kirchen gemeinsam eine Abendmahlsfeier geleitet haben, oder dass in extremen Diasporaverhältnissen evangelische Geistliche in Vertretung die altkatholische Eucharistiefeier nach altkatholischem Ritus gefeiert haben.

Ein solches Verhältnis lässt sich theologisch schwer beschreiben. Die beste Beschreibung fand ich immer noch bei einem evangelischen Oberkirchenrat, der das in ein schönes Bild gekleidet hat. Er sagte, unsere beiden Kirchen sind wie Verlobte, die Schwierigkeiten haben, in den Hafen der Ehe einzulaufen, aber die sich entschieden haben, trotzdem die Früchte der Ehe zu genießen.

Ich darf ergänzen: Bei mir daheim nennt man das ein „schlampertes Verhältnis“. Solche „schlamperten Verhältnisse“ erweisen sich aber als überaus stabil, und ich würde sagen, in diesem Falle sogar als überaus fruchtbar, also ökumenisch fruchtbar. Natürlich stehen wir in einem theologischen Dialog, den wir mit der VELKD führen. Wir suchen nach Konsens, versuchen Dissens aufzulösen, wissen aber auch, dass es Fragen gibt, in denen wir sicherlich die nächsten 10 oder 20 Jahre zu keinem Konsens finden werden. Eben z.B. in der Amtsfrage. Aber wir haben in der Kommission in dieser letzten Phase des evangelisch-altkatholischen Dialogs uns zusammengesetzt und uns gesagt: „Mein Gott, wir schaffen es zwar nicht, eine Erklärung über die gegenseitige Erklärung der vollen Kirchengemeinschaft zu verabschieden, aber wir leben doch de facto Kirchengemeinschaft.“

Wir haben einmal in einer Broschüre aufgelistet, was zwischen unseren Gemeinden alles möglich ist und schon passiert. Nicht als einen Katalog, den es abzuarbeiten gilt, sondern einfach, um zu zeigen, was zwischen uns an Formen der Gemeinschaft gelebt wird. Und wir haben darin auch festgehalten, was es zu bedenken gibt, wenn wir bestimmte Dinge gemeinsam tun, z.B. gemeinsam die Eucharistie feiern, gemeinsam trauen oder auch gemeinsam taufen. Wir leben de facto - in unterschiedlicher Intensität je nach Ort und Zeit - Formen kirchlicher Gemeinschaft. Wir haben zwar das Problem, dies mit einer theologischen Erklärung zu untermauern, aber ich denke, das, was wir leben, ist doch nicht Nichts und es muss doch auch eine theologische Qualität haben.

Ich möchte deshalb diesen Anlass auch nutzen, Ihnen Dank zu sagen für die Formen kirchlicher Gemeinschaft, die wir hier im Rheinland leben dürfen, auf Gemeindeebene aber auch auf institutioneller. Ich danke Ihnen, dass wir so unkompliziert miteinander trotz aller theologischen Differenzen, die es gibt, Gemeinschaft leben dürfen. Ich möchte diesen Dank verbinden mit einem besonderen Dank an Sie, Bruder Schneider: Ihre Amtszeit geht zu Ende. Wir haben Sie als einen Menschen erfahren, der immer ein offenes Ohr für uns hatte, das darf ich auch im Namen meines Vorgängers, Bischof Joachim Vobbe, sagen, von dem ich Sie auch ganz herzlich grüßen darf. Sie sind uns stets als ein fairer Partner begegnet. Dafür danke ich Ihnen sehr! Ich wünsche Ihnen und dieser Synode Gottes Segen für Ihre ja spannenden Beratungen und Entscheidungen.

Vielen Dank!

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Dienstag, 8. Januar 2013. Die letzte Aktualierung erfolgte am Dienstag, 8. Januar 2013. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

08.01.2013



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