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Landessynode 2013

Schwung für die Kirche

Die Wahlen und das Schwerpunktthema der Synode „Inklusion“ standen im Mittelpunkt der Grußworte von Vertreterinnen und Vertretern aus Ökumene und Politik.

Annette Kurschus, die westfälische Präses, bei ihrem Grußwort an die Landessynode 2013 LupeAnnette Kurschus, die westfälische Präses, bei ihrem Grußwort an die Landessynode 2013

Annette Kurschus, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, verwies auf die Wahlen zur Kirchenleitung - „entscheidende Wahlen mit hoffnungsvollen Kandidierenden“ - und wünschte allen Anwesenden Gelassenheit in diesen schwierigen Zeiten. „Die geschwisterliche Tradition gilt es weiter zu pflegen. Gottes Wort in die Welt zu tragen ist unser gemeinsamer Auftrag.“

Grußwort an die Landessynode 2013: Bischof Bartholomaios Bild-LupeGrußwort an die Landessynode 2013: Bischof Bartholomaios

Keine Übersetzung für „Inklusion“

In seiner Muttersprache gebe es keine Übersetzung für das Wort „Inklusion“, erklärte Bischof Bartholomaios von der der Griechisch-orthodoxen Metropolie von Deutschland und dem Exarchat von Zentraleuropa. Das könnte ein gutes Zeichen sein, falls Inklusion selbstverständlich sei und man gar kein Wort dafür brauche. Es könne aber auch ein schlechtes Zeichen sein, weil Inklusion unbekannt sei, was Bartholomaios eher befürchtet. Dabei sei Inklusion doch eigentlich selbstverständlich, stellte der Bischof fest und berichtete über die Heiligsprechung von Nikephoros des Leprakranken.

Grußwort an die Landessynode 2013: NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann Bild-LupeGrußwort an die Landessynode 2013: NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann

Inklusion ist ein Generationenprojekt

Die stellvertretende Ministerpräsidentin Nordrhein-Westfalens, Sylvia Löhrmann, verglich die Landessynode zur Belustigung der Synodalen mit einem Parteitag. Sie dankte insbesondere Präses Nikolaus Schneider für konstruktive Diskussionen, die „auch menschlich sehr wertvoll“ gewesen seien. In Bezug auf das Schwerpunktthema Inklusion führte sie aus, dass zwar der Begriff neu sei, aber „das Thema gestalten wir seit Jahrzehnten“. Es bleibe noch viel zu tun. Inklusion sei ein Generationenprojekt und betreffe alle Bereiche der Gesellschaft, nicht nur die Schulen, sagte die Ministerin für Schule und Weiterbildung.

Grußwort an die Landessynode 2013: Staatssekretär Prof. Dr. Alexander Lorz LupeGrußwort an die Landessynode 2013: Staatssekretär Prof. Dr. Alexander Lorz

Ressourcen und gesellschaftlicher Rückhalt nötig

Der Staatssekretär im hessischen Kultusministerium Prof. Dr. Alexander R. Lorz bekannte vor den Landessynodalen, dass er in der Nähe von Düsseldorf wohnt. „Sie sind meine Synode. Dass ich als Staatssekretär im hessischen Kultusministerium hier sein darf, das konnte ich mir nicht entgehen lassen.“ Auch er sprach über Inklusion: Sie bedeute das Wertschätzen der Vielfalt von Talenten und gesellschaftliche Teilhabe aller.

Weiter betonte Lorz, dass Inklusion lediglich ein neues Etikett für etwas sei, wozu es schon jahrzehntelange Erfahrungen gebe. „Bei allen Erfolgen bleibt es trotzdem ein langer Weg und wir brauchen einen langen Atem.“ Es gebe viele Pläne, aber es bedürfe vieler Ressourcen und gesellschaftlichen Rückhalts. Dahinter stehen Werte wie Gerechtigkeit, Solidarität, Achtung vor der Würde des Menschen und Verantwortung der Freiheit.

Grußwort an die Landessynode 2013: Saar-Minister Andreas Storm LupeGrußwort an die Landessynode 2013: Saar-Minister Andreas Storm

„Barrieren in den Köpfen“

Auch Andreas Storm, Minister für Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie im Saarland, unterstrich die große Bedeutung der Inklusion. Diese Bedeutung sei über die Parteigrenzen hinweg anerkannt. „Wir sind immer wieder gefordert, unser Land zu einem Land für alle zu machen“, erklärte er. Ob jung, alt, gesund, krank, mit oder ohne Handicap - „alle bereichern unser Land“.

Bei Inklusion werde oft an Barrieren für Rollstühle gedacht. Diese seien meist leicht zu beseitigen. „Die eigentlichen Barrieren sind in den Köpfen und ich wünsche mir, dass wir diese Barrieren überwinden.“ Inklusion brauche die Neugier auf Verschiedenheit. "Dann profitieren wir alle davon.“

„Neuer Schwung für eine Kirche, die Zeugnis ablegt“

Pfarrer Laurent Schlumberger, Präsident des Nationalrates der Vereinigten Protestantischen Kirche von Frankreich, hat in seinem Grußwort die Beziehung zwischen den Kirchen mit einem Familientreffen verglichen. „Es ist gut, etwas miteinander zu machen. Und es ist auch gut, wichtige Momente im Leben der Familie zu teilen“, sagte er im Grußwort vor der rheinischen Landessynode. Schlumberger bedankte sich bei Präses Dr. h.c. Nikolaus Schneider für alles, was er für die Beziehungen zwischen den Kirchen getan habe.

Er schilderte den Verlauf der Vereinigung der Reformierten Kirche von Frankreich und der Lutherischen Kirche von Frankreich: Im Mai wird die erste Nationalsynode der Vereinigten Protestantischen Kirche von Frankreich in Lyon stattfinden und einen neue Kirchenleitung wählen. „Diese Union bedeutet neuen Schwung für eine Kirche, die Zeugnis ablegt.“

Bei dem zukünftigen Prozess „werden wir unsere Schwesterkirche brauchen. Denn durch die geschwisterlichen Bande, die uns gegeben sind, kommen wir voran auf dem Weg, den der lebendige Gott uns eröffnet“, so Schlumberger.

Dank für unkompliziertes Miteinander

„Ich danke der rheinischen Kirche für das unkomplizierte Miteinander trotz aller theologischen Differenzen, die es gibt“, sagte Bischof Dr. Matthias Ring vom Katholischen Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland in seinem Grußwort an die Landessynode 2013.

„Wir haben ein seltsames Verhältnis“, stellte Ring klar. „Wir stehen in ökumenischem Dialog, aber es gibt theologische Fragen, in denen in den kommenden Jahren kein Konsens absehbar ist.“ Und doch gehe die Praxis in den Gemeinden über alle Vereinbarungen hinaus. „Wir leben de facto Formen kirchlicher Gemeinschaft“, betonte Ring. Er sehe das Problem der theologischen Untermauerung, „aber das, was wir leben, hat eine theologische Qualität.“

Bahngleis mit zwei Schienen

Auf die gute Zusammenarbeit an vielen Orten zwischen der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) und den katholischen Bistümern hat Weihbischof Dr. Thomas Löhr (Limburg) in seinem Grußwort vor der rheinischen Landessynode hingewiesen.

Löhr verglich den ökumenischen Weg mit einem „Bahngleis, das notwendigerweise zwei Schienen hat: den gelebten Glauben im Alltag der Christen, der wirksam wird in der Liebe, und die theologische Reflexion des Glaubens im Gespräch miteinander.“

Prof. Dr. Werner Löser kam auf den kürzlich veröffentlichten Aufruf „Ökumene jetzt“ zu sprechen. In dem Aufruf sei jedoch nicht genügend beachtet worden, dass die unterschiedlichen theologischen Positionen eng mit den in den Kirchen erkannten und anerkannten Glaubensgrundlagen zusammenhingen, führte der Jesuit und Lehrer an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main aus. Dennoch dürften die Kirchen nicht nachlassen, sich „für eine Vertiefung der sichtbaren Einheit der gespaltenen Christenheit einzusetzen“.

In Fragen der Inklusion noch viel zu tun

Pastor Leo Schouten, Vorsitzender des Bundes Freikirchlicher Gemeinden, ist in seinem Grußwort auf das Schwerpunktthema der Landessynode, die Inklusion, eingegangen. Dabei gehe es nicht nur um Menschen mit Behinderung, sondern insgesamt um die Gesellschaft. Mit dem Wegschaffen von Barrieren sei es nicht getan. Vielmehr gehe es um ein neues gesellschaftliches Gefüge, in dem Menschen mit allen ihren Möglichkeiten ihren Platz in der Gesellschaft finden und mitmachen können sollten. „Und dabei haben wir alle noch viel zu tun“, sagte Schouten.

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Montag, 7. Januar 2013. Die letzte Aktualierung erfolgte am Dienstag, 8. Januar 2013. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / pas, Fotos: Hans-Jürgen Vollrath / 07.01.2013



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