Interview

Staunen über die Tora, lernen über Gott

Zum Israelsonntag 2011 gibt es zwei Arbeitshilfen: Ein ekir.de-Interview mit dem Landespfarrer für den christlich-jüdischen Dialog, Dr. Volker Haarmann.

Dr. Volker Haarmann ist Landespfarrer für den christlich-jüdischen Dialog. Dr. Volker Haarmann ist Landespfarrer für den christlich-jüdischen Dialog.

Am 28. August ist „Israelsonntag“. Was ist mit Israel gemeint, das Land oder die Schwesterreligion?
Beides. Es geht natürlich zunächst um das Volk Israel, das heißt um die jüdische Wurzel unseres Glaubens, der wir bleibend verbunden sind. Von Israel lernen wir, wer Gott ist. Aber das jüdische Volk, unsere Schwesterreligion, ist in besonderer Weise auch mit dem Land Israel verbunden. Davon hören wir immer wieder in unserer Bibel. Wenn wir theologisch von Israel sprechen, kann daher auch die realpolitische Dimension nie ausgeblendet sein. Wir als rheinische Kirche bekennen den niemals gekündigten Bund Gottes mit seinem Volk Israel. Und zu dieser theologischen Bestimmung des christlich-jüdischen Verhältnisses gehört ausdrücklich auch der heutige Staat Israel. Wenn es im Wochenpsalm am Israelsonntag heißt „Wünschet Jerusalem Glück! ... Es möge Friede sein in deinen Mauern...“, dann hat das heute für uns natürlich sehr konkret mit dem Nahost-Konflikt zu tun und ist nicht nur im übertragenen Sinne zu verstehen.

Warum gibt es den Israelsonntag?
Es ist unser Anliegen, uns ein Mal im Jahr ganz ausdrücklich mit unserem Verhältnis zu Israel zu beschäftigen. Wir beschränken uns natürlich nicht auf diesen Sonntag. Die Bibel, die im Alten und Neuen Testament ganz zentral von Israel erzählt, befasst uns das ganze Jahr. Aber den Israelsonntag zu haben, ist eine wichtige Erinnerung an unsere bleibende Verbundenheit mit dem Judentum. Gerade weil der Tag in der Tradition früher einmal Ausdruck christlicher Überheblichkeit gegenüber dem Judentum war.

„Staunen über die Tora“ heißt die Arbeitshilfe zum Israelsonntag 2011. Worum gehts?
Im Zentrum steht ein spannender, komprimierter Text aus dem 5. Buch Mose über die Gabe der Tora an Israel. Wir sind nicht die Erstadressaten, sondern stehen zunächst einmal als Zuhörende dabei. Der Bibeltext feiert die Gabe der Tora an Israel.

Und das Geschenk der Tora ist die Gerechtigkeit…
Ja. Das Geschenk der Tora ist die Gerechtigkeit. Und das besondere Geschenk an uns ist es, dass Gott uns durch Jesus Christus derselben Gerechtigkeit verpflichtet. Die Tora gehört zunächst Israel, sagt der Predigttext, aber auch für uns geht es in der Nachfolge Jesu Christi um dieselbe Gerechtigkeit und Ethik, hören wir in der Evangeliumslesung

Die Arbeitshilfe bietet nicht nur etwas für Kopf und Seele, sondern auch den Gaumen.
Die Arbeitshilfe enthält verschiedene Einführungen zum Thema, unter anderem auch vom Braunschweiger Landesrabbiner Jonah Sievers, sie enthält zum Beispiel auch liturgische Anregungen von Sylvia Bukowski, und dann haben wir zwei Rezepte aufgenommen: süße Torarollen aus Blätterteig und Gebotstafeln aus Biskuitteig – inklusive Schablonen. Wir hoffen auf regen Gebrauch in den Gemeinden.

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Freitag, 5. August 2011. Die letzte Aktualierung erfolgte am Freitag, 5. August 2011. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / neu / 05.08.2011



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