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Änne Kaufmann

Änne Kaufmann (1903-1991) gehört zu den Menschen, die die evangelische Kirche geprägt, bewegt und verändert haben. Deshalb ist sie auch einer der "Köpfe" im Düsseldorfer Landeskirchenamt: Ihr Porträt ist im Erdgeschoss des Gebäudes an der Hans-Böckler-Straße zu sehen.

Sie verbrachte rund sechzig Jahre in Essen, aber sie war kein Kind des Ruhrgebiets: Anna Auguste Kaufmann, genannt Änne, wurde am 4. September 1903 in Bremen geboren. Sie wollte Theologie studieren, möglich war das zunächst noch nicht, und so wurde sie erst einmal Lehrerin.

Die Wende brachte 1927 das sog. Vikarinnengesetz, wie Archivdirektor Dr. Stefan Flesch bei der Einweihung des Kaufmann-Porträts sagte. Änne Kaufmann machte Latinum, Graecum und schließlich auch das Haebraicum, studierte ihr Wunschfach in Göttingen und Bonn. Beim damaligen Konsistorium der Evangelischen Kirche der Rheinprovinz, angesiedelt in Koblenz, legte sie dann 1932 das erste theologische Examen ab.

Und trat noch im gleichen Jahr in Essen als Lehrvikarin an - mit gesplitteten Aufgaben: teils für die weibliche Jugend im Kirchenkreis Essen-Mitte, teils in der Gemeindearbeit von Essen-Altstadt. Zeitwende 1933. Änne Kaufmann engagiert sich in der Bekennenden Kirche, hilft mit bei der Rettung von fünf jüdischen Essener Mitbürgern.

Nachträgliche Anerkennung

Im März 1935 legt Änne Kaufmann ihre zweite theologische Prüfung nicht beim Konsistorium, sondern bei der Bekennenden Kirche in Barmen ab. Auch die Ordination, im Dezember des gleichen Jahres, schieht durch die Bekennende Kirche. Ein nicht nur erfreuliches Erlebnis: Angesetzt war sie kurzfristigst: am Freitag für Sonntag, wie sollte man es da schaffen, Eltern, Verwandte, Freunde einzuladen? Und die Zweitausfertigung der Ordinationsurkunde wurde dann auch noch abgeändert in "Einsegnungsurkunde".

Zu dieser Ordination ist noch mehr zu erzählen:  Aus konsistorialer Perspektive war sie illegal. Aber die Geschichte geht so weiter, nachzulesen auf der Website des Archivs: Das Presbyterium wünschte sich eine Kostenübernahme der Stelle durch die Provinzialkirche, beantragte dazu 1942 beim Konsistorium die Verbeamtung von Änne Kaufmann.

Erste ordinierte Frau

Das Konsistorium torpdierte dieses Anliegen - Überraschung - nicht: Der Antrag wurde positiv beschieden, und dazu wurden sogar die zweite theologische Prüfung und die Ordination rückwirkend legalisiert. Änne Kaufmann hat das einmal in einem Interview zusammengefasst: Sie war die erste Frau in Deutschland, die ordiniert wurde, die erste Pastorin mit einer Anstellung im Beamtenverhältnis, die erste Frau, die getauft und Abendmahl ausgeteilt hat.

Basis des Graffitos, das heute im Landeskirchenamt zu sehen ist, ist das Foto, das Änne Kaufmann einst bei der Anmeldung zum ersten Examen eingereicht hatte, berichtete Archivdirektor Flesch. Ein Atelierbild: Die Theologin sitzt am offenen Fenster, auf einem kleinen Tisch ist ein Blumenensemble zu sehen. Von allen eingereichten Fotos rheinischer Pfarrerinnen und Pfarrer ist es "das mit Abstand künstlerisch anspruchsvollste".

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ekir.de / neu / 23.01.2017



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