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Landessynode 2013

Grußwort von Präses Annette Kurschus, Evangelische Kirche von Westfalen

Herr Präses,
verehrte Synodale,
liebe Geschwister im Rheinland,

vor einigen Jahren wurde in der Wochenzeitung „Die ZEIT“ ein Gespräch mit dem Schriftsteller Siegfried Lenz veröffentlicht.
Bei meinem Umzug nach Bielefeld fand ich das ausgeschnittene Gespräch wieder.

Vermutlich habe ich es deshalb aufgehoben, weil Lenz da unter anderem von seiner Großmutter erzählt. Von dieser alten Frau, - wie eine meiner Großmütter auch – aus Ostpreußen stammte.

Ich komme – so erinnert sich Lenz – immer wieder auf meine Großmutter in Masuren zurück, die eine große Geschichtenerzählerin war. Sie nahm mich immer mit zur Kirche, wenn eine Hochzeit stattfand. Sie stand da, die alte Frau, angeleimt vor Erwartung. Und wenn sich das Brautpaar zeigte, strich sie mir über den Kopf, deutete auf die beiden Menschen und sagte:
„Jungchen, das geht nicht gut aus.“ (DIE ZEIT, 8.5.2008)

„Jungchen, das geht nicht gut aus“:
Die Worte der alten ostpreußischen Dame beschreiben eine Stimmung, die gegenwärtig ihre Schatten über unsere Gesellschaft legt.
Auch über unsere Kirche.
Das ist in der Evangelischen Kirche im Rheinland wohl nicht anders als in der Evangelischen Kirche von Westfalen. Obwohl man Ihnen eine unerschütterliche Frohnatur nachsagt und uns eher für schwerfälligen Gesellen hält.

Wer sich umhört und umsieht; wer die Zeitung liest, die Nachrichten aus aller Welt einschaltet oder das Gespräch mit Mitarbeitenden der Kirche sucht, der und die können tatsächlich zu diesem Schluss kommen:
„Jungchen, Mädchen, das geht nicht gut aus.“
Mit unserer Erde nicht.
Mit unserem Land nicht.
Mit unserer Kirche nicht.
Und mit mir selbst – vielleicht auch nicht.

Wenn eine Synode derart entscheidende Wahlen vor sich hat wie Sie in diesen Tagen: Mit jeweils mehreren hoffnungsvollen Kandidatinnen und Kandidaten für verantwortliche Leitungsämter – wie kann das gut ausgehen?
Jedenfalls wird es nicht für alle so ausgehen, wie sie sich’s wünschen.
Soviel steht fest.
Wie gut, dass wir einander besuchen und uns dabei gegenseitig daran erinnern können:

Unser Tun und Lassen, unser Planen und Wirtschaften, unser Predigen und diakonisches Handeln, unser Reden und Schweigen – auch unser Wählen und Leiten stehen unter der gegenteiligen Verheißung:

„Jungchen, Mädchen, das geht gut aus!“

Von dieser Verheißung leben wir. Diese Verheißung haben wir als Kirche in die Welt zu tragen. Das ist unser gemeinsamer Auftrag – ob in Düsseldorf oder in Bielefeld, ob in Bad Neuenahr oder in Bethel. Die Kraft der Verheißung soll man uns abspüren. Auch auf unseren Synoden.
Auch dann, wenn gewählt wird und das Ergebnis nicht für alle gleich gut sein kann.
Die Verheißung gilt dennoch.
Weil Gott in seinem ewigen Ratschluss so beschlossen hat.
Weil Gott es so vorhat mit uns, mit seiner Schöpfung.
Weil er es auch für die Evangelische Kirche im Rheinland so will.

„Jungchen, Mädchen, das geht gut aus“

Ich wünsche Ihnen als Synode die Gelassenheit, die aus dieser göttlichen Verheißung erwachsen mag.
Ich wünsche diese Gelassenheit allen, die kandidieren; ich wünsche sie auch uns als westfälischen Nachbarinnen und Nachbarn.
Wir gehören nah zusammen.
Wir haben viele gemeinsame Aufgaben und gemeinsame Interessen.
Wir haben eine gute und bewährte geschwisterliche Tradition, die es weiter zu pflegen und zu gestalten gilt.
Solche Gelassenheit ist etwas anderes als Optimismus oder positives Denken. Sie lebt von der tiefen Zuversicht, dass Gott unser Leben und unsere Zukunft in seinen Händen hält und besser weiß als wir, was gut für uns ist.
Diese Zuversicht baut darauf:
Selbst dann, wenn wir’s verderben sollten – auch Synoden können bekanntlich irren! -, vermag Gott die Sache zum Guten zu wenden.
Für jeden einzelnen Menschen. Für die rheinische Kirche. Und für die Gemeinschaft der Kirchen, in der wir verbunden sind.

„Jungchen, Mädchen, das geht nicht gut aus“,
unken gerade in der Kirche besonders viele. Alles wird weniger und enger.
Unsere gemeinsame Aufgabe heißt: Kirche kleiner setzen.
Unser gemeinsamer Auftrag bleibt: Die Botschaft von der freien Gnade Gottes auszurichten an alles Volk. (Barmen VI).
Und die Verheißung, von der wir gemeinsam leben, lautet:
„Jungchen, Mädchen, das geht gut aus!“

Aus diesem Auftrag, aus dieser Verheißung gilt es, die Aufgaben zu beschreiben, die jetzt unsere Aufgaben sind. Hier und heute – und im Blick auf die Zukunft.

Es ist gut, dass wir in Rheinland-Westfalen-Lippe an verschiedenen Stellen einen gemeinsamen Weg eingeschlagen haben:
Eine gemeinsame Diakonie RWL in Münster; das Predigerseminar in Wuppertal gemeinsam mit der Lippischen und der Reformierten Kirche; das größte Pastoralkolleg innerhalb der EKD in Villigst.

Unser Ziel muss es sein, unsere jeweiligen Fähigkeiten und Stärken gut aufeinander zu beziehen, ohne die Eigenheiten und Prägungen in Frage zu stellen: Einheit in versöhnter Verschiedenheit.

Ich freue mich darauf, heute als Ihr Gast neue Erfahrungen zu machen und zu lernen.

Dabei bin ich mit Ihnen, zur Not auch stellvertretend für Sie, gewiss:
„Jungchen, Mädchen, das geht gut aus!“

In diesem Sinne: Fruchtbare Beratungen – und verantwortliche Wahlen!

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Montag, 7. Januar 2013. Die letzte Aktualierung erfolgte am Montag, 7. Januar 2013. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / 07.01.2013



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