Regionalkonferenzen

"Miteinander planen statt nebeneinander"

Kirchenrat Pfarrer Dr. Volker Lehnert über seine Zwischenbilanz der Regionalkonferenzen zum Thema Personalplanung - dafür ist er im Landeskirchenamt zuständiger Leitender Dezernent.

Dr. Volker Lehnert LupeDr. Volker Lehnert

Was hat Sie bei der Regionalkonferenz am meisten überrascht?

Überrascht hat mich die Heftigkeit, mit der der anvisierte Zeitplan für den Prozess der Personalplanung in Frage gestellt wurde. Offensichtlich war bislang nicht bekannt, dass die Stärkung der Kirchenkreisebene zumindest für die Bereiche Kirchenmusik und Jugendarbeit bereits seit den Landessynoden 2002 und 2006 anvisiert wird und viele Mitarbeitende in diesen Bereichen seitdem auf entsprechende Lösungen warten.
Überrascht hat mich auch, wie groß die Skepsis synodalen Gremien gegenüber ist. Landessynodale Entscheidungen als ‚top-down’-Entscheidungen zu charakterisieren, das ist einfach unsachgemäß. Die Synode besteht doch aus gewählten Delegierten der Gemeinden! Genauso könnten ja auch Gemeindeglieder presbyteriale Entscheidungen als ‚top-down’ ablehnen, wenn diese nicht auf einer Gemeindeversammlung basieren.

Wo sehen Sie den dringendsten Bedarf für weitere Diskussionen?

Das zentrale Problem besteht für mich in der Frage, inwieweit Prozesse, die ihrer Natur nach eigentlich automatisch in Gang kommen müssten, durch gesetzliche Regelungen befördert werden können. Oder anders: Wie verhalten sich die theologisch gegebene evangelische Freiheit und die personalwirtschaftlichen Erfordernisse der Kirche als Arbeitgeberin zueinander? Wieviel Leitung ist nötig und wieviel Vertrauen in die Selbstorganisation dezentraler Prozesse? Oder noch anders: Wieviel erwarten wir vom Geist Gottes und wieviel erwartet dieser von uns und unseren Gestaltungsmöglichkeiten? Oder ist dies eine falsche Alternative? Immerhin spricht Paulus von der Zusammenarbeit zwischen Gott und Mensch, wenn er sich und seine Mitarbeitende als „Gottes Mitarbeitende“ (1. Kor 3,9) bezeichnet.
Des Weiteren halte ich es für dringlich, die Synodalbeschlüsse zum evangelischen Ämterverständnis aus dem Jahre 2004 sowie zur Leitvorstellung ‚Missionarisch Volkskirche sein’ aus dem Jahre 2010 für die künftige Personalplanung fruchtbar zu machen. Die Synode hatte sich damals in großer Einmütigkeit für den Erhalt der Dienstgemeinschaft verschiedener kirchlicher Berufe sowie eine missionarische Ausrichtung des Dienstes ausgesprochen. Dem gilt es nun durch personalwirtschaftliche Entscheidungen angemessen Rechnung zu tragen. 

Wie sehen Sie den Prozess der Personalplanung?

Insgesamt sehe ich ihn sehr positiv. Er hat allerorts sehr engagierte und meist konstruktiv-kritische Diskussionen ausgelöst. Die vielen weiterführenden Aspekte werden die Vorlage sicherlich konsensfähiger machen. Außerdem hat der Prozess den Blick für das Ganze der Kirche befördert. So wie sich Landessynode und Kirchenleitung der Bedeutung ihrer Entscheidungen für die einzelne Gemeinde bewusst sein müssen, so muss sich jedes Presbyterium der Bedeutung seiner Entscheidungen für die Gesamtkirche bewusst sein. Wir haben weder eine konsistoriale noch ein presbyteriale Ordnung, wir haben eine presbyterial-synodale Ordnung. Die Kirche Jesu Christi existiert als Gemeinde und als Gesamtkirche. Sofern die Gesamtkirche die einzelne Gemeinde unterstützt, etwa beim Finanzausgleich, wird dies interessanterweise auch gar nicht in Frage gestellt. Für den laufenden Prozess heißt dies: Personalplanung für die Gesamtkirche ist leichter möglich, wenn ca. 750 Gremien ihre jeweiligen Regionen gemeinsam in den Blick nehmen und miteinander planen statt nebeneinander. Und nichts anderes will der Beschluss 53 der Landessynode 2011 erreichen.

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Hinweis: Dies ist ein archivierter Beitrag vom Montag, 15. August 2011. Die letzte Aktualierung erfolgte am Montag, 15. August 2011. Grundsätzlich verändern wir Achivbeiträge nicht, ggf. sind einzelne Informationen und Links veraltet.

 

ekir.de / jpi, roß / 15.08.2011



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